Beim Treffen der Taxivertreter aus dem Norden Deutschlands wurden Trends, Versäumnisse und Zukunftsaussichten diskutiert. Zudem wurden zwei Teilnehmer beauftragt, alle Softwareanbieter an einen Tisch zu holen, um die Möglichkeiten einer gemeinsamen Bestellmöglichkeit auszuloten.
Von Niedersachsen über Schleswig-Holstein bis Mecklenburg-Vorpommern, dazu die Städte Berlin und Hamburg. Wer in diesen Regionen Taxibetriebe führt, einen Verband leitet oder einer Taxizentrale vorsteht, war traditionell zum Glückstädter Kreis eingeladen, benannt nach dem Ort an der Küste, in dem man sich jedes Jahr trifft. Diese zweitägige Tagung wird jährlich von der Hamburger Taxenunion in Person von Dörte Voehrs und Jan Grupe organisiert.
In einem Raum mit der heimeligen Atmosphäre eines Gasthofs kommen hier immer ca. 30 Personen zusammen, um sich gegenseitig zu vorab definierten Themen auszutauschen. Dabei stehen die Erfahrungsberichte im Vordergrund. Den Anfang machte Guido Sembach, der als Vorsitzender des Landesverbands für das Taxi- und Mietwagengewerbe Mecklenburg-Vorpommern e.V. vor entscheidenden Wochen steht: Die Verträge mit der AOK für Krankenfahrten wurden zum 31. März 2026 gekündigt. Sembach erzählte von den Gesprächen mit der Krankenkasse, bei denen man die Notwendigkeit höherer Entgelte mathematisch bewiesen habe und trotzdem damit bei den Kassen nicht durchdringe. „Es ist, als müsste man der AOK erklären, dass die Erde rund ist und die Kassen antworten darauf „das wissen wir – aber für uns ist sie eine Scheibe.“ In Mecklenburg-Vorpommern kommt es nun darauf an, dass sich das Gewerbe einig ist und ab April auch tatsächlich mal zwei Wochen lang keine Krankenbeförderung durchführt.
Nach dem Vortrag ging es dann thematisch in die Hansestadt Hamburg. Aus der war Dirk Ritter von der Hamburger Taxenstelle angereist und referierte zur Frage, warum Fahrgäste Uber besser als Taxi finden. Die Antwort leitete Ritter aus einer Umfrage seiner Behörde ab, bei der die Befragten die Festpreise der Plattformen lobten und die unbare Zahlungsmöglichkeit.
Mittlerweile würden aber auch die Taxiunternehmer und deren Fahrer ein klares Bild abgeben: 2/3 der Hamburger Taxis fahren für die Plattformen. „Das sind nicht die, die heute hier in Glückstadt sitzen“, sagt Ritter.
Damit konnte es dann nahtlos zum Thema übergehen, über das Hermann Waldner referierte. Als Chef von Taxi One und Taxi Berlin versprühte er viel Optimismus, denn er gibt den Taxizentralen sehr wohl eine Zukunft – indem sie vor allem den Anteil der automatischen Auftragsvermittlung nach oben schrauben. Das spart Kosten, die man dann wieder in Marketing stecken kann. In Berlin konnte Waldner dadurch den Auftragsrückgang stoppen und für Leipzig, wo Waldner seit kurzem mit der Zentrale 4884 kooperiert, erhofft er sich ähnliches. Für absolut unverzichtbar hält Hermann Waldner auch die Möglichkeit, dass Festpreisfahrten schon bei der Buchung bargeldlos bezahlt werden können. 60 Prozent aller Festpreisbesteller in der App würden die Variante Bargeldlos auswählen. Das sei eine „Volksabstimmung“, die eine klare Sprache spricht.
Jan Grupe hat sich mit seiner Taxizentrale „Alstertal“ für eine andere Variante der Kooperation entschlossen, indem seine Mitglieder und Teilnehmer seit einigen Monaten neben den eigenen Fahrten auch noch die Bestellungen der Plattform Free Now by Lyft übernehmen. Dies sei aus wirtschaftlichen Zwängen entstanden und habe den Rückgang an Umsätzen und Touren zunächst einmal gestoppt. Während das Taxigewerbe zunehmend an Sichtbarkeit verliere, verfüge eine Plattform wie Free Now by Lyft über eine hohe Reichweite und deutlich mehr Marketingpower.
Die wirtschaftlichen Zwänge der Taxibranche belasten nicht nur Taxizentralen, sondern auch die Mehrwagenunternehmen der Großstädte. Das machte Dirk Ritter deutlich, der die Zukunft daher eher bei den Solounternehmern als bei den Mehrwagenbetrieben sieht.
Im ländlichen Bereich ist es dagegen genau anders herum: Da sind es gerade die Betriebe mit vielen Fahrzeugen und oft auch mehreren Betriebssitzen, die noch Geld verdienen. Das wurde von vielen anwesenden Taxiunternehmern mit Betrieben im Harz, der Umgebung von Hannover oder auch Ostfriesland bestätigt.
Der zweite Tag des Glückstädter Kreises befasste sich dann mit der Frage der Erreichbarkeit der Kunden. Jürgen Hartmann, Herausgeber von Taxi Times, referierte über die Notwendigkeit der Taxibranche, sich gegenüber den Medien als wertvoll darzustellen. Er gab Tipps dazu, auf welche Taxigeschichten Redakteure anspringen, wie man negative Schlagzeilen ins Positive umkehren kann und warum Taxizentralen und Verbände bestimmte Pressemeldungen schon vorab in der Schublade parat haben sollen. Auf Wunsch der Teilnehmer wird Taxi Times dazu demnächst ein Webinar anbieten.
Positive Sichtbarkeit, vor allem bei der Generation Z, war auch das Thema bei Thomas Sell. Er unterstützt die Geschäftsidee des Jungunternehmers Lukas Kleinecke, der mit Videos für TikTok und Instagram die Marke Taxi ins Bewusstsein junger Leute bringt. Um auch deren Feedback transparent darstellen zu können, wurde ein Dashboard entwickelt, das einen tiefen Einblick in das Nutzerverhalten der Menschen gibt, die sich die Taxivideos angesehen haben.
Eine direkte Bestellmöglichkeit soll zudem ein Whats-App-Kanal bieten. Hier waren sich die Teilnehmer bei der anschließenden Diskussion einig: Damit sich solch ein Kanal zu einer von vielen geforderten bundeseinheitliche Bestelloption entwickeln kann, müssen jedoch die Softwareanbieter persönliche Aversionen und Abgrenzungen über Bord werfen. Nahezu einstimmig beschlossen die Teilnehmer, Thomas Sell und den hessischen Taxiunternehmer Jens Margraf damit zu beauftragen, die Protagonisten der Taxisoftwarebranche an einem Tisch zusammenzubringen.
Den Abschluss des Glückstädter Kreises bildete Michael Mühlin, früherer Inhaber einer Taxizentrale und heute Berater, der unter anderem für ECabs tätig ist. Aus seiner Sicht zählt zum Erfolgsgeheimnis einer Taxizentrale, dass sie von den Plattformen deren erfolgreiche Kundenanalyse abschauen. Fahrer und Plattformen rücken immer mehr zusammen. Dieses Multi-Apping könne durch bestimmte Maßnahmen eingeschränkt werden. Mühlin verwies in diesem Zusammenhang auf ein 90-minütiges Webinar, in dem er auf all diese Themen näher eingehen wird.
In eigener Sache: Taxi Times wird in seiner nächsten Printausgabe zu manchen Vorträgen detaillierter berichten. Die Ausgabe wird Ende Februar erscheinen und allen Premium-Abonnenten zugeschickt. Sie kann auch als Einzelheft unter diesem Link bestellt werden. jh
Beitragsfoto: Taxi Times






