Die neuen Mindestpreise für Mietwagen in Essen sollten das Taxigewerbe vor ruinösem Preisdumping schützen. Doch kaum sind sie in Kraft, mehren sich Hinweise, dass sie systematisch unterlaufen werden. Stichproben zeigen: Über die Uber-App werden weiterhin Fahrten zu Preisen angeboten, die teils deutlich unter dem erlaubten Niveau liegen. In der Branche wächst der Unmut – und der Konflikt spitzt sich weiter zu.
Seit dem 1. Januar dürfen Mietwagenfahrten in Essen höchstens sieben Prozent günstiger sein als der jeweilige Taxitarif. Für viele Taxiunternehmer galt diese Regelung als hart erkämpfter Meilenstein. Umso größer ist nun die Ernüchterung. „Wie erwartet hält sich Uber nicht im Geringsten an das MBE“, sagt Dirk Heinrichsen, Geschäftsführer der Taxizentrale Taxi Essen, gegenüber Taxi Times. „Mir liegen zahlreiche Verstöße vom 1. Januar bis heute vor.“ Sein Fazit fällt deutlich aus: „Eine positive Entwicklung für das Taxigewerbe kann ich bislang nicht erkennen.“
Heinrichsen hat selbst Testfahrten durchgeführt und schildert dessen Ergebnis der Tageszeitung WAZ: Er zahlte für Uber-Fahrten zwischen 4,58 und 5,22 Euro – obwohl nach der neuen Vorgabe mindestens 9,10 Euro hätten berechnet werden müssen. „Ich habe diese Fahrten dokumentiert und zur Anzeige gebracht“, erklärt er gegenüber der WAZ.
Auch redaktionelle Stichproben der WAZ bestätigen diese Beobachtungen. Eine Fahrt vom Essener Hauptbahnhof zum Bahnhof Süd kostete demnach über Uber lediglich 7,54 Euro, während für dieselbe Strecke im Taxi zwischen 15 und 18 Euro angefallen wären. Ähnliche Preisabweichungen zeigen sich regelmäßig bei App-Vergleichen.
Uber verweist auf technische Anlaufschwierigkeiten. Gegenüber der WAZ erklärte ein Unternehmenssprecher, die Mindestpreise seien zwar umgesetzt worden, es habe jedoch „feiertagsbedingt vereinzelte Probleme bei der Umstellung“ gegeben. In der Taxibranche stößt diese Erklärung auf wenig Verständnis.
Die Stadt Essen hat das Thema inzwischen offiziell auf dem Tisch. Eine Sprecherin bestätigte erste Erkenntnisse zu möglichen Verstößen gegen die entsprechende Allgemeinverfügung. Wo diese eindeutig nachweisbar seien, würden Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Im Raum stehen Bußgelder von bis zu 10.000 Euro.
Parallel dazu verlagert sich der Streit zunehmend auch auf die juristische Ebene. Die städtischen Mindesttarife für Mietwagen werden nun gerichtlich überprüft. Beim zuständigen Verwaltungsgericht Gelsenkirchen sind bislang fünf Klagen gegen die Regelung eingegangen. Diese wurden der Stadt inzwischen zugestellt, eine Stellungnahme steht noch aus. Damit beginnt der eigentliche rechtliche Schlagabtausch um die Mindestpreise erst jetzt.
Für Heinrichsen und viele seiner Kollegen reicht das bisherige Vorgehen nicht aus. „Wir müssen den Druck weiter erhöhen“, sagt er der WAZ. Gemeinsam mit dem Taxiverein Essen sollen weitere Testfahrten folgen, ebenso zusätzliche Anzeigen. Auch weitergehende rechtliche Schritte werden geprüft.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer sieht Heinrichsen im Gespräch mit Taxi Times dennoch: „Positiv ist zumindest die Festpreismöglichkeit, die von den Kunden sehr gut angenommen wird.“ Zur von unserer Redaktion angefragten Anzahl an Taxis, die über Uber vermittelt werden, äußert er sich zurückhaltend. Diese Kollegen hielten sich auffällig bedeckt und wollten offenbar nicht erkannt werden. nu
Anmerkung der Redaktion: Die Fronten bleiben verhärtet und Uber mimt auch hier wieder den Unschuldigen. Dabei zeigen die rechtswidrigen Preise ganz eindeutig, dass die Betrüger weniger die ausführenden Mietwagenunternehmen sind, sondern der Fehler im System Uber liegt.
Es ist löblich, dass die Stadt Kontrollen und Betriebsprüfungen ankündigt. Irgendwann braucht es jedoch auch mal den Mut, dass nicht nur der Handlanger, sondern der Verursacher des Rechtsbruchs sanktioniert wird. Solange das nicht passiert und Uber als App verboten wird, wird auch der Mindestpreis lediglich eine Regelung auf dem Papier bleiben – und das Taxigewerbe wird sich weiterhin alleingelassen fühlen.





Ich persönlich bin es leid, dass seit Auftauchen von UberBolt&Co deren Respektlosigkeit gegenüber unserem Rechtswesen bekannt ist, aber diese mafiöse Organisation geschont wird.
Ich stelle ein generelles Versagen aller führender Verantwortlichen fest – mit ganz wenigen Ausnahmen.
Das Ganze ist eine Amputation unseres Rechtsstaats auf Raten.
Was macht ein Frosch, der in die große Milchkanne des Bauern gefallen ist?
Er strampelt weiter bis er, auf dem festen Klumpen Butter stehend, wieder rausspringen kann.
die App für Personenbeförderung verbieten, ganz einfach, egal ob freie Marktwirtschaft oder nicht. die Verbrecher zahlen bestimmt keine steuern
Sie dummer Mensch: Apps kann man (in der Freiheit) nicht verbieten.
Nur Diktaturen machen so etwas (und selbst dann kann man die App über VPN nutzen). Ziehen Sie doch in eine Diktatur, wenn es Ihnen da so gefällt => Ungarn ist nicht weit und Essen/Gelsenkirchen sind Städte, die von kommunistischen Irren regiert werden.
Ihr Kommentar verfehlt leider den Kern des Artikels. Es geht nicht um ein Verbot von Apps oder „Freiheit“, sondern um die Einhaltung von geltendem Recht, das demokratisch beschlossen wurde und derzeit gerichtlich überprüft wird.
Wenn Unternehmen Regeln missachten, ist es Aufgabe der Kommunen, einzuschreiten – unabhängig davon, ob die Verstöße analog oder digital erfolgen. Polemik ersetzt keine Argumente und trägt zur sachlichen Debatte leider nichts bei.
Ein Werkzeug, absichtlich zu rechtswidrigen Taten eingesetzt, darf zu recht dem Benutzer weggenommen werden.
Dass diese Plattformen Werkzeug zu Kommunikation sind, betonen diese Plattformen immer selbst. Dass sie dabei sogar Preise bestimmen, zeigt allerdings ihre wahre Verantwortung.
Also mal die juristischen Werkzeuge in die Hand nehmen und diese mafiösen Machenschaften unterbinden. Z.B. auch die Werkzeuge dieser Straftaten wegnehmen, bzw Nutzung untersagen, Plattform dichtmachen.
Höchste Zeit!
ich spare mir jetzt lieber einen drastischen Kommentar, aber Kopfschütteln tu ich trotzdem zu Freimaurer