Der Landesverband Thüringen des Personenverkehrs (LTV) hat nachgerechnet, welche Auswirkungen 17 Cent Steuererlass beim Kraftstoff auf die Kosten eines Taxibetriebes haben. Der Unterschied ist spürbar, aber dennoch marginal.
Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise setzen das Taxigewerbe in Deutschland nach wie vor massiv unter Druck. Seit Jahresbeginn ist der Dieselpreis von 1,60 Euro auf stellenweise 2,40 Euro pro Liter gestiegen – ein Plus von rund 30 Prozent. Wie der LTV feststellt, liegt der Spritpreis in Ländern wie Polen oder Tschechien dagegen aktuell nur bei etwa 1,45 Euro, bei deutlich geringeren Steigerungsraten von rund acht Prozent. Branchenvertreter sehen darin ein klares Zeichen für mangelnden Wettbewerb auf dem deutschen Kraftstoffmarkt.
Für Taxiunternehmen, so der LTV, haben diese Entwicklungen spürbare Folgen: Aktuell entstehen monatliche Mehrkosten von etwa 250 Euro pro Fahrzeug. Trotz der von der Bundesregierung beschlossenen Senkung der Energiesteuer um 17 Cent bleibt die Belastung hoch – rund 200 Euro Mehrkosten pro Monat müssen Betriebe weiterhin tragen. Beim Güterverkehr, den der LTV auch vertritt, sind die Belastungen pro Fahrzeug natürlich noch höher, weil die LKWs entsprechend mehr verbrauchen.
Ein zentrales Problem für das Taxigewerbe ist die fehlende Flexibilität bei der Weitergabe der Kosten. Taxitarife werden behördlich festgelegt und können oft erst nach langen Verfahren angepasst werden – in einigen Regionen dauert dies bis zu zwei Jahre. Kurzfristige Reaktionen auf steigende Betriebskosten sind somit kaum möglich.
Auch im Bereich der Krankenfahrten verschärft sich die Lage: Die Vergütung orientiert sich zumeist an den bestehenden Taxitarifen. Ein vom LTV vorgeschlagener Kraftstoffzuschlag von 12 Cent pro Besetztkilometer wurde von Krankenkassen wie Barmer, Ikk, BKK, Knappschaft und weiteren abgelehnt. Die Antwort der AOK-Plus steht noch aus. Damit fehlt den Unternehmen eine wichtige Möglichkeit, die gestiegenen Kosten zumindest teilweise zu kompensieren.
Zusätzliche Maßnahmen der Bundesregierung, wie die Option einer steuerfreien Einmalzahlung von 1.000 Euro an Beschäftigte, gehen aus Sicht der Branche an der Realität vorbei. Viele Unternehmen sind finanziell nicht in der Lage, solche Zahlungen zu leisten, zumal die Mehrkosten selber getragen werden müssten.
Der LTV fordert daher weitere Entlastungen. Neben einer möglichen Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe wird insbesondere ein Eingreifen des Kartellamts gefordert, um die Preisbildung auf dem Markt zu überprüfen. Bei oligopolartigen Strukturen der Mineralölkonzerne ist es für die Verbraucher elementar, dass hier kontrolliert und entsprechend sanktioniert wird.
Angesichts der deutlich geringeren Preissteigerungen in Nachbarländern (Polen oder Tschechien nur ca. 8 Prozent, in Deutschland rund 30 Prozent) stellt sich für das Taxigewerbe zunehmend die Frage nach fairen Wettbewerbsbedingungen in Deutschland. Eine vorübergehende Reduzierung der Steuer wirkt derzeit jedoch eher wie eine der berühmten Milchmädchenrechnungen. Die Kalkulation erscheint auch den ersten Blick plausibel, bringt aber unterm Strich wenig bis nichts. sg
Beitragsfoto: Symbolbild: Die Milchmädchenrechnung hat es in sich. Foto: KI-generiert







