Das Taxi-Film-Fest, ursprünglich als Protestaktion zeitlich parallel zur Berlinale veranstaltet, hat sich von seiner Rolle emanzipiert und findet dieses Jahr im September statt. Auftakt ist übermorgen.
Uber ist nicht mehr Sponsor der Internationalen Berliner Filmfestspiele, und so muss das Berliner Taxi-Film-Fest auch nicht mehr als Protestaktion zeitgleich zur Berlinale dienen und im Februar dem Winterwetter trotzen, sondern kann erstmals bei angenehmen Spätsommer-Temperaturen stattfinden. „Wir freuen uns, zum dritten Mal das Taxifilmfest Berlin zu veranstalten“, heißt es in einem Ankündigungsschreiben.
Unter dem Motto „Das Taxi ist tot, es lebe das Taxi!“ rückt die dritte Ausgabe stärker die menschlichen Geschichten hinter dem Gewerbe in den Vordergrund. Bei der Gründung 2024 war das Festival noch explizit als Protest gegen Uber als Berlinale-Hauptsponsor gestartet. Kurator Klaus Meier betont, das Taxigewerbe leiste mehr als reinen Personentransport von A nach B, den inzwischen auch Maschinen übernehmen könnten.

Das Programm erstreckt sich über vier Kerntage: Am Donnerstag, dem 24. September, stehen ein Workshop und eine Filmvorschau auf dem Plan, am Freitag folgt der erste Teil der Filmauswahl. Höhepunkt ist Samstag, der 26. September, an dem ab Mittag die besten Taxifilme des Jahres gezeigt werden. Zum Abschluss lädt das Festival am Sonntag, den 27. September, zu einem Kinobrunch unterm Dach mit einer Rückschau auf das Gezeigte.
Eingereicht wurden insgesamt 3.000 Beiträge aus Deutschland, der Elfenbeinküste, dem Iran, Italien, Kanada, den Niederlanden, Panama und den USA. Zu den für das Taxi-Film-Fest bestätigten Filmen zählen „She Steers the Night“ aus den Niederlanden über zwei Taxifahrerinnen, die sich für die Sicherheit von Frauen im nächtlichen Straßenverkehr einsetzen, der New Yorker Kurzfilm „¡Taxi!“ über die harte Arbeit von Einwanderern im Taxigewerbe sowie eine Langfilmproduktion aus der Elfenbeinküste über einen jungen Mann, der in Abidjan ein Taxiunternehmen gründet.
Klaus Meier, auch bekannt als Berliner Taxisoziallotse, ist begeistert und sagte gegenüber Taxi Times: „Das wird ein kleines aber feines Festival unter Freunden, zu dem die Welt eingeladen ist. Wir haben wieder tolle Beiträge, die ebenso bei der Berlinale laufen könnten. Da haben Filmstudenten eine junge Frau auf ihren Taxischichten begleitet und einen Film drüber gemacht, und in manchen Ländern prägt die Tätigkeit im Taxijob das Leben von Familien so sehr, dass Kinder von Taxifahrern sich darangemacht haben, die Welt ihrer Eltern zu erzählen.“

Meier hat vorab folgenden Programmüberblick bekanntgegeben: „Am Donnerstag, 24.9., dem Vortag des Filmprogramms, machen wir um 16:00 Uhr in der Otawistraße 15 einen Workshop anstelle einer Pressekonferenz. Wir sammeln die Ideen für eine Zukunft des Berliner Taxis, die wir den Koalitionären des künftigen Berliner Senats als Manifest des Taxifilmfest vorstellen werden. Vielleicht kommt ja wer von den Politikern dazu. Einladen werden wir sie. Freitag, der 25., und Samstag, der 26.9., sind die Tage des offiziellen Filmprogramms. Am Samstag werden wir den schönsten und wichtigsten Film auszeichnen und ein Resümee der Veranstaltung ziehen. Der Sonntag, 27.9.2026, ab 15 Uhr wird als nettes Beisammensein beim Filmbrunch gestaltet. Wir zeigen einige Filme und Ausschnitte aus drei Jahren und machen es uns einfach nett.
Das Organisationsprinzip des Taxifilmfest ist die ‚Convivialität‘ nach Ivan Illich. Alle tragen etwas bei und interessieren sich füreinander. So entsteht, was uns allen gut tut. Wer im BALZ-Loft mit brunchen möchte, sollte sich anmelden. Wir haben kein Budget für Verköstigung und bitten alle, den eigenen Möglichkeiten entsprechend unser Sparschwein zu füttern oder selbstgemachtes Essen und Getränke mitzubringen. Was wir vorab erfahren, können wir planen. Ich bin stolz darauf, erneut für unsere internationalen Gäste das Taxifilmfest auf deutsch, englisch, französisch und chinesisch vorstellen zu können.“

Ursprünglich sollte das Taxifilmfest in diesem Jahr Teil eines größeren Taxi-Kultur-Festivals werden. Weil die bisher beteiligten Taxiunternehmer Jaxtheimer und Berndt zuletzt wegen der katastrophalen Geschäftslage im Taxigewerbe ihre Kapazitäten ganz auf die eigenen Betriebe konzentrieren mussten, wurde dieses größere Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Am eigentlichen Taxifilmfest hielt Klaus Meier dennoch fest: Da er von Beginn an die Filmauswahl kuratiert hat, stemmte er die dritte Ausgabe in diesem Jahr alleine, zumal ihm die Räume des BALZ zur Verfügung stehen. Jaxtheimer und Berndt, die das Festival in den vergangenen Jahren mit ungewöhnlichen Spielorten geprägt haben – darunter ein Berliner Großraumtaxi auf dem Boulevard der Stars, über das sogar die New York Times berichtete, sowie die inzwischen legendäre Premiere des Films „Wat Neuet im Westen“ („Ruins“) im Club Wilde Renate –, wollen sich künftig wieder stärker einbringen. Allen drei Beteiligten, die das Taxifilmfest seit 2024 mit großem persönlichem Einsatz auf die Beine stellen, gebührt dafür Dank.
Offizieller Veranstalter ist der Bettlerverlag, unterstützt vom Berliner Arbeitslosenzentrum (BALZ), mit Mitteln der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung sowie von Taxifahrern selbst. Der Eintritt ist wie in den Vorjahren kostenlos, Spenden vor Ort sind willkommen. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Taxifilmfests. ar
Beitragsfoto: Klaus Meier






