Der Stellantis-Konzern hat gleich zwei Kooperationen zum autonomen Fahren in Frankreich angekündigt. Während Bolt ab 2028 fahrerlose Mobilitätsdienste im Großraum Paris erproben will, soll eine weitere Zusammenarbeit mit Wayve und NVIDIA die technologische Grundlage für autonome Fahrzeuge bilden.
In Frankreich nimmt die Entwicklung autonomer Fahrdienste weiter Fahrt auf. Am 23. Oktober 2026 hat der Automobilhersteller Stellantis, zu dem unter anderem Opel, Peugeot, Fiat und Citroen gehören, zwei unterschiedliche Initiativen vorgestellt, mit denen das autonome Fahren in Europa vorangebracht werden soll. Besonders konkret sind die Pläne für einen Robotaxi-Pilotbetrieb im Großraum Paris, an dem neben Stellantis auch der Fahrdienstvermittler Bolt und die Metropolregion Grand Paris beteiligt sind.
Das unter dem Namen „Greater Paris Autonomous Driving Living Lab“ geplante Projekt sieht vor, ab 2028 autonome Mobilitätsdienste zunächst in bis zu fünf Gemeinden im Nordwesten des Großraums Paris zu erproben. Bis 2030 könnte das Angebot auf rund 30 Kommunen ausgeweitet werden. Unter dem Vorbehalt der notwendigen behördlichen Genehmigungen wird für diesen Zeitpunkt auch ein kommerzieller Betrieb angestrebt. Das Projekt wurde für die europäische Initiative „Autonomous Drive Ambition Cities“ (ADACities) eingereicht, die den Einsatz autonomer Mobilität in europäischen Städten fördern soll.
Die Aufgaben der Partner sind klar verteilt: Stellantis soll die Fahrzeuge auf Basis seiner für autonomes Fahren der Stufe 4 vorbereiteten Fahrzeugen liefern. Bolt übernimmt die Integration der Fahrzeuge und Fahrtechnologie in sein Mobilitätsangebot sowie die Einsatzplanung. Die Métropole du Grand Paris koordiniert die Zusammenarbeit mit den Kommunen und Behörden. Als möglicher Lieferant der autonomen Fahrtechnologie wird das chinesische Unternehmen Pony.ai genannt. Vorgesehen ist eine technische Grundlage mit NVIDIA Hyperion und dem Sicherheitssystem NVIDIA Halos.
Die fahrerlosen Fahrzeuge sollen vor allem dort eingesetzt werden, wo bestehende Verkehrsangebote Lücken aufweisen. Dazu gehören die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, Fahrten zu Gewerbegebieten sowie Mobilitätsangebote außerhalb der Hauptverkehrszeiten oder bei Großveranstaltungen. Während der Pilotphase sollen unter anderem Betriebssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Nutzerakzeptanz und die Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr untersucht werden.

Am gleichen Tag hat Stellantis eine weitere Zusammenarbeit angekündigt. Gemeinsam mit dem britischen Entwickler Wayve, dem Technologieunternehmen NVIDIA und der französischen Regierung soll die Entwicklung und Einführung autonomer Fahrzeuge in Frankreich beschleunigt werden.
Anders als beim Bolt-Projekt steht hier zunächst nicht der Betrieb eines konkreten Robotaxi-Dienstes im Vordergrund. Vielmehr geht es um die technische und industrielle Entwicklung autonomer Fahrzeuge. Dabei sollen die Fahrzeugplattformen von Stellantis mit dem KI-basierten Fahrsystem „Wayve AI Driver“ kombiniert werden. Dieses soll künftig NVIDIA Halos OS auf Basis der NVIDIA-Hyperion-Architektur integrieren.
Die Partner wollen damit ein französisches Ökosystem für autonomes Fahren aufbauen, das von der Halbleitertechnologie über die Softwareentwicklung bis zur Fahrzeugproduktion reicht. Auch Gewerkschaften, Kommunen und weitere Akteure des Mobilitätssektors sollen bei der Einführung der Technologie berücksichtigt werden. Ein konkreter Zeitplan für einen kommerziellen Fahrdienst wurde bei dieser Kooperation allerdings noch nicht genannt.
Die beiden Ankündigungen zeigen, dass Stellantis sowohl die technische Entwicklung autonomer Fahrzeuge als auch deren praktischen Einsatz im Fahrdienstmarkt vorantreibt. Besonders das Pariser Pilotprojekt ist für das Taxi- und Mietwagengewerbe relevant. Mit Bolt beteiligt sich ein bereits etablierter Plattformanbieter an der Vorbereitung eines möglichen kommerziellen Robotaxi-Angebots.
Dabei soll das autonome Fahren in bestehende Mobilitätsangebote integriert werden. Der geplante Einsatz in mehreren Kommunen und die Aussicht auf einen kommerziellen Betrieb bis 2030 machen deutlich, dass die Partner bereits über eine spätere reguläre Nutzung nachdenken.
Noch handelt es sich allerdings um Planungen. Weder ist der kommerzielle Betrieb bislang genehmigt worden, noch liegen belastbare Ergebnisse zur Wirtschaftlichkeit oder zur Akzeptanz solcher Angebote vor. sg
Beitragsfoto: Bereits in zwei Jahren soll autonome Bolt Fahrzeuge im Großrausm PAris vermittelt werden. Foto: Stellantis.







