Nur wenige Wochen nach der Insolvenz-Ankündigung der Bochumer Taxigenossenschaft zeichnet sich nun eine Lösung ab, die den Fortbestand der Taxi-Infrastruktur in der Ruhrgebietsstadt sichert: Die Taxi Düsseldorf eG hat den Geschäftsbetrieb übernommen und führt die Funkzentrale weiter.
Die Insolvenz der Genossenschaft Taxi Bochum Anfang Dezember traf das lokale Gewerbe hart, kam in Branchenkreisen jedoch nicht völlig unerwartet, weil steigende Kosten, Personalmangel und die zunehmende Konkurrenz durch appvermittelte Fahrdienste das Geschäft bereits seit längerem belasteten. Mit der Übernahme ist ein organisatorischer Neustart verbunden. Anfang Februar gründete Taxi Düsseldorf die Taxi Bochum 333 000 GmbH, die künftig den Betrieb der Zentrale verantwortet. Nach Angaben von Geschäftsführer Dennis Klusmeier wurden die Beschäftigten übernommen, ebenso die zentralen Leistungen wie Funkvermittlung, Disposition und Verwaltungsaufgaben. Ein Großteil der ehemaligen Genossenschaftsmitglieder nutzt weiterhin die Dienste der Zentrale; aktuell sind rund 50 Fahrzeuge angeschlossen, weitere könnten folgen. Trotz der neuen Rechtsform soll die Gesellschaft in ihrer Arbeitsweise „genossenschaftsähnlich“ funktionieren.
Der neue Betreiber sieht den Neustart auch als Chance zur Qualitätsentwicklung. Ziel sei es, die ohnehin bereits gute Dienstleistungsqualität weiter zu steigern und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Dazu sollen unter anderem Schulungen für Fahrerinnen und Fahrer sowie optimierte Abläufe in der Vermittlung beitragen. Gleichzeitig verspricht sich die Düsseldorfer Genossenschaft Synergieeffekte, etwa in der Verwaltung und bei der Disposition.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben jedoch herausfordernd. App-vermittelte Mietwagenanbieter wie Uber setzen das Taxigewerbe seit Jahren unter Druck. Nach Einschätzung von Klusmeier handelt es sich längst nicht mehr um klassischen Wettbewerb, sondern um einen veritablen Verdrängungswettbewerb. Besonders in den Abend- und Nachtstunden greifen Fahrgäste häufiger auf appbasierte Angebote zurück, was viele Taxiunternehmen deutlich zu spüren bekommen.
Parallel dazu ist eine politische und rechtliche Debatte über faire Wettbewerbsbedingungen entbrannt. Vertreter von „wirfahren“ kritisieren die Entwicklung der Taxitarife und verweisen darauf, dass sich die Preise in Bochum seit 2004 nahezu verdoppelt haben. Taxiunternehmer halten dagegen, dass sie an behördlich festgelegte Tarife gebunden sind, eine Betriebspflicht erfüllen und den Mindestlohn zahlen müssen, während Mietwagenanbieter anderen Regelungen unterliegen. In der Branche wächst daher die Forderung nach Mindestpreisen für appbasierte Mietwagenangebote.
Die Stadt Bochum prüft derzeit entsprechende Maßnahmen. „wirfahren“ hat bereits rechtliche Schritte gegen Mindestpreise angekündigt und stellt deren wirtschaftliche und europarechtliche Zulässigkeit infrage. Gleichzeitig verweisen Gutachten aus anderen Städten darauf, dass besonders niedrige Fahrpreise im Mietwagensektor teilweise nur durch massive Subventionierung möglich seien.
Für Taxi Düsseldorf ist die Übernahme der Bochumer Zentrale mehr als nur eine Expansion. Sie sichert eine zentrale Infrastruktur, stabilisiert das lokale Gewerbe und sendet ein Signal an die Branche: Kooperationen und neue Organisationsformen können helfen, in einem zunehmend umkämpften Markt zu bestehen. Dennoch bleibt der Druck durch neue Mobilitätsanbieter hoch – und die Frage nach fairen Wettbewerbsbedingungen wird das Gewerbe weiter begleiten. nu
Beitragsfoto: KI-generiertes Symbolbild






