Ein vergünstigter Ladetarif und ein Willkommensbonus sollen TMV-Mitgliedern den Einsatz von Elektrofahrzeugen erleichtern. Bei der von EnBW vorgerechneten Energiekostenersparnis gegenüber einem Diesel mahnt das Fachportal electrive allerdings einen genaueren Blick an.
Der Württembergische Energieversorger EnBW und der Taxi- und Mietwagenverband Deutschland (TMV) haben zum 1. Oktober eine bundesweite Kooperation gestartet. Die Partnerschaft richtet sich an rund 5.000 Mitgliedsunternehmen und soll die Elektrifizierung ihrer Flotten unterstützen. Im Mittelpunkt stehen Sonderkonditionen für das Laden unterwegs sowie digitale Möglichkeiten zur Verwaltung der Fahrzeuge und ihrer Ladekosten.
„Die Elektromobilität kann für viele Taxi- und Mietwagenunternehmen insbesondere bei hohen Kraftstoffpreisen wirtschaftlich attraktiv sein, weil die Stromkosten eines Elektrofahrzeugs im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor niedriger ausfallen können“, erklärt Ertan Karakoc, Leiter Vertriebssteuerung Flotte bei EnBW mobility+. Gerade bei hohen Fahrleistungen und engen Einsatzzeiten seien verlässliche Lademöglichkeiten, kurze Ladezeiten und kalkulierbare Betriebskosten entscheidend.
Die konkreten Konditionen nennt der Verband auf Seite neun seiner Publikation „TMV intern“: Im EnBW Business TMV-Tarif kostet die Kilowattstunde an EnBW-eigenen Stationen 31,93 Cent netto, entsprechend 38 Cent brutto. Hinzu kommen monatlich 11,76 Euro netto je Nutzer. Dabei zählen auch im Kundenportal angelegte Flottenadministratoren als Nutzer. An Ladepunkten anderer Betreiber werden zwischen 47,06 und 74,79 Cent netto je Kilowattstunde berechnet; maßgeblich ist der in der App angezeigte Preis.
Wer den TMV-Tarif zwischen dem 1. Oktober und dem 31. Dezember 2026 erstmals bucht, erhält außerdem einen Ladegutschein über 50 Euro brutto. Dieser gilt ausschließlich für Ladevorgänge an EnBW-eigenen Stationen in Deutschland. Grund-, Ladekarten- oder Blockiergebühren lassen sich damit nicht bezahlen.
Wie groß (bzw. eher klein) der dauerhafte Verbandsvorteil tatsächlich ausfällt, ordnet das Branchenportal „electrive“ ein: Gegenüber dem regulären Business-L-Tarif sinkt der Arbeitspreis lediglich um 0,84 Cent netto beziehungsweise einen Cent brutto je Kilowattstunde. Die monatliche Grundgebühr bleibt gleich. Bei anderen Ladebetreibern gibt es keinen zusätzlichen TMV-Rabatt. Vergleichbare Kooperationen zwischen Taxiverbänden und Mineralölfirmen führen oft zu einer Ersparnis von bis zu drei Cent pro Liter.
Allerdings soll der Vorteil dieser Kooperation nicht nur beim Ladepreis liegen, sondern auch in der gut ausgebauten Lade-Infrastruktur bei EnBW. In einer Pressemeldung zum Start der Kooperation verweist das Unternehmen auf mehr als 9.000 eigene Schnellladepunkte. Zudem werden neue Standorte nach Unternehmensangaben bereits mit Leistungen von bis zu 480 Kilowatt ausgestattet, wovon dann wiederum Modelle wie beispielsweise die von XPeng profitieren, die auf solch hohe Ladeleistungen ausgelegt sind und damit das Aufladen (abhängig von Akkukapazität und Ladekurve) innerhalb von zwölf Minuten von zehn auf 80 Prozent ermöglichen. Über das EnBW Smart Mobility Portal können Unternehmen Ladevorgänge, Ladekarten und Flottendaten zentral verwalten und auswerten.
„Mit unserer Infrastruktur und dem zusätzlichen Angebot für TMV-Mitglieder unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Flotten zuverlässig auf Elektrofahrzeuge umzustellen“, sagt Karakoc. Für die betriebliche Kalkulation bleiben deshalb neben dem Strompreis auch die passenden Ladestandorte, die benötigten Nutzerzugänge und die Ladezeiten im jeweiligen Einsatzprofil entscheidend.
Um den hier angesprochenen Umstieg auch als wirtschaftlich vorteilhaft darzulegen, vergleicht EnBW in seiner Pressemeldung die Dieselkosten mit denen eines Elektrofahrzeugs. Hierfür wird ein Dieselpreis von 2,40 Euro je Liter angesetzt und ein Verbrauch von sieben Litern auf 100 Kilometer angenommen. Daraus ergeben sich Kraftstoffkosten von 16,80 Euro. Ein Elektrofahrzeug mit einem Verbrauch von 20 Kilowattstunden kommt im regulären Business-L-Tarif dagegen auf rund 6,55 Euro Stromkosten. EnBW errechnet daraus einen Kostenvorteil von rund 60 Prozent.
Im Zusammenhang mit der Kooperation mit einem Taxiverband hinkt dieses Rechenbeispiel allerdings und wird von electrive als „unglücklich gewählt“ kritisiert, weil hier ein Dieselpreis einschließlich Mehrwertsteuer mit einem Strompreis ohne Mehrwertsteuer verglichen wird. Zudem sei der durchschnittliche Dieselpreis aufgrund des Tankrabatts auf mittlerweile 2.24 € brutto gesunken. Rechnet man hier die Mehrwertsteuer raus, (da Taxibetriebe diese ja als Vorsteuer wieder abführen können), ergeben sich Kraftstoffkosten von 1,88 € je Liter und 13,18 € auf 100 Kilometern. Der Netto-Kostenvorteil für Taxiunternehmer liegt also bei 50 und nicht bei 60 Prozent. jh
Anmerkung der Redaktion: Für Taxibetriebe lohnt sich der Vergleich der Stromtarife auf jeden Fall. So hat die Hamburger Taxenunionfür für seine Netzwerkpartner einen besonders günstigen Tarif mit Vattenfall ausgehandelt. Vattenfall, deren Ladeinfrastruktur eher im Norden Deutschland zu finden macht zudem auch mit einer ganz einfach gehaltenen Tarifstruktur auf sich aufmerksam.
Beitragsfoto: EnBW + Taxi Times, Montage: KI-generiert






