Wenn Deutschlands älteste Taxi-Vereinigung nach 150 Jahren den Schlüssel in Leipzig umdreht, dann ist das kein nostalgischer Betriebsunfall. Es ist ein Warnsignal. Umso bemerkenswerter ist aber, dass nur wenige Tage später aus der gleichen Stadt die passende Antwort kommt, wie es für Taxizentralen weitergehen kann.
Es war wie ein kleines Beben, als vor rund drei Wochen publik wurde, dass die Taxivermittlung Löwentaxi liquidiert, also aufgelöst wird. Leipzigs älteste Taxi Vereinigung ist nicht an mangelnder Tradition gescheitert – davon hatte man mehr als genug. Gescheitert ist die Genossenschaft an einer Mischung aus Überalterung, fehlender Übergabekultur und einer politischen wie unternehmerischen Mutlosigkeit, die im Taxigewerbe leider kein Einzelfall ist.
Taxi als Altersvorsorge? Dieses Modell ist tot. Über Jahrzehnte galt: Wer fleißig fährt, verkauft später sein Unternehmen und sichert sich damit den Ruhestand. Dieses Versprechen trägt nicht mehr. Junge Unternehmer kaufen keine Taxibetriebe, sie gründen Start-ups oder fahren – wenn überhaupt – auf Zeit. Das Taxi ist für viele kein Lebenswerk mehr, sondern ein Übergang.
Mit dieser Unternehmensphilosophie müssen sich auch die etablierten Taxizentralen zurechtfinden. Die Zeiten, in denen sich die Taxibetriebe automatisch einer Taxizentrale anschließen, sind vorbei. Man sucht sich den Vermittler, der viele Fahrten zu bieten hat und nimmt gerne auch von allem etwas mit. So paradox es klingen mag: Jene Plattformen, die mit ihren taxiähnlichen Angeboten auf Mietwagenbasis die Anzahl der von den Taxizentralen vermittelten Touren verringert haben und damit den Umsatzrückgang der angeschlossenen Taxibetriebe verursachten, bieten sich nun als Alternative eben jenen Taxibetrieben an.
Und weil diese von den Touren ihrer Taxizentralen nicht mehr ausreichend Umsatz machen, greifen sie auf die Plattform-Apps wie Uber und Bolt zurück. Und für jene, für eine Taxikonzession nur noch ein Übergang ist, zählt keine Nachhaltigkeit, sondern die Maximierung des Umsatzes. Koste es, was es wolle.
Doch statt diese Realität offensiv anzunehmen, wird seitens der Taxizentralen vielerorts gewartet. Auf bessere Zeiten. Auf Nachfolger. Auf politische Hilfe. Auf irgendwen. Bei Löwen-Taxi wartete man am Ende ins Leere.
Übrig blieb damit nur mehr die Leipziger Taxizentrale 4884 GmbH. Dort allerdings hatte man rechtzeitig erkannt, dass eine mittlere Zentrale es eben nicht mehr alleine schaffen kann, auf Dauer gegen die Plattformen zu bestehen. Folglich dachte man ein wenig um die Ecke bzw. man blickte über den lokalen Tellerrand hinaus. Die dortigen Geschäftsführer suchten nach einem starken Partner. Sie suchten ihn nicht bei den Plattformen, sie suchten und fanden ihn bei Taxi One – einer Firma, die ihre Berliner Taxizentralen wirtschaftlich erfolgreich führt. Die letzte Woche erfolgte Bekanntgabe war das zweite Leipziger Taxibeben innerhalb weniger Tage.
In Berlin wird der Fokus auf digitale Bestellwege gelegt und auf eine automatisierte Tourensteuerung. Das erhöht die Effizient und senkt gleichzeitig die Ausgaben. Die Kostenersparnis wird in ein erhöhtes Marketingbudget gesteckt. Anstatt also noch mehr Kunden zu verlieren, gewinnt man wieder Kunden (zurück). Die Taxizentrale ist für den angeschlossenen Unternehmer ein attraktiver Fahrtenvermittler – ohne dass es dafür genossenschaftliche Nostalgie braucht.
Was Taxizentralen stattdessen brauchen, ist eine passende Mixtur aus Kapital und lokaler Kompetenz. Das eine stammt von der wirtschaftlichen starken Taxizentrale, das andere bringt der örtliche Fahrtenvermittler mit. Von ihm kommen die lokale Verankerung und die in Jahrzehnten aufgebauten Strukturen. Ebenso landen gewachsene Beziehungen zu Fahrgästen, zu Unternehmen und natürlich auch zu den Behörden und den kommunalpolitischen Entscheidern auf dem Gabentisch dieser Hochzeit.
Das Ende von Löwen-Taxi ist kein Einzelfall, sondern ein Vorbote. Genossenschaften, Funkzentralen, Einzelunternehmer: Alle stehen vor derselben Frage. Wie machen wir das Taxi wieder attraktiv – wirtschaftlich, organisatorisch und kulturell?
Gute Großkundenverträge haben alle Taxizentralen: Bahn, Industrie, feste Aufträge. Doch was nützt das, wenn am Ende die Teilnehmer und Mitglieder fehlen, die das Auftragsvolumen wegfahren?
Eine der möglichen Antworten hat Leipzig schon wenige Tage nach der Liquidationsankündigung der einen Taxizentrale gegeben, indem die andere durch einen Zusammenschluss mit einer kapitalstarken Taxizentrale das Knowhow, die Ressourcen und die Innovationskraft bündelt. Und das Beste daran ist: Das hilft auch den „Löwentaxis“, denn die dort angeschlossenen Unternehmer haben nun auch wieder eine Heimat mit Zukunftsperspektive. jh, nu
Beitragsfoto: Taxi Times





Schon bei der Gründung konkurrierender Zentralen ist immer Unzufriedenheit mit dem jeweiligen Platzhirsch ausschlaggebend gewesen. Dass die Leipziger Genossenschaft die Wende bei veränderten technischen und unternehmerischen Bedingungen nicht vollzogen hat ist Fakt und Warnung.
Die betriebsübergreifenden gemeinsamen Interessen müssen aber beachtet werden. Viele Betriebe sowohl aus dem Lager der genossenschaftlichen wie gewerblichen Zentralen nutzen zusätzlich andere Apps! Sie geben es nur nicht offen zu!
Diese taxifremden Apps verursachen allerdings bei jedem angenommenen Auftrag insgesamt eine Steigerung der Vermittlungskosten für jeden Taxibetrieb.
Das bedeutet, mit ganz kurzfristiger Umsatzsteigerung steigen die Vermittlungskosten. Gleichzeitig werden die taxieigenen Zentralen mittelfristig durch die eigenen Leute zerstört.
Die Augen vor dieser Konsequenz zu verschließen scheint vielen Kollegen so verlockend wie dem Süchtigen, der nicht aufhört sich selbst zu zerstören.
Technik ist vorhanden und wird nicht mehr verschwinden. Schon bei Einführung von Sprechfunk, dem Aufkommen des Internets und Smartphone-Apps gab es hartnäckige Verweigerer.
Technik sinnvoll zu nutzen, die Vermittlungswerkzeuge in eigener gemeinsam geführter Hand zu behalten ist unser Job. Geld und Hirn in Technik, Werbung und Kundenakquise bei gutem Service zu investieren ist unabdingbar.
Wie war die Todesdrohung ans Taxigewerbe von Travis J. Kalanick nochmal? Ich brauch sie wohl nicht nochmal zu wiederholen! Oder wollt ihr alle, dass er zum Propheten wird?