Mit Kameras an der Windschutzscheibe sollen ausgewählte Hamburger Taxis künftig dabei helfen, digitales Kartenmaterial zu verbessern. Freenow by Lyft will damit insbesondere die Navigation im Taxialltag präziser machen. Nach ersten Einsätzen in London und Barcelona kommt das Projekt nun auch nach Deutschland.
Hamburger Taxis werden zu rollenden Datensammlern: Der Mobilitätsvermittler Freenow by Lyft hat ein Projekt gestartet, bei dem ausgewählte Partnerunternehmen mit speziellen Kameras ausgestattet werden. Diese erfassen während der Fahrt die Straßeninfrastruktur und sollen so dazu beitragen, digitales Kartenmaterial für die Taxinavigation zu verbessern.
Hintergrund ist ein Problem, das Taxifahrer aus ihrem Berufsalltag kennen: Herkömmliche Navigationssysteme berücksichtigen die Besonderheiten des Taxiverkehrs nicht immer ausreichend. Dazu gehören beispielsweise Taxispuren, kurzfristig eingerichtete Baustellen oder verlegte Taxistände an Bahnhöfen und Hotels. Solche Veränderungen werden in digitalen Karten häufig erst mit Verzögerung abgebildet.
Abhilfe schaffen sollen kompakte Kameras, die an den Windschutzscheiben der teilnehmenden Fahrzeuge angebracht werden. Während der Fahrt erfassen sie unter anderem Verkehrszeichen, Spurführungen und Haltebuchten. Auf Grundlage dieser Informationen sollen die digitalen Karten fortlaufend aktualisiert werden und die Routenführung verbessern.
Das Projekt läuft unter der Bezeichnung „Lyft Map Contributors Program“. Vergleichbare Einsätze gab es zuvor bereits in London, wo ausschließlich Mietwagen mit den Kamerasystemen ausgestattet wurden, und in Barcelona. Mit Hamburg wird die Datenerfassung nun auf eine weitere europäische Großstadt ausgeweitet. Zum Einsatz kommen Android-Geräte, die sich während des Betriebs automatisch aktivieren. Die Datenerfassung ist dabei nicht auf Fahrten mit Fahrgästen beschränkt, sondern kann auch außerhalb aktiver Schichten stattfinden.
Ein wichtiger Aspekt ist der Umgang mit den aufgenommenen Bildern. Nach Angaben von Freenow sind die Kameras ausschließlich auf den Straßenraum ausgerichtet. Sollten dennoch Personen oder Fahrzeugkennzeichen erfasst werden, sollen diese automatisch unkenntlich gemacht und anonymisiert werden. Das Unternehmen verweist in seiner Pressemitteilung auf die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Wie viele Hamburger Taxis an dem Projekt teilnehmen beziehungsweise ob und wann die erfassten Daten konkret in der Navigation nutzbar sein werden, geht aus der Ankündigung nicht hervor. Es ist zu vermuten, dass die Fahrzeuge auch wertvolle Daten liefern, die dabei helfen könnten, autonome Fahrzeuge in der Hansestadt zu etablieren. sg
Beitragsfoto: Nio ET7 in Hamburg Foto: Freenow by Lyft







