Mit einem neuen Angebot will Uber seinen Münchner-Kundenstamm auch auf die ältere Generation ausweiten. Doch was wirklich hinter ‚Uber Assist‘ steckt, ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen.
Nach dem Start in Berlin hat Uber das neue Angebot jetzt auch in München in seine App integriert. Hinter ‘Uber Assist’ versteckt sich eigentlich nichts bahnbrechend Neues. Wenn man allerdings Ubers-Pressemitteilung Glauben schenken darf, dann will man mit dem Angebot etwas für die Gesellschaft tun. Uber-Deutschland-Chef Weigler formuliert das wie folgt: „Mit Uber Assist wollen wir die Mobilitätswende in München inklusiver gestalten und die Teilhabe benachteiligter Menschen am sozialen Leben erhöhen.“
Mit diesen Worten beschreibt Weigler, dass ab sofort Fahrgäste mit Rollator, klappbarem Rollstuhl und zusammenfaltbaren Rollern! befördert werden können. On top hilft man den Fahrgästen auch beim Einsteigen ins Auto – und das komplett ohne Aufpreis.
„Moment mal“, werden die Münchner Taxifahrer sagen, „das machen wir doch schon seit Jahrzehnten so“. Und tatsächlich, was im Taxi längst eine Selbstverständlichkeit ist, bekommt man bei Uber geschenkt. Ohne Aufpreis, aber nicht umsonst, weil diese guten Nachrichten natürlich auch eine gute PR für ein Unternehmen bedeuten, das häufig auch mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht wird. Frei nach dem Motto „Tu Gutes und rede darüber“ funktioniert dann auch die PR.
In der Münchner TZ spricht Thomas Kroker von der Taxi München eG aus, was viele Taxler denken: „Das ist bei uns Standard.“ Interessant wird es aber da, wo der Service aufhört und was über die Medien zum Leser transportiert wird. In der TZ wird beispielsweise geschrieben, „Mit Uber Assist erhalten Fahrgäste Tür-zu-Tür-Unterstützung“. Wie Uber auf der eigenen Webseite schreibt, bedeutet Uber Assist aber eigentlich genau das nicht, denn die Fahrer sind nicht verpflichtet, jemanden in dessen Wohnung oder Haus zu begleiten.
Damit Uber Assist also mehr ist, als nur bei Bedarf seinen Fahrgästen ins Auto zu helfen, hat man sich der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) angeschlossen. Aus dieser Verpartnerung ist eine Schulung entstanden, mit welcher die Uber-Assist-Fahrer nicht nur Tipps für die physische Unterstützung beim Einstieg bekommen, sondern auch im Umgang mit Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen sensibilisiert werden. Über den Umfang der Schulung und ob sie überhaupt eine Voraussetzung für ‘Uber Assist’ ist, verrät der Plattformvermittler in der Pressemitteilung nichts. sg
Kommentar der Redaktion: Eigentlich hat Uber mit dem neuen Angebot bewiesen, dass man bislang die Fahrgäste beim Einsteigen alleine gelassen hat. Jetzt hat man vom Taxi gelernt und will neue Zielgruppen für sich gewinnen. Aber das Taxigewerbe kann auch von Uber lernen und wenn es nur ist, dass jede noch so kleine gute Nachricht medial durch den Fleischwolf gedreht werden sollte.
Beitragsfoto: Symbolbild Rentner, Foto. pixabay





