Die Leipziger Volkszeitung berichtete vergangene Woche von der Liquidation der Leipziger Taxizentralen „Löwen-Taxi“. Damit geht ein einzigartiges Kapitel deutscher Taxigeschichte zu Ende. Die traditionsreiche Genossenschaft, hervorgegangen aus dem Leipziger Droschkenverein von 1876, galt als älteste Taxi-Vereinigung Deutschlands. Seit Jahresbeginn wird der Betrieb abgewickelt – ein Einschnitt, der weit über Leipzig hinaus Signalwirkung für die Branche hat.
„Was heute eine stille Zentrale in der Leipziger Jahnallee ist, war über Jahrzehnte das Herz des städtischen Taxiverkehrs“, beschreibt die Leipziger Volkszeitung (LVZ). Rund um die Uhr wurden hier Fahraufträge koordiniert, Großkunden betreut und hunderte Unternehmer organisiert. Löwen-Taxi überstand Kaiserreich, Weimarer Republik, DDR und Wiedervereinigung – und blieb dabei stets eine privatwirtschaftliche Genossenschaft.
Das Aus kam nicht plötzlich. Die Altersstruktur der Mitglieder wurde zum entscheidenden Problem. Viele Unternehmer sind seit Jahrzehnten dabei, Nachfolger fanden sich kaum noch. „Wir sind völlig überaltert“, wird der langjährige Vorstand und heutige Liquidator Uwe Franz in der LVZ zitiert. Das klassische Modell Taxi als Altersvorsorge habe ausgedient. Die Corona-Pandemie beschleunigte diese Entwicklung zusätzlich.

Hinzu kam ein strukturelles Dilemma: Große Firmenkunden mussten zuverlässig bedient werden, während spontane Fahrten für Privatkunden immer schwieriger zu vermitteln waren. Sinkende Unternehmerzahlen bedeuteten am Ende: keine Fahrzeuge, keine Vermittlung.
Besonders in der DDR-Zeit erlebte die Genossenschaft ihre Hochphase. Mit eigener Verwaltung, eigenen Tankstellen und bis zu 240 angeschlossenen Unternehmern war Löwen-Taxi ein Schwergewicht im Leipziger Verkehrsgeschehen. Nach der Wiedervereinigung folgte zunächst ein Boom: zeitweise fuhren rund 900 Taxen unter dem Dach der Genossenschaft. Viele Quereinsteiger versuchten ihr Glück im Gewerbe. Doch der Markt bereinigte sich. Was blieb, waren zuletzt noch rund 25 meist kleine Betriebe – zu wenig, um eine eigene Vermittlungszentrale wirtschaftlich zu betreiben.
Die verbliebenen Unternehmer werden inzwischen über den Mitbewerber, die Funktaxenzentrale 4884 disponiert, die sie bis zum Frühjahr vollständig übernimmt. Parallel dazu läuft die Abwicklung der Genossenschaft. Immobilien in der Jahnallee und der Lessingstraße wurden bereits veräußert, die Vermögensverteilung an rund 100 Mitglieder soll im Herbst beschlossen werden. Die vollständige Liquidation ist bis Ende 2026 angesetzt.
Besonders am Herzen liegt den Verantwortlichen laut Leipziger Volkszeitung der Erhalt der Geschichte: historische Taxameter, teils über 100 Jahre alt, sowie die traditionsreiche Genossenschaftsfahne sollen nicht verschwinden. Geplant ist eine Übergabe an ein Museum – als sichtbares Zeichen dafür, welchen Stellenwert das Taxi über Generationen hinweg hatte.
Das Ende von Löwen-Taxi ist mehr als das Aus einer Leipziger Genossenschaft. Es steht exemplarisch für die Herausforderungen des Taxigewerbes: demografischer Wandel, Nachwuchsmangel und veränderte Marktbedingungen. Gleichzeitig erinnert es daran, welche Rolle Taxiunternehmen über Jahrzehnte für Mobilität, Wirtschaft und Stadtgesellschaft gespielt haben. nu
Beitragsbild: Löwen-Taxi







Genossenschaftliche Taxizentralen wurden und werden im Interesse ihrer Mitglieder gegründet. Weil gemeinsam das eigene Geschäft zu fördern immer kostengünstiger ist als mehrere konkurrierende Strukturen für den gleichen Zweck zu verwenden.
Früher wars der gemeinsame Einkauf von Pferdefutter, später Treibstoff, Waschanlage…siehe obiger Text. Heute ist die offensichtlichste Aufgabe die Auftragsvermittlung.
Dabei sind die Genossenschaften auch ein ganz wesentlicher Dienstleister für die vielen anderen Aufgaben wie Abrechnungswesen, planen der Schüler-, Kranken-,Behindertenfahrten. Werbung, Akquise von Neukunden, Großkundenbetreuung und zentraler Ansprechpartner für Verwaltung und Politik…. Und damit Gewerbevertretung.
Traurig, wenn die Genossenschaften diesem Auftrag nicht gerecht werden, Mitglieder verlieren und damit in eine Abwärtsspirale gewirtschaftet werden.
Doch diese Einigkeit im gemeinsamen Interesse ist für unser Gewerbe überlebenswichtig. Durch die zusätzlich bezahlten externen Vermittler sind die Kosten für jedes Taxi hochgetrieben worden statt die Genossenschaften fit zu machen für den Einsatz der entstandenen technischen Möglichkeiten und für den Konkurrenzkampf mit rein provisionsgetriebenen Vermittlern. Die über reine Vermittlung hinausgehenden Dienste der Genossenschaften kosten auch Geld, Nerven und Arbeitskraft, werden aber nicht entsprechend gewürdigt und bezahlt.
Dieses Bewusstsein sollte doch nach mehr als einem Jahrzehnt gewerbefremder Plattformen wieder erwacht sein.
Liebe Frau Urban,
ich bin Leiter des Deutschen Genossenschaftsmuseums in Delitzsch. Mit großen Bedauern haben wir die Schließung der traditionsreichen Genossenschaft zur Kenntnis genommen, die in unserem Museum im Eingangsbereich als ein Beispiel von 50 ausgewählten Genossenschaften vorgestellt wird.
Herr Franz deutete in seinem Beitrag in der „Leipziger Volskzeitung“ vorletzte Woche an (hier indirekt), dass er unserem Museum gern einige Traditionsstücke schenken will. Bei uns wären sie in der Tat gut aufgehoben.
Leider gelingt es mir nicht, den direkten Kontakt zu Herrn Franz herzustellen. Die Homepage von Löwen-Taxi ist bereits abgeschaltet. Könnten Sie bitte vermitteln?
Freundliche Grüße
Dr. Thomas Keiderling
Leiter des Deutschen Genossenschaftsmuseums in Delitzsch
http://www.genossenschaftsmuseum.de