Tirol steht unter Spardruck – und der öffentliche Verkehr ebenso. Der Verkehrsverbund Tirol (VVT) hebt ab April Ticketpreise an, kürzt Linien oder streicht sie ganz. Besonders wenig frequentierte Strecken geraten ins Wanken. Eine digitale Lösung aus der Taxi-Branche könnte hier zum wichtigen Ergänzungsangebot werden: die Taxigutschein-Plattform Calemo der Wirtschaftskammer Tirol.
Seit gut zwei Jahren ermöglicht Calemo Gemeinden, Unternehmen oder Veranstaltern, digitale Taxigutscheine zu kaufen und gezielt weiterzugeben. Eingelöst werden sie per Smartphone-App direkt bei der Taxifahrt, der Fahrpreis reduziert sich automatisch um den Gutscheinbetrag. Für Menschen ohne Smartphone gibt es auch klassische, haptische Gutscheine. „Grundsätzlich kann jeder Guthaben auf die Wallet raufladen – egal ob Gemeinde, Eltern oder Lehrherr“, erklärt Markus Freund, Obmann der Tiroler Taxi-Innung, in einem Beitrag von top.tirol. Die Idee dahinter: flexibel, sicher und niederschwellig.
Gerade jetzt rückt Calemo verstärkt in den Fokus. Freund sieht großes Potenzial als Ergänzung zum klassischen ÖPNV – etwa beim Schienenersatzverkehr, bei schwach ausgelasteten Buslinien oder bei Nightlinern. Der Vorteil: Taxis fahren nur bei Bedarf. „Ich glaube, dass es für Gemeinden langfristig günstiger ist, Gutscheine auszustellen, anstatt leere Busse durch die Gegend fahren zu lassen“, so Freund.
Die bestehende Taxi-Infrastruktur könne sofort genutzt werden, ohne neue Systeme aufzubauen. Für Fahrgäste bedeutet das mehr Flexibilität, für Gemeinden planbare Kosten – und für Taxiunternehmen zusätzliche, faire Auslastung. Die klassische Win-Win-Win-Situation also. Gestartet ist Calemo im Bezirk Schwaz, wo das Modell bereits gut angenommen wird. Im Zillertal und am Achensee erhalten etwa „Dahoamcard-Besitzer“ einmal jährlich einen 50-Euro-Taxigutschein, der in fünf Fahrten zu je zehn Euro eingelöst werden kann. Auch die Stadt Schwaz setzt beim „Frauen-Nachttaxi“ inzwischen auf Calemo – laut Rückmeldung sei das effizienter und einfacher als frühere Gutscheinlösungen. Zusätzlich entdecken immer mehr Unternehmen die Plattform, etwa um bei Weihnachtsfeiern sichere Heimfahrten für Mitarbeiter zu ermöglichen.
Ein wesentlicher Punkt für Gemeinden und Betriebe: Bei Calemo fallen keine zusätzlichen Systemkosten oder Mehraufwände an – weder für die öffentliche Hand noch für die Taxiunternehmen. Aktuell sind bereits 163 Tiroler Taxiunternehmen beteiligt, rund ein Drittel aller Taxibetriebe im Land (ausgenommen Kranken- und Flughafenfahrten).
In Zeiten knapper Kassen könnte Calemo damit mehr sein als nur ein Gutscheinmodell – nämlich ein praxisnaher Baustein für einen zukunftsfähigen, bedarfsorientierten Nahverkehr in Tirol. nu
Beitragsfoto: Die Calemo-App, Foto: WKO Tirol






