Die hessische AOK zahlt Krankenfahrten derzeit oft mit wochenlanger Verspätung, da sie mit der Abrechnung nicht hinterherkommt. Jetzt hat der Fachverband FPH Rechtsaufsichtsbeschwerde eingelegt.
220.000 Euro Außenstände bei der AOK – das ist die derzeitige Situation eines einzigen Unternehmens in Hessen. Taxi- und Mietwagenunternehmen warten derzeit teils deutlich länger als vereinbart auf die Bezahlung ihrer Krankenfahrten durch die AOK Hessen. Auf Anfrage von Taxi Times bestätigte die Pressestelle der Krankenkasse, dass es seit wenigen Monaten zumindest teilweise zu Verzögerungen bei den Auszahlungen kommt. Als Ursache nennt die Krankenkasse auf Anfrage den Wechsel von einem externen Dienstleister zu eigenen Teams. „Es ist richtig, dass es seit wenigen Monaten zumindest teilweise zu Verzögerungen im Auszahlungsprozess kommt. Die Rückstände erklären sich dadurch, dass wir von einem externen Dienstleister auf eigene Teams gewechselt sind, einer rechtlichen Vorgabe folgend. Im Zuge dieser Umstellung haben wir noch nicht die notwendige Schlagzahl erreicht – trotz Neueinstellungen. Wir arbeiten die eingehenden Rechnungen jedoch mit Hochdruck ab und orientieren uns hierbei an den Zahlungszielen. Mitunter sind aber Verzögerungen von vier bis sechs Wochen möglich. Das Rechnungsvolumen nur für Taxi- und Mietwagenbetriebe kann ich Ihnen jedoch nicht mitteilen. Zwangsläufig sind aber die meisten Taxiunternehmen in Hessen hiervon betroffen. Abschlagszahlungen sind bislang nicht vorgesehen“, heißt es im Antwortschreiben der AOK.
Wann die Rückstände vollständig abgebaut sein werden, könne die AOK noch nicht sicher sagen. Man hoffe, dass dies in den kommenden Monaten gelinge. Vermutlich im Januar 2027 werde man wissen, ob man sich auf der Zielgeraden befinde. Ein Mailing oder andere schriftliche Informationen an die Taxi- und Mietwagenbetriebe gab es nicht. Telefonisch kläre man jedoch regelmäßig über die Sondersituation auf. Vor allem kleineren Unternehmen komme man zudem gerne entgegen, indem man ihre Zahlung vorziehe.
Für viele Betriebe ist das offenbar zu wenig. Der Fachverband Pkw-Verkehr Hessen (FPH) hatte seine Mitglieder zu den Zahlungsverzögerungen befragt. Die zahlreichen Rückmeldungen zeigten, dass es sich nicht um Einzelfälle handle, schreibt der Verband in einem Rundschreiben an seine Mitglieder. Einige Unternehmen gerieten in ernsthafte Liquiditätsschwierigkeiten und befürchteten, Löhne und Gehälter sowie laufende Betriebskosten nicht rechtzeitig bezahlen zu können. Interne technische oder organisatorische Probleme der AOK dürften nicht zulasten der Betriebe gehen, die die Krankenfahrten zuverlässig durchführen und vorfinanzieren.
Der FPH hat sich deshalb mit einer Rechtsaufsichtsbeschwerde an das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege gewandt. Das Ministerium soll die Abrechnungs- und Zahlungspraxis der AOK Hessen überprüfen und darauf hinwirken, dass die offenen Forderungen schnellstmöglich beglichen werden.
Wie FPH-Geschäftsführer Mathias Hörning gegenüber Taxi Times berichtete, ist die Summe der Außenstände inzwischen deutlich höher als zum Zeitpunkt der Beschwerde. Damals sei man von rund 500.000 Euro ausgegangen. Nach dem Versand des Schreibens an die Aufsichtsbehörde seien jedoch weitere Rückmeldungen eingegangen. Allein ein größerer Mitgliedsbetrieb warte derzeit auf Zahlungen der AOK in Höhe von 220.000 Euro. Insgesamt summierten sich die offenen Forderungen der FPH-Mitglieder, die sich gemeldet haben, mittlerweile auf weit über eine Million Euro. ar
Beitragsbild: KI-generiert








