Einen Tag lang stand bei einem internationalen Taxitreffen in Wien das Autonome Fahren im Vordergrund. Dabei ging es nicht um den Abgesang des heutigen Taxigewerbes, sondern um die Integration.
Wiens Taxizentrale 40100 hatte die Verantwortlichen von Taxiverbänden und Zentralen aus Europa, Australien und den USA zum zweitägigen „Meet the Cab“ geladen und dabei den ersten Tag voll und ganz dem Thema Autonomes Fahren gewidmet. Christian Holzhauser, Geschäftsführer von Taxi 40100, machte dabei deutlich, dass die Technik für Autonomes Fahren inzwischen fertig entwickelt ist und speziell in Europa nur noch die Regularien fehlen würden. Dem pflichtete auch Alexander Pröll bei, der als Staatssekretär der österreichischen Bundesregierung für die Digitalisierung zuständig ist. An der fehlenden Regulierung arbeitet man auch bereits, hier könnte bereits im Herbst eine entsprechende Erlaubnis für den Einsatz autonomer Fahrzeuge vom Parlament beschlossen werden.
Danach waren dann zahlreiche Experten an der Reihe – beginnend mit Mario Herger, Technologietrendforscher und Autor. Herger zeigte viele Videos aus Kalifornien in den USA mit all den vielen dort bereits ohne Fahrer eingesetzten Pkw. Sie meistern dort die komplexesten Situationen. Mit einem Exkurs in den Bereich der humanoiden Robotik machte Herger deutlich, dass nahezu alles von Robotern übernommen werden kann.
Hugo Fozzati kam dann wieder zurück zum Autonomen Fahren, was nicht unbedingt überraschte, repräsentierte er doch die Marke Tenser. Das ist ein Fahrzeug, das von Beginn an für den Autonomen Betrieb auf dem Level 4 entwickelt wurde und beispielsweise über eigens entwickelte Lidar-Sensoren verfügt.
Der Volkswagen-Ableger Moia stellte durch Rainer Becker seine Strategie vor, als Anbieter schlüsselfertiger autonomer Mobilitätsdienste in Europa zu agieren – mit Fokus auf Sicherheit, Skalierbarkeit und europäische Typgenehmigung für den fahrerlosen Betrieb. Auf Basis eigener Betriebserfahrung aus dem Hamburger Ride-Pooling kombiniert Moia autonome Fahrzeuge auf ID. Buzz-Basis, eine umfassende Betriebsplattform sowie intensive Betreiberunterstützung zu einem Komplettpaket für Kommunen, Verkehrsunternehmen und Taxi- bzw. Mobilitätsanbieter. Ziel ist es, nach Erhalt der Typgenehmigung autonome Flotten in relevanter Größenordnung auszurollen und dabei Vertrauen bei Behörden, Partnern und Fahrgästen aufzubauen.

Markus Zwick vom deutschen Startup INYO stellte ein kompaktes, energieeffizientes Elektrofahrzeug vor, das gezielt Lücken im öffentlichen Verkehr auf der ersten und letzten Meile schließen soll. Das leichte Fahrzeug für kurze Strecken von ein bis drei Kilometern richtet sich an Kommunen, ÖPNV- und Taxiunternehmen und soll insbesondere dort eingesetzt werden, wo große Busse unwirtschaftlich und Taxis zu teuer seien. INYO versteht sich dabei als Ergänzung bestehender Verkehrssysteme und plant, sein in München getestetes Serienfahrzeug ab dem kommenden Jahr in den Regelbetrieb zu bringen.
Das österreichische Kompetenzzentrum DigiTrans zeigte, dass automatisiertes Fahren technologisch weit entwickelt ist, die größten Hürden in Österreich jedoch in Prozessen, Rechtsrahmen und Betriebsmodellen liegen. Aktuell sind autonome Fahrzeuge nur im Testbetrieb mit Sicherheitsbeauftragtem erlaubt, während gewerblicher Personenverkehr und Fernbetrieb noch rechtlich begrenzt sind. Für Taxi- und Mobilitätsanbieter eröffnen sich perspektivisch neue Geschäftsmodelle in hybriden Flotten, Service-Hubs und Partnerschaften – vorausgesetzt, Regulierung, gesellschaftliche Akzeptanz und Haftungsfragen entwickeln sich weiter.
Abschließend erläuterte Suzanne Hoadly von der International Road Transportation Union (IRU) den EU-Rechtsrahmen für Robotertaxis und machte deutlich, dass Europa beim automatisierten Fahren bewusst vorsichtig, stark reguliert und gesellschaftlich zielorientiert vorgeht. Zentrale Elemente sind eine EU-weite Typgenehmigung für Level-4-Fahrzeuge, strenge Vorgaben zu KI, Cybersicherheit und Datenschutz sowie die klare Erwartung, dass autonome Taxis Sicherheit, Klimaziele und den öffentlichen Verkehr ergänzen müssen. Für Taxiunternehmen bedeutet dies: neue Chancen entstehen nur im engen Zusammenspiel mit Kommunen, ÖPNV und klaren europäischen Standards.

Die Podiumsdiskussion machte deutlich: Autonome Fahrzeuge werden die Taxibranche nicht ersetzen, sondern als neue Serviceebene in hybride Flotten Einzug halten. Damit das gelingt, brauchen Taxiunternehmen Strukturen, die bislang in einem stark fragmentierten Markt selten sind – größere, effizient gemanagte Flotten, klare Prozesse und qualifiziertes Personal. Entscheidend sind Haftungsregeln ab Level 4, tragfähige Geschäftsmodelle und die Fähigkeit, Fahrerfahrzeug und Robo-Taxi Hand in Hand zu disponieren, zu warten und zu überwachen. Überraschend war die Erkenntnis, dass nicht das Fahrzeug selbst, sondern Software, hochwertige Daten, Flottenmanagement und die regulatorischen Rahmenbedingungen die eigentlichen Kosten bestimmen. Während in Europa fragmentierte Vorschriften und langsame Genehmigungen den Start bremsen, eröffnen sich zugleich Chancen: Taxiunternehmen mit lokalem Know-how, enger Kundenbindung und Betriebserfahrung könnten als erste die Vorteile autonomer Flotten nutzen – und gleichzeitig die Rolle der Fahrer neu denken, weg vom Lenkrad hin zum cleveren Flottenmanager. jh, nu
Beitragsfoto: Zum Auftakt von Meet the Cab stand das autonome Fahren im Mittelpunkt – Experten beleuchteten Technik, Regulierung und Auswirkungen auf das Taxi. Foto: Taxi Times






