In Zürich sorgt die Tarifpolitik der Taxibranche derzeit für erheblichen Zündstoff. Nun schlagen die klassischen Taxiunternehmen Alarm – wegen überhöhter Fahrpreise einzelner Anbieter. Die Zürcher Taxiverbände verlangen deshalb die Einführung eines kantonalen Höchsttarifs.
Auslöser der aktuellen Debatte ist das seit 1. Januar 2024 geltende Taxi- und Limousinengesetz (PTLG). Mit der Aufhebung der bisherigen Höchsttarife und gesenkten Zulassungshürden kam es laut Branchenvertretern zu einer regelrechten Explosion der Fahrerzahlen. Nach Angaben der Verbände sind heute rund dreimal so viele Fahrer unterwegs wie zuvor – bei gleichbleibender Nachfrage.
Der verschärfte Wettbewerb zeigt dabei zwei Effekte: Ein Teil der Fahrer wechselt zu Plattformdiensten mit höherer Nachfrage und niedrigeren Preisen. Andere versuchen, Umsatzeinbußen durch deutlich höhere Tarife zu kompensieren.
Besonders am Zürcher Hauptbahnhof sehen Branchenvertreter, wie die Schweizer Presse berichtet, problematische Entwicklungen. Fahrgäste seien dort häufig auf schnelle Beförderung angewiesen – ein Umstand, den einzelne Fahrer ausnutzten, indem sie ihre Preise bewusst erhöhen. Dies schade dem Image der gesamten Branche und treibe Kunden zu App-basierten Alternativen. Die Verbände berichten von regelmäßig eingehenden Beschwerden. Anfang Februar meldete sich ein Fahrgast, der für eine rund 3,3 Kilometer lange Fahrt vom Hauptbahnhof zu einem nahe gelegenen Club 62 Franken (das entspricht rund 65 Euro) bezahlen musste. Bereits nach etwa 200 Metern zeigte das Taxameter über 20 Franken (21 Euro) an – laut Fahrer aufgrund eingerechneter Wartezeit am Taxistand.
Solche Erfahrungen seien, laut einem aktuellen Bericht von 20min.ch, ein wesentlicher Grund dafür, dass sich immer mehr Fahrgäste von klassischen Taxis abwenden. Um Missbrauch zu verhindern und das Vertrauen der Kundschaft zurückzugewinnen, haben die Taxi Sektion Zürich und der Taxiverband Zürich deshalb bei der Volkswirtschaftsdirektion die Einführung verbindlicher Höchsttarife beantragt. Als Orientierungswerte schlagen die Verbände einen Grundtarif von 7 Franken pro Fahrt, einen Kilometertarif von 4,40 Franken sowie einen Zeittarif von 1,30 Franken pro Minute vor. Diese Werte orientieren sich an früheren kantonalen Empfehlungen sowie an den derzeit üblichen Tarifen großer Taxizentralen.
Die Zürcher Taxiverbände sehen dringenden Handlungsbedarf: Ohne klare Tarifobergrenzen drohten weitere Imageschäden und eine beschleunigte Abwanderung der Kundschaft zu digitalen Plattformdiensten.
Für Taxiunternehmen und politische Entscheidungsträger steht damit nicht weniger als die Wettbewerbsfähigkeit des klassischen Taxigewerbes auf dem Spiel. nu
Beitragsfoto: KI-generiertes Symbolbild





