Auf die Veränderung der Gesellschaft und die Digitalisierung müssen auch Taxizentralen reagieren. Beim DTMT in Erfurt wurden vielversprechende Strategien von zwei Jungunternehmern vorgestellt, die Herausforderungen der heutigen Zeit anzunehmen.
Beim Panel „Taxizentralen im Wettbewerb (und Überlebenskampf)“, das vom Berliner Zentralen-Chef Hermann Waldner moderiert wurde, sprachen neben erfahrenen Zentralenvertretern auch zwei junge Startup-Unternehmer über ihre Ideen zur Gewinnung und Bindung von Kunden.
Waldner hatte in seinem Vortrag eindringlich vor Kooperationen mit Plattform-Vermittlern gewarnt, denn diese bedeuten seiner Einschätzung nach mittelfristig den Verlust der Kundenbindung.
Doch dieser Verlust droht ganz besonders auch von demografischer Seite: Die Kunden, die auf persönlichen Service am Telefon setzen, werden weniger, die schnellen App-Nutzer mehr. Einer, der einen Blick auf diese Entwicklung hat, ist der 24-jährige Rahman Tamiz, Betreiber der TaxiBoost UG, nach eigener Darstellung „eine spezialisierte B2B-Vertriebs- und Kundenbetreuungsagentur, die sich darauf konzentriert, Taxiunternehmen und ‑zentralen zu unterstützen.“

Tamiz sagte in seinem Vortrag, die Branche stehe an einem Punkt, an dem sich vieles ändern müsse, auch wenn noch immer viele sich wünschten, dem sei nicht so. Dabei ist es für jeden Taxifahrer in einer größeren Stadt offensichtlich: Den Kunden, der am Straßenrand steht und ein Taxi heranwinkt, gibt es kaum noch. Heute bestellt die Mehrheit per App, und das Taxigewerbe kann froh sein, wenn es keine Mietwagen-App ist. Wertvoller als Privatkunden sind laut Tamiz die B2B-Kunden. Die Abkürzung steht für „Business to Business“, also Geschäftskunden – im Unterschied zu Privatkunden, die in der Economy-Sprache „B2C-Kunden“, also Business to Customer, genannt werden. Da auch B2B-Kunden zunehmend lieber mit Plattform-Fahrdiensten fahren als mit Taxis, lohnt es sich, den Fokus auf die Bindung bzw. Gewinnung genau dieser Gruppe zu legen.
Auch den Fahrermangel in der Branche hat Tamiz auf dem Schirm, doch ist dieses Problem in seinen Augen zweitrangig, denn: „Wo Aufträge sind, sind auch Fahrer.“ Soll heißen: Wenn die Nachfrage steigt, werden sich auch Fahrer finden, die mit dem Bedienen dieser Nachfrage Geld verdienen wollen.
Wichtiger sei es für Unternehmer und Zentralen, den unabdingbaren Wandel aktiv mitzugestalten. Wem das gelinge, der werde überleben. Dazu sei Mut erforderlich, aber TaxiBoost sei angetreten, dabei zu helfen. „Wir denken in Partnerschaften, nicht in Abhängigkeiten.“
Sicherlich ist für Anbieter wie Rahman Tamiz ein großes Stück Idealismus dabei, wenn man sich – gerade als jüngerer Unternehmer – dem Taxigewerbe verschreibt und nicht den Plattform-Apps, bei deren Geschäftstreiben sicherlich mehr Geld herauszuholen wäre.
Den gleichen Idealismus muss man Lucas Kleinecke attestieren, der mit seiner Firma Kleinecke Media bereits große Erfolge bei der Kundenbindung für das Taxigewerbe vorzuweisen hat. Als noch jüngerer Unternehmer gehört er der Generation an, die als Kunden bereits voll und ganz auf Plattformfahrdienste eingestellt ist und das Taxigewerbe eher als verstaubtes Relikt von vorgestern betrachtet.
Kleinecke weiß aus seiner Arbeit, wie und auf welchen Kanälen man die junge Zielgruppe erreicht. So hat der 22-jährige im Auftrag des Hamburger Hansa-Funks mit einer Reihe von Kurzvideos auf Tiktok bereits sechsstellige Follower-Zahlen generieren können.

Die heutige Zielgruppe sei nicht so einfach zu erreichen wie die frühere, erläuterte Kleinecke in seinem straff strukturierten Vortrag. „Warum haben wir junge Leute verloren?“ Die Antwort, die er sogleich selbst gab, hat mit der heutigen Mentalität der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun: Diese seien im Vergleich zu früheren Generationen introvertiert und markenorientiert. Wie kommen sie dazu, Uber cool zu finden? Weil Uber sich geschickt da platziere, wo es „cool rüberkommt“, etwa in Fernsehserien, die von Streaming-Diensten geliefert werden.

Zwar biete Uber keinen schnelleren Service als das Taxi und sei zwar oft billiger, aber nicht immer. Mit seinen quasi unbegrenzten finanziellen PR-Möglichkeiten habe Uber aber mit Hilfe von (externen) Werbefachleuten vermeintliche Vorteile bewusst gemacht, Vertrauen erzeugt und geschickt ein Narrativ geschaffen, das den jungen Leuten das Gefühl gibt: „Uber ist nah an mir dran.“ Ein Beispiel ist der Kauf des Namensrechtes an der großen Veranstaltungshalle nahe dem Berliner Ostbahnhof: Durch die Bezeichnung „Uber-Arena“ ist die Marke dauerpräsent im Alltag erlebnisorientierter junger Leute, die Veranstaltungen besuchen wollen und mehrmals am Tag in sozialen Medien oder im Radio der Bezeichnung der Halle begegnen.
Je näher man an einer Zielgruppe „dran“ sei, umso präsenter sei man bei ihr, so Kleinecke. Daraus ergab sich logisch die nächste Frage, die er stellte, um sie sogleich zu beantworten: „Ist es möglich, die junge Zielgruppe zurückzugewinnen?“ Laut Kleinecke ja: Das Taxigewerbe muss schnellstens lernen, seine Vorteile jugendgerecht zu kommunizieren. Hansa-Taxi in Hamburg und Taxi Berlin haben es mit Kleineckes Hilfe bereits vorgemacht. ar
Fotos: Taxi Times
Hinweis der Redaktion: Taxi Times war beim Deutschen Taxi- und Mietwagentag mit vier Redakteuren vor Ort und konnte deshalb alle, teils parallel stattfindenden Panels besuchen. Lesen Sie die ausführlichen Zusammenfassungen der Panels über die nachfolgend aufgeführten Links. ..
18.11.25: Übersicht über den Tag 1 des Deutschen Taxi- und Mietwagentags: Erfurt wurde zum Taxi-Mittelpunkt
19.11.25: Übersicht über den Tag 2 des Deutschen Taxi- und Mietwagentags: Freunde? Feinde? Überleben!
19.11.25: Panel „Tarifkorridor – Vor- und Nachteile“: Der Tarifkorridor hat viele Gesichter
20.11.25: Panel „Teilhabe und Daseinsvorsorge – Taxis noch inklusiver machen“: „Taxi für alle“ – wie wäre es mit „Rollitickets“?
25.11.25: Panel Rahmenbedingungen Krankenfahrten: „Gamechanger Krankenfahrten?“
26.11.25: Panel „Plattformen: Freund oder Feind“: Plattformkooperationen – Sackgasse oder ein neuer Weg?
27.11.25: Panel Von obskur bis allgegenwärtig – das ÖPNV-Taxi wächst“ Inkl. Workshop: „Linienverkehr und Taxi brauchen Paartherapie“
28.11.25: Panel Die Kleine Fachkunde: „Wie geht es weiter mit der Kleinen Fachkunde?“
07.12.25: Panel Autonomes Fahren inkl. Workshop: „The Next Big Thing – Autonome Personenbeförderung“
28.11.25: Panel Mindestbeförderungsentgelte: Wo wir jetzt stehen: „MBE – das neue Zaubertool der Taxler“
07.12.25: Panel Autonomes Fahren inkl. Workshop: „The Next Big Thing – Autonome Personenbeförderung“
09.12.2025: Panel Taxizentralen im Wettbewerb und Überlebenskampf: Teil 1: „Zentralen im Überlebenskampf, nicht im Todeskampf“
19.12.25: Panel Taxizentralen im Wettbewerb und Überlebenskampf: Teil 2: „Zentralen im Überlebenskampf, nicht im Todeskampf (2)“
Infos von den Sponsoren des Deutschen Taxi- und Mietwagentags:
27.11.25; Sponsor Imo Carwash: „Fahrzeugwäsche mit fast 50 Prozent Taxirabatt“
12.12.25: Sponsor Shell: „BVTM handelt für Shell Sonderkonditionen für Mitglieder aus“
16.12.25: Sponsor Honda: „Taxi-Überraschung beim Deutschen Taxi- und Mietwagentag“
Fotos: Taxi Times








