„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert“, dies stellte schon Albert Einstein fest. Das gilt natürlich auch für Taxizentralen. Von erfolgreichen Unternehmen zu lernen heißt dagegen von Siegern zu lernen, Michael Mühlin vermittelte in seinem Webinar Taxlern dazu Einblick in ein Siegerkonzept aus Malta.
Es gibt bundesweit verdammt viele Kugelschreiber, die als Werbeträger für Taxiunternehmen im Umlauf sind. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass ein Großteil der sich im Umlauf befindlichen Kulis für Taxiunternehmen werben. Und zu guter Letzt ist diese Werbemaßnahme ja oft auch die einzige, auf die sich die Genossen vor Ort einigen können, denn Werbung kostet Geld. „Hier und auch an vielen weiteren Stellschrauben muss die Branche moderner werden und ihr unstreitig vorhandenes Potential effizienter einsetzen“, sagt der Branchenkenner Michael Mühlin. Schon zum dritten Mal lud der heutige Unternehmensberater, im Gewerbe eher bekannt als Ex-Zentralenchef beim Rheintaxi aus Düsseldorf, zu seinem kostenfreien Webinar „Kundenbindung und Fahrermotivation“ ein. Er möchte die Branche wachrütteln und ihr seine Zukunftsperspektive für Taxizentralen nahebringen.
Mühlin selbst arbeitet dabei eng assoziiert mit dem Softwareanbieter eCabs aus Malta zusammen. Deren Entwickler hatten es auf der kleinen Mittelmeerinsel mit Ihrem ganzheitlichen Marketingkonzept inklusive Vermittlungssoftware geschafft, die konkurrierenden Plattformbieter – in diesem Fall zunächst Bolt, später aber auch Uber – zurückzudrängen und sich wieder nahe der vormals beherrschende Marktposition zu etablieren. Mühlins Webinare sind dabei aber keine Verkaufsveranstaltung, sie sollen die Teilnehmer eher dazu anregen, ihren eigenen Marktauftritt von Grund auf zu überdenken und sich von den maltesischen Ideen inspirieren zu lassen. Kommt es daraufhin zu einer Kooperation – umso besser.

Einer der wichtigsten Punkte zum Einstieg in die neue Welt eines erfolgreichen Marketings ist natürlich das Budget dafür. Wo Geld aber Mangelware ist – wie beispielsweise immer im chronisch klammen Taxigewerbe – da wird in der Regel weder ein erfolgreiches noch überhaupt irgendein Marketingkonzept realisiert. Als notwendigen Türöffner zu einer erfolgreichen Taxi-Zukunft empfiehlt Mühlin dem Gewerbe hier den Ein-Prozent-Hebel. Von jedem Umsatz wird ein Prozent für das Marketing bei Seite gelegt, egal ob in großen eigenständigen Unternehmen oder in einer Genossenschaft, aber auch egal ob in guten oder schlechten Zeiten.
Dieser simple Trick ermöglicht es, ohne Streitereien um Beträge oder Anteile ein respektables Budget verfügbar zu machen, mit dem die Gemeinschaft oder auch das Unternehmen erstmal starten kann. Im nächsten Schritt gilt es, mit diesem Budget auch die richtigen Kampagnen zu finanzieren. Eine direkte Kundenansprache ist zielgerichtet und in unserer digitalisierten Welt in der Regel auch problemlos online möglich. Bestandskunden sind dabei erheblich günstiger in der Pflege, der Gewinn neuer Kunden dagegen oftmals teuer. Ganz besonders die zehn bis zwanzig umsatzstärksten Kunden bedürfen diesbezüglich der größten Aufmerksamkeit und Pflege.
Zum Start in diese neue Welt empfiehlt Mühlin Neueinsteigern, sich am besten sofort folgenden Aufgaben zu stellen:
- Wer sind meine 20 Topkunden und sind sie noch aktiv? Kontaktiere sie – am besten noch heute!
- Wo sind meine auftragsschwächsten Zeiträume, welche 3 Stunden am Tag sind das? Hier steckt Potential!
In einem nächsten Schritt stehen folgende Aufgaben an:
- Wie lässt sich für unsere Gemeinschaft ein Marketing-Budget-Modell umsetzen – ohne Budget geht gar nichts!
- Ist für meine Region schon ein Festpreis-Korridor geplant? Dynamische Preise sind eine große Chance!
Mühlin sieht dynamische Preise als wichtige Option, um mehr Umsatz zu generieren und so gleichzeitig die Einsatzzeiten der Kollegen zu steuern. So sollen diese sich bestenfalls konsequent dem möglichen Umsatz anpassen.
Der weitere Verlauf sieht idealerweise dann so aus: Über mehr Umsatz kommt wiederum mehr Budget zusammen, was sich dafür nutzen lässt, die Kollegen am Steuer zu motivieren. Diese werden wahrscheinlich schon allein dadurch auf dem Weg in eine bessere Zukunft mitgenommen, weil sie erleben, dass etwas geschieht. Zusätzlich könnten sie über eine transparente Online-Vermittlung aber vielleicht auch die Möglichkeit bekommen, die Aktivitäten der Kollegen mitzuverfolgen. Des Weiteren gilt es hier, das Multiapping zu unterbinden beziehungsweise unattraktiv zu machen.

Als Anti-Multi-Apping-Tool könnten beispielsweise Kampagnen geschaltet werden, welche diejenigen belohnen, die regelmäßig Aufträge der eigenen Zentrale annehmen. Wenn ein Teilnehmer regelmäßig genug Taxi-Funk-Fahrten inklusive eines Bonus angeboten bekommt und übernimmt, warum soll er dann – gerade in Spitzenzeiten – noch Aufträge anderer Plattform-Apps übernehmen? Damit werden dann mehr Aufträge realisiert, was wiederum das Budget steigert. Und auf geht’s in eine weitere Runde. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, hat aber auf Malta tatsächlich geklappt und stellt auch die Strategie vieler anderer „Sieger“ dar. Warum also nicht auch in der heimischen Taxizentrale.
Das Webinar bot über 90 Minuten eine Vielfalt weiterer Ideen und Inspiration, die sich unmöglich in einer solch kurzen Online-Meldung wie dieser darstellen lassen. Auch wenn dabei vielleicht nicht jede Lösung zu jeder Stadt und ihren Gegebenheiten passt, wichtig war Mühlin die Inspiration und der Move in Richtung „Strategie statt nicht zielgerichteter Kleckerwerbung“ und genau das konnte er bei den Teilnehmern auch auslösen.
Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will oder vielleicht sogar auch das Softwareprodukt als Option für sich prüfen will, wurde dazu von Michael Mühlin herzlich eingeladen. Mühlin und seine Mitstreiter haben noch viele weitere Ideen im Köcher, die oft überraschend einfach realisierbar sind und vielfach auch schon in der Software optional angelegt sind. Zusätzlich bietet Mühlin bei weiterem Interesse aber auch eine „individuelle Potentialanalyse“ an, bei der man gemeinsam prüfen kann, welche Lösungen zu dem Betrieb vor Ort passen könnten. Auch diese weiterführende Offerte möchte Mühlin immer noch ausdrücklich nicht als Verkaufsgespräch interpretiert wissen, sondern als fachliches Gespräch unter Kollegen. rw
Beitragsfoto: Quelle: Michael Mühlin, StrategieWerk(zeug), Business Development Consultancy








Grundsätzlich ist Werbung immer eine gute Idee. Eine gemeinsame Werbekampagne ist in grösseren Städten fast unmöglich weil das Taxigewerbe sehr kleinteilig und für solche Sachen schwer erreichbar ist.