Für die Verfechter eines Qualitätstaxis hat das Jahr 2026 einen Hoffnungsschimmer – zumindest für diejenigen, die in Hamburg oder Berlin unterwegs sind.
Müsste man eine Top-Drei unter den negativen Ereignissen des Taxijahres 2025 aufstellen, dann wäre das unrühmliche Ende der Kleinen Fachkunde auf jeden Fall dabei. Vier Jahre lang sahen sich 16 Bundesländer dieser Republik nicht imstande, den Inhalt und den Ablauf einer Fachkundeprüfung für Berufseinsteiger in der individuellen Personenbeförderung via Taxi oder Mietwagen zu definieren. Da mittlerweile auch Teile des Taxigewerbes das Interesse an solch einer Eignungsprüfung verloren haben, hatten die 16 Bundesländer im Herbst die „Kleine Fachkunde“ für immer und ewig ad acta gelegt (Taxi Times berichtete mehrmals)
Was für Taxibetriebe im ländlichen Bereich positiv ist, ist für Großstädte ein Fiasko, mangelt es dort doch zunehmend an Qualität bei den Fahrern – trotz Schulungen der örtlichen Taxizentralen auf Eigeninitiative. Folglich war es sinnvoll, dass mit dem Beschluss über die Kleine Fachkunde wenigstens noch ein Hintertürchen eingebaut wurde. Wer will, darf auf Bundeslandebene für den Erwerb einer Erlaubnis zur Personenbeförderung in einem Taxi oder Mietwagen solch eine Fachkunde zur Bedingung machen.
Erwirkt hatten diesen Kompromiss die beiden Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Daher ist es auch keine Überraschung, dass diese beiden Städte nun auch eine Fachkunde einführen wollen. Alle anderen 14 Bundesländer haben dagegen bereits klar bekundet, dass sie keine Kleine Fachkunde einführen werden.
Das verriet Dirk Ritter während des Hamburger E-Taxentags im November in den Räumlichkeiten des Energieversorgers Vattenfall. Ritter ist der Leiter der Hamburger Taxenstelle und hatte während der Veranstaltung eine Diskussion moderiert, bei der unter anderem auch die Kleine Fachkunde thematisiert worden war.
Man sei in den letzten Schritten der Vorbereitung für ein digitales Prüfungs- und Anerkennungsverfahren und erwartet die Umsetzung Anfang nächsten Jahres, sagte Ritter im November. Konkret gehe es noch darum, als Bundesland (Berlin und Hamburg sind als „Stadtstaaten“ gleichzeitig auch Bundesland) eine Ermächtigungsverordnung für die Durchführung einer Fachkundeprüfung zu erhalten. „Wir müssen im Hintergrund ein Verfahren auflegen, damit Fachkundenachweise in der heutigen Zeit auch möglichst digital, rechtsschutzsicher, nachprüfbar und auf Bestand abgelegt werden“, sagte Ritter.
Nötig ist dafür unter anderem eine zentrale Datenbank und ein Anerkennungsverfahren, was aber laut Ritter alles „kein Hexenwerk ist“. Zuspruch erhalten die Berliner und Hamburger Bemühungen aus dem Taxigewerbe selbst. Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands, sieht den Nachweis als Qualitätssicherungsinstrument zur Einhaltung von Mindeststandards (Verkehrsregeln, Beförderungspflichten, Umgang mit Hilfsmitteln). „Schlechte Kundenerfahrungen schaden dem gesamten Gewerbe“, sagte er während der Diskussionsrunde. Oppermann befürwortet eine unbürokratische, digitale Form der Prüfung.
Auch Tim Erhardt, auf dem Podium als Vertreter von Freenow by Lyft dabei, unterstützt die Hamburger Bemühungen. Er stellt eine gesunkene Qualität seit dem Wegfall der Ortskunde fest. Der Fachkundenachweis setze einen notwendigen Mindeststandard, an dem alle Akteure arbeiten müssten.
Die beiden Jans des Hamburger Taxigewerbes, Jan Grupe als Vorstand der Taxenunion und Jan Weber als Vorstand der Taxizentrale Hansafunk, sprachen sich sehr energisch für eine Kleine Fachkunde aus. „Hohe Qualität ist für die Akzeptanz des Taxigewerbes entscheidend”, sagte Weber beim Hamburger E-Taxentag. Seine Zentrale führe deshalb auch interne Schulungen zur Qualitätssicherung durch.
Jan Grupe pflichtete seinem Namensvetter bei. Er hält die Kleine Fachkunde für unerlässlich, da Menschen befördert werden, nicht Waren. Die Prüfung sei mit 2-3 Monaten Lernaufwand machbar. Die Taxenunion als Gewerbevertretung biete dafür auch Vorbereitungskurse an.
Dirk Ritter appellierte bei der Taxiqualität aber auch an die Eigenverantwortung der Branche. „Es gibt Unternehmer, da fragt man sich wirklich, wie nehmen die eigentlich ihre unternehmerische Rolle wahr?“ Oppermann betonte an dieser Stelle, dass die Branche beim Ausfiltern der guten von den schlechten Fahrern und Unternehmern um die Unterstützung seitens der Stadt nicht drumrum komme. Zentralen könnten Unternehmer nur durch Zulassen oder Ausschluss bei der Funkvermittlung filtern.
Also sei es gut, dass wenigstens Berlin und Hamburg hier tätig werden wollen und Hamburg eine Einführung schon bereits für Anfang 2026 in Aussicht stellt. Daran glaubt auch Jan Grupe: „Wir sind voller frohen Mutes, dass das Ganze zügig zu Beginn des neuen Jahres umgesetzt wird. Die Fragen sind fertig, die Fragebögen sind fertig, die Laptops sind scharf geschaltet. Also wir sind bereit.“ jh
Beitragsfoto: Dirk Ritter (links) und Jan Grupe beim Hamburger E-Taxentag; Foto: Taxi Times









Gefühlt ist der Hauptakteur für die kleine Fachkunde wieder mal Dirk Ritter. Man kann eigentlich immer nur wieder DANKE sagen für sein Engagement.
Riesen Respekt an Berlin, und Hamburg sowieso, der Rest will nichts machen und es interessiert die nicht was im Taxibranche passiert.
Ich frage mich, welchen Sinn bestimmte Regelungen und Prüfungen haben, wenn sie in der Praxis kaum oder gar nicht kontrolliert werden. Die Fachkundeprüfung soll eigentlich sicherstellen, dass Taxiunternehmer über ausreichende Kenntnisse verfügen – zum Beispiel über rechtliche Pflichten, Ortskenntnis, Krankenhausanfahrten im Notfall sowie grundlegende Deutsch- und Englischkenntnisse. Wenn diese Anforderungen aber nach der Erteilung der Genehmigung nicht regelmäßig überprüft werden, verliert die Prüfung ihren Zweck.
Viel wichtiger erscheint mir die Frage, warum die Zahl der Taxis immer weiter steigt, obwohl die wirtschaftliche Grundlage dafür offensichtlich fehlt. Nach öffentlich zugänglichen Informationen liegt der durchschnittliche Stundenumsatz in Hamburg bei etwa 30 Euro, während er in Berlin häufig nur bei rund 15 Euro liegt. Das ist deutlich unter der Wirtschaftlichkeit, von der ein regulärer Taxiunternehmer leben kann.
Unter diesen Umständen ist es schwer nachvollziehbar, warum trotzdem immer neue Taxigenehmigungen erteilt werden. Es drängt sich der Verdacht auf, dass wirtschaftliche Gründe allein diese Entwicklung nicht erklären können. Es besteht die Sorge, dass das Taxigewerbe teilweise zur Geldwäsche missbraucht wird, etwa durch sogenannte Kurzzeit-GmbHs, die nach rund 20 Monaten weiterverkauft oder über ausländische Gesellschaften – zum Beispiel in Bulgarien – verschachtelt werden, sodass am Ende scheinbar „sauberes“ Geld entsteht.
Niemand kann mir glaubhaft erklären, warum die Zahl der Taxis weiter wächst, obwohl der Markt offensichtlich überlastet ist und viele ehrliche Unternehmer kaum noch kostendeckend arbeiten können. Diese Entwicklung muss dringend transparent aufgeklärt und von den zuständigen Behörden ernsthaft geprüft werden.
Fahrgäste sind immer hocherfreut, wenn sie in mein Taxi steigen. „oh ein deutscher Taxifahrer “ Viele fragen dann sofort nach der Visitenkarte. Sie wollen sich einfach nicht von schlecht qualifizierten Taxifahrern befördern lassen. Und immer mehr Leute verzichten auf eine Taxifahrt.
Nicht wegen der Kosten, sondern der unangenehmen Erfahrungen. Einmal versuchen sie dann noch beim Taxifunk einen Fahrer zu ordern, der deutsch kann. Das wird abgelehnt und der Fahrgast geht zu Uber. Da hat er zwar die selbe miese Qualität, dafür aber für weniger Kosten.