Noch in diesem Jahr sollen die ersten autonomen Fahrzeuge in mehreren Hamburger Stadtteilen ihre Runden drehen. Bis Fahrgäste einsteigen dürfen, wird es aber noch dauern.
Mit Unterstützung der Hamburger Behörde für Verkehr und Mobilitätswende sollen die autonomen Fahrzeuge in den Hamburger Stadtteilen Bergedorf, Blankenese und Langenhorn die ersten autonomen Testfahrten aufnehmen. In Deutschland dürfte das die erste Zusammenarbeit einer Stadt und einem privaten Unternehmen sein, betonte Freenow by Lyft in einer Pressemitteilung.
Ende Januar wurde der gemeinsame Plan mit einem Memorandum of Understanding besiegelt, welches von Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks und Freenow by Lyft CEO Thomas Zimmermann unterzeichnet wurde. Diese Absichtserklärung dient dazu, Fahrzeuge, die Level-4-autonom fahren können, in den Taxiverkehr einzubinden und zugleich klare Richtlinien festzulegen, wie autonome Fahrzeuge überhaupt integriert werden können.
„Mit der Elektrifizierung der Taxiflotte haben wir die Grundlage für die langfristige Zukunftsfähigkeit der Branche gelegt. Mit diesem Memorandum zum autonomen Fahren gehen wir nun den nächsten konsequenten Schritt“, so Dr. Anjes Tjarks. „Autonome Taxis können einen wichtigen Beitrag zur Anbindung des öffentlichen Verkehrs leisten – insbesondere in Nebenverkehrszeiten und in bislang unterversorgten Gebieten. Hamburg verfolgt eine vorausschauende Strategie für autonome Mobilität sowie für moderne On-Demand- und Taxidienste, die fest in das städtische Verkehrssystem integriert sind.“
Der Wettbewerb durch autonome Fahrzeuge hinterlässt in der Taxibranche gemischte Gefühle, das konnte man auch auf dem internationalen Taxitreffen, welches sich auf das autonome Fahren fokussiert hatte, Anfang Februar in Wien spüren. Aber die Skepsis kommt auch direkt aus der Hansestadt.
Jan Weber, Vorstand des Hansa-Funk, mag noch nicht so recht an autonome Fahrzeuge glauben: „Beim derzeitigen Stand [der Technik, Anm. d. Redaktion] können wir noch nicht vom autonomen Fahren sprechen, weil nach wie vor ein Sicherheitsfahrer mit im Auto sitzt und eingreifen kann. Bis sich das autonome Fahren ohne Sicherheitsfahrer durchgesetzt hat, werden noch viele Jahre vergehen.“
Auch laut Freenow by Lyft wird es noch dauern, bis überhaupt echte Fahrgäste befördert werden können. Bis wann der komplett autonome Betrieb startet, dazu macht das Unternehmen keine Aussage. Der Hansa-Chef weist zusätzlich darauf hin, was ein autonom fahrendes Taxi nie können wird, nämlich Service am Menschen leisten: „Beispielsweise benötigen kranke Bürgerinnen und Bürger Unterstützung beim Ein- und Aussteigen oder beim Gang zum Arzt. Und das autonom fahrende Taxi kann keinen Koffer in die Wohnung tragen.“ Auch bei der Frage danach, wie sich ein autonomes Auto im Falle einer unausweichlichen Kollision verhält, sieht Weber noch ungeklärte Probleme. Offene Fragen, die noch von Freenow by Lyft, aber auch von der Verkehrsbehörde geklärt werden müssen.
Einer Erprobung tut das freilich keinen Abbruch. Die autonomen Taxis werden trotz aller Bedenken sehr wahrscheinlich noch in diesem Jahr durch Bergedorf, Blankenese und Langenhorn fahren. Das Taxi wird zwar zunächst nur als Zuschauer agieren können, aber wer weiß, vielleicht kann das Gewerbe daraus lernen und findet einen weiteren Weg, wie es sich zukunftssicher aufstellen kann. sg
Beitragsfoto: Freenow by Lyft CEO Thomas Zimmermann und Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks unterzeichnen die Absichtserklärung. Foto Freenow by Lyft





