Für den vergangenen Samstag hatte die Fachvereinigung Taxi und Mietwagen seine Mitglieder nach Bad Nenndorf zum Niedersächsischen Taxi- und Mietwagentag eingeladen. Schon die Begrüßungsreden machten deutlich, dass die Gewerbevertretung für die Personenbeförderungsbranche viel tut für seine Mitglieder und auf politischer Ebene auch vor einem großen Durchbruch steht.
Wie definiert ein Taxi- und Mietwagenverband sein Aufgabenfeld? Die Antwort auf diese Frage gaben Dimitrios Konstantianos und Benjamin Sokolovic am vergangenen Samstag vor rund einhundert Besuchern des Niedersächsischen Taxi- und Mietwagentags. Sokolovic ist der Geschäftsführer des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) e. V., der die Interessen der Warentransporteure, (Möbel-)Spediteure, Busbetriebe und Taxi- und Mietwagenunternehmen vertritt. Jeder dieser Bereiche hat seine eigene Fachsparte. Für den Taxibereich ist das die Fachvereinigung Taxi und Mietwagen, die von einem Landesgeschäftsführer (Stephen Schubert) und einem neu eingestellten Fachvereinigungsgeschäftsführer (Dirk Schutte) geleitet wird und mit ehrenamtlichen Vorständen besetzt ist. Bei den Taxlern ist Dimitrios Konstantianos seit kurzem der neue Vorstand und in dieser Funktion hatte er die Aufgabe, den Niedersächsischen Taxi- und Mietwagentag am vergangenen Samstag mit einer kurzen Ansprache zu eröffnen.

Dabei betonte er den Stellenwert, den eine solche Veranstaltung hat – als Möglichkeit für den Austausch untereinander aber auch mit den Partnern der Taxi-Industrie, die als Sponsoren der Veranstaltung ein solches Event erst ermöglichen. Insgesamt waren 17 Sponsoren mit Infoständen bzw. Fahrzeugen vertreten, von denen Mercedes-Benz, Volkswagen, MPC-Software und Payco als Hauptunterstützer auftraten.
„Sie tragen wesentlich dazu bei, dass wir diesen Taxi- und Mietwagentag in dieser Form durchführen können“, bedankte sich Konstantianos explizit bei den Taxipartnern. Sie würden mit ihren Produkten, Fahrzeugen und Dienstleistungen zeigen, wie vielfältig die Taxibranche ist.
Das Hauptprogramm des Taxi- und Mietwagentags bildeten insgesamt vier Vorträge zum Thema ÖPNV-Taxi, Lohngestaltungsmöglichkeiten, neue Kassensicherungsverordnung sowie ein Impulsvortrag zum professionellen Umgang mit Kunden. Taxi Times wird über die Inhalte dieser Vorträge gesondert berichten.
Das Taxigewerbe stehe laut Konstantianos vor großen Herausforderungen und sowohl die Vorträge als auch die Gespräche untereinander sollten an diesem Tag dazu beitragen, sie gemeinsam anzugehen und zu bewältigen. Konkret nannte der Vorstand der Fachvereinigung die veränderte Wettbewerbssituation durch Plattformvermittler, die starke Kostenbelastung unter anderem aufgrund der Spritpreisexplosion und neue bürokratische Anforderungen auf Basis gesetzlicher Vorgaben.
„Trotz all dem stehen unsere Taxi- und Mietwagenunternehmerinnen und Unternehmer jeden Tag auf, organisieren ihre Betriebe, beschäftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sorgen dafür, dass Menschen zuverlässig von A nach B kommen“, hebt Konstantianos den hohen und unersetzlichen Wert der Taxi- und Mietwagenbranche hervor.
An dieser Stelle betonte Konstantianos die Rolle der Fachvereinigung Taxi und Mietwagen. Diese müsse eine starke Stimme für das Gewerbe sein, damit die Probleme nicht von jedem Betroffenen alleine bewältigt werden müssen.
Das betonte auch Benjamin Sokolovic, Geschäftsführer des Gesamtverbands. Die Fachvereinigung Taxi und Mietwagen habe mit rund 1.400 Mitgliedern die höchste Mitgliederzahl im Gesamtverband und bekomme die volle Unterstützung des GVN. Dem Verband sei klar, dass jedes Mitglied nicht nur täglich um genügend Aufträge kämpfe, sondern einige auch aufgrund der Kostenexplosion um die Existenz kämpfen, weil die kurzfristige Anpassung an solche Preissteigerungen nicht möglich ist – aufgrund des festgelegten Tarifs und der vertraglich vereinbarten Entgelte mit Krankenkassen und Kommunen (Schülerfahrten).

„Wenn die Kosten heute steigen, können Taxibetriebe nicht morgen den Preis anpassen. Bis das bei den unteren Verkehrsbehörden durch ist, vergehen manchmal mehrere Jahre“. reklamiert Sokolovic. Durch die jährliche Erhöhung des Mindestlohns würde so manch ein aktueller Taxitarif noch auf einem Mindestlohn kalkuliert, der längst nicht mehr aktuell ist. „Im schlimmsten Fall ist es sogar der Vorletzte. Das ist völlig absurd.“
Hier konnte Sokolovic dann allerdings eine gute Nachricht verkünden: Beim seit Jahren geforderten einheitlichen Niedersächsischen Taxitarif scheint politisch die Entscheidung gefallen zu sein. Jetzt gehe es um die konkrete Ausgestaltung. „Das wäre ein Riesen-Fortschritt, 52 Tarifanträge würden wegfallen“, hebt Sokolovic hervor.
In Bezug auf die explodierenden Spritpreise prüft der GVN gemeinsam mit dem Ministerium, ob neben dem beschlossenen Tankrabatt auch Kraftstoffzuschläge eingeführt werden könnten.
Für solche Entscheidungen müsse man oft dicke Bretter bohren. „Aber wir bleiben an solchen Themen dran und sind wie ein Terrier“, betonte Sokolovic. „Wir beißen, wir wiederholen, wir erinnern.“ Bei der Politik sei man als kompetenter Ansprechpartner geschätzt, beispielsweise kürzlich bei der Sitzung des Wirtschaftsausschusses im Landtag.


Druck mache man auch hinsichtlich der ungleichen Wettbewerbssituation mit Plattformanbietern. Damit die Unternehmen flexibler am Markt arbeiten können, setze man sich für Taxi-Festpreise mit Tarifkorridor und für die Einführung von Mindestentgelten für Mietwagen ein. „Das ist überfällig, sagt Sokolovic. „Es kann nicht sein, dass Taxibetriebe an feste Tarife gebunden sind, während andere mit Dumpingpreisen den Markt unter Druck setzen. Wir wollen gleiche Spielregeln und eine faire Bezahlung. Dafür kämpfen wir.“ Für dieses Plädoyer bekam Herr Sokolovic viel Beifall von den Besuchern, die sich im Anschluss an die beiden Eröffnungsreden dem restlichen Tagesprogramm widmen konnten. jh
Beitragsfoto: Taxi Times






