Am heutigen Tag jährt sich die Mannheimer Amokfahrt, die von einem beherzt eingreifenden Taxifahrer gestoppt wurde, bevor der Täter noch Schlimmeres anrichten konnte. Der „Held von Mannheim“ muss allerdings bis heute an dem Erlebten knabbern.
Am Rosenmontag, dem 3. März 2025, wurde die Mannheimer Innenstadt zum Schauplatz einer unfassbaren Gewalttat. Ein 40-jähriger Mann raste mit seinem Pkw durch die Fußgängerzone in Mannheim, tötete zwei Menschen und verletzte 14 weitere teils schwer. Mitten im Geschehen: ein Taxiunternehmer, der noch Schlimmeres verhinderte.
Muhammad A. wartete an diesem Tag am Taxistand in der Fußgängerzone auf Fahrgäste. Plötzlich wurde er darauf aufmerksam, wie ein Fahrzeug in die Menschenmenge fuhr. „Ich habe im Rückspiegel gesehen, wie die Leute schreien, richtig schreien. Da habe ich gesagt: Nein, ich muss ihn stoppen.“ schildert er in einem Interview mit der dpa. Ohne zu zögern scherte er mit seinem Taxi aus der Reihe wartender Fahrzeuge aus, hupte, warnte Passanten – und nahm die Verfolgung auf. In einer Sackgasse gelang es ihm schließlich, sein Taxi hinter das Fahrzeug des Täters zu setzen und dessen Weiterfahrt zu blockieren.
Nach Angaben des Landgericht Mannheim gab der Täter daraufhin Schüsse mit einer Schreckschusswaffe auf die Windschutzscheibe des Taxis ab, um den Verfolger einzuschüchtern. Kurz darauf wurde er von der Polizei festgenommen.
Die Ermittler sind sich einig: Das beherzte Eingreifen des Taxifahrers verhinderte womöglich weitere Tote und Verletzte. Innenminister Thomas Strobl (CDU) erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist dem Mut eines Einzelnen zu verdanken, dass nicht weitere Menschen verletzt oder getötet wurden.“
Sieben Taxis hätten am Stand gestanden – reagiert habe nur einer. Muhammad A. lebt seit 19 Jahren in Deutschland, betreibt seit sieben Jahren ein eigenes Taxiunternehmen in Mannheim und beschäftigt zwölf Mitarbeitende. Dennoch fährt er weiterhin selbst Schichten – aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Als Held sieht er sich nicht: „Ich bin kein Held, ich kann nicht Held sein.“ Kraft gebe ihm sein Glaube. Doch die Tat hat Spuren hinterlassen. Erst zwei Monate nach dem Anschlag kehrte er schrittweise an den Arbeitsplatz zurück. Inzwischen befindet er sich in therapeutischer Behandlung. Konzentrationsprobleme und Kopfschmerzen erschweren ihm den Arbeitsalltag. Als Selbstständiger könne er es sich jedoch nicht leisten, dauerhaft auszufallen, denn er ist vierfacher Vater.
Der Täter, ein Deutscher aus Ludwigshafen, wurde im Dezember vom Landgericht Mannheim unter anderem wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Aufgrund einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wurde eine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt. Das Gericht ordnete die dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.
Der Fall zeigt eindrucksvoll, welche Verantwortung und Zivilcourage im Taxigewerbe täglich gelebt werden – oft unbeachtet von der Öffentlichkeit. Muhammad A. selbst möchte keine große Aufmerksamkeit. Doch eine Botschaft ist ihm wichtig: Wenn man helfen kann, sollte man helfen. Für viele Kolleginnen und Kollegen ist er damit längst ein Vorbild – auch wenn er es selbst nie so nennen würde. nu
Beitragsfoto: KI-generiertes Symbolbild








