Auf Einladung der Wiener Taxizentrale 40100 trafen sich am 6. und 7. Februar Taxiunternehmer, Zentralenchefs und Verbandsvertreter zum internationalen „Meet the Cab“. Die Redebeiträge aus Deutschland griffen die Bemühungen um Mindestentgelte für Mietwagen und Festpreise für Taxis und die spezielle Situation in Berlin auf. Aus Österreich gab es wertvolle Anregungen für ein auf die junge Zielgruppe ausgerichtetes Marketing.
Taxi ist wertvoll – vor allen Dingen dann, wenn sich die Branche auch international vernetzt. Solch ein Austausch findest regelmäßig in Wien statt. Im vergangenen Jahr war ‘Meet the Cab’ überwiegend eine Veranstaltung mit Gästen aus den deutschsprachigen Nachbarländern. Taxi Times hatte die Veranstaltung damals als „3-Länder-Taxitreffen“ betitelt.
In diesem Jahr nun kamen viele Teilnehmer aus dem nichtdeutschen Ausland und entsprechend war die Arbeitssprache diesmal bei der ersten breit internationalisierten Meet the Cab-Ausgabe Englisch. Was dabei die Vertreter aus den Niederlanden, Malta, Frankreich, Luxemburg sowie des internationalen Verbands IRU bzw. Taxis4SmartMobility vorzubringen hatten, berichten wir in gesonderten Beiträgen, alle abrufbar unter der Stichwortsuche „Meet the Cab“.
Die deutsche Taxibranche beteiligte sich in großem Umfang an dem Gedanken- und Meinungsaustausch. Hermann Waldner veranschaulichte durch seine Positionen bei Taxi Berlin, FMS Systems/Taxi.eu und Taxi Deutschland die Entwicklungen in seiner Stadt Berlin. Aufgrund mangelhafter Durchsetzungsmaßnahmen seitens der lokalen Regierung stieg die Zahl der Fahrzeuge von (teilweise illegalen) Plattformen sprunghaft auf 10.000 und die Zahl der Taxis sank von rund 8.000 auf 5.300. Im Juni 2024 wurden Festpreise (-10% bis +20% des Taxitarifs) eingeführt. „Das ist schon mal gut, aber mit den minus 10 Prozent kann man kaum konkurrieren“, so der Berliner Taxi-Chef.

Eine neue, energischere Stadtregierung führte dann im letzten Jahr eine umfassende Säuberungsaktion durch und räumte eine große Zahl illegaler Mietwagen von der Straße. Allerdings besteht die Gefahr, dass die aus der Hauptstadt vertriebenen Fahrzeuge nun in den Nachbargemeinden angemeldet werden und von dort aus weiterhin in Berlin aktiv sind. Wenn also die Behörden aus den Umlandgemeinden nicht ebenso wirksam gegen das Wachstum neuer Plattformunternehmen vorgehen, besteht die Gefahr, dass sich die Erfahrungen von Berlin wiederholen.
Waldner erwähnte auch die wichtige Zusammenarbeit innerhalb von taxi.eu, „die leider vor allem im Ausland zu wenig unterstützt wird“, sowie den Gewinn der Ausschreibung der Deutschen Bahn für die Beförderung gestrandeter Bahnreisender in Deutschland und die digitalisierte Fahrtenvergabe- und Abrechnung über eine im FMS-System angelegte Plattform „TaBeA“. Abschließend zitierte Waldner die Aussage eines hochrangigen deutschen Zollbeamten, der festgestellt hatte, dass die Einkommen der Plattformfahrer „zu einem Drittel aus Sozialleistungen, zu einem Drittel aus Schwarzgeld und zu einem Drittel aus legalem Lohn“ bestünden.
Nahtlos schloss sich der Vortrag von Michael Oppermann vom Bundesverband BVTM an den von Waldner an. Oppermann zeigte eine mehrere hundert Jahre alte Karte „Deutschlands“, ein Flickenteppich aus winzigen Staaten und Städten und verglich das mit der Taxi-Situation im heutigen Deutschland: „Nach der Gesetzesänderung von 2021 sieht es bei uns genauso aus: Die Erteilung von Genehmigungen liegt in den Händen der lokalen Behörden, mit denen wir in Abstimmung treten – mit jeder einzelnen.“ Eine riesige Herausforderung. Zentrale Themen: Feste Preise für Taxis, Mindestpreise für Mietwagen und gleiche Bedingungen bei der Lizenzierung.

Vorab bestimmbare Festpreise für Taxis starteten letztes Jahr in München und gibt es mittlerweile in fünf großen Städten Deutschlands. „Wir setzen die Plattformen weiterhin unter Druck. Viele ihrer Aktivitäten sind eindeutig illegal. Doch feste Taxitarife und Mindestpreise für Mietwagen reichen nicht aus. „Das Preisdumping der Plattformen muss unterbunden werden und die Preisgestaltung muss klar und transparent sein.“ Auffällig ist, dass insbesondere Uber großes Interesse daran hat, auch Taxis in seine App aufzunehmen, während Free Now sich mittlerweile statt auf Mietwagen für den Taxisektor entschieden hat. „Wir streben überall gleiche Wettbewerbsbedingungen an“, betonte Oppermann. „Aber wir sind mit einer schrumpfenden, alternden Bevölkerung und einer steigenden Nachfrage konfrontiert, insbesondere in dünn besiedelten Gebieten, während Fahrer dort schwer zu finden sind.“ Deshalb bekennt sich der Verband ausdrücklich zu einer verstärkten Zusammenarbeit mit den ÖPNV-Betrieben. „Sie brauchen uns und wir brauchen sie.“
Einen bemerkenswerten Abschluss der Konferenz bildete der Vortrag der Marketingleiterin Eveline Hruza der Wiener Gastgeberzentrale Taxi 40100. Effektives Marketing ist oft nicht die Stärke von Taxiunternehmen. Doch es geht auch anders – ausgehend von der Frage, wie viele der 100.000 Werbeanzeigen, die uns täglich erreichen, tatsächlich hängen bleiben. „Irgendwelche Ideen“, fragte Frau Hruza und gab anschließend die überraschende Antwort: „Nur 3“.

Idealerweise sollte das Marketingbudget eines Unternehmens 2 bis 6 Prozent des Gesamtumsatzes betragen und auf bestimmte Ziele oder den Wettbewerb ausgerichtet sein. 40100 entschied sich für ein höheres Budget (14 Prozent), nahm seine (Plattform-)Konkurrenten ins Visier und nahm die Marketingbudgets aller Konkurrenten in Wien genau unter die Lupe. „Wir sind die Billigsten auf dem Markt und suchen noch nach der richtigen Positionierung, haben aber 300.000 Downloads unserer App und eine Auslastung von 60 %“, freute sich Hruza.
Um speziell die Zielgruppe der Gen Z und jünger anzusprechen, setzte 40100 auf eine besondere Marketingform rund um der Rapper Bibiza und den eigenen, älteren Taxifahrern (in äußerst ansprechenden Videoclips). Damit soll das ‚neue Taxipublikum‘ direkt und teilweise über Influencer auf Instagram und TikTok erreicht werden. Mittlerweile gibt es auch spezielle und exklusive 40100-Partys für diese Zielgruppe. Auch die Newsletter wurden überarbeitet und stark individualisiert („die waren eher klassisch“): Raffinierte Push-Up-Nachrichten erinnern App-User regelmäßig an Taxi 40100. Dafür, so Christian Holzhauser, einer der Geschäftsführer von 40100, sei die App „gepimpt“ und via Firebase attraktiver gestaltet worden. „Es kann nicht schaden, seine App hin und wieder kritisch zu hinterfragen, vor allem ob sie noch frisch und ansprechend genug für die Zielgruppen ist.“ wf
Beitragsfoto: Wim Faber
Hinweis der Redaktion: Über das Taxitreffen „Meet the Cab“ berichtet Taxi Times mit mehreren Beiträgen. Sie können über diesen Link oder über die Stichwortsuche „Meet the Cab“ aufgerufen werden.
In Deutschland (anders als z.B. Österreich) haben wir im PbefG die Rechtsgrundlage, die sehr klar einen generellen Unterschied zwischen Taxi und Mietwagen definiert. Im Sinne öffentlichen Verkehrsinteresses, im Sinne sozialer Marktwirtschaft auf demokratischer Basis. Dieser Unterschied macht aber auch Sinn.
Warum nur wird immer noch mit weichgespülter Wortwahl von ‚Wettbewerb‘ gesprochen?
Wo es eindeutig um illegales Handeln geht, das nur der zerstörerischen Profitmaximierung von reinen Finanzinvestoren geht, die keine Wurzeln in unserem Gewerbe haben!