In Bad Oeynhausen könnte das örtliche Taxigewerbe künftig eine größere Rolle im öffentlichen Personennahverkehr übernehmen. Die Grünen schlagen vor, Teile des Stadtbusverkehrs durch bedarfsgesteuerte Flex-Taxis zu ersetzen. Als Vorbild dient das bereits in Harsewinkel und Verl eingesetzte Modell „flex taxi OWLmobil“.
Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat beantragt, die Einführung eines On-Demand-Verkehrs in Bad Oeynhausen prüfen zu lassen. Ziel ist es, den Stadtbusverkehr kosteneffizienter zu gestalten und gleichzeitig ein flächendeckendes Mobilitätsangebot sicherzustellen. Der Hauptausschuss befasste sich am 4. November mit dem Antrag. Vorgesehen ist aber zunächst eine Überweisung an den Ausschuss für Stadtentwicklung.
Konkret sollen die Stadtbuslinien BO2 bis BO7 montags bis freitags ab 20.30 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen ganztägig durch Fahrten auf Bestellung ersetzt werden. Die stark nachgefragte Linie BO1 sowie die Regionalbusverbindungen sollen dagegen weiterhin regulär verkehren.
Nach dem Vorschlag der Grünen sollen örtliche Taxiunternehmen die Fahrzeuge und das Fahrpersonal stellen. Die Flex-Taxis würden insbesondere dort eingesetzt, wo keine regulären Busverbindungen bestehen, und Fahrgäste zur nächsten bedienten Haltestelle bringen.
Die Bestellung soll per App, Internet oder Telefon spätestens 30 Minuten vor Fahrtbeginn erfolgen. Neben bestehenden Haltestellen sind virtuelle Haltepunkte vorgesehen. Gegen einen zusätzlichen Aufpreis, im Antrag beispielhaft mit zwei Euro beziffert, könnten Fahrgäste auch direkt an ihrer Haustür abgeholt oder dorthin gebracht werden. Als mögliche Betriebszeiten nennt der Antrag sonntags bis donnerstags 6 bis 23.30 Uhr sowie freitags, samstags und vor Feiertagen 6 bis 1 Uhr nachts.
Das Konzept orientiert sich am „flex taxi OWLmobil“, mit dem man im westfälischen Harsewinkel bereits seit 2024 Erfahrungen sammelt. Dort ergänzen Taxis den klassischen Linienverkehr und ermöglichen bedarfsgerechte Fahrten innerhalb des ÖPNV-Systems. Auch Verl setzt auf das Flex-Taxi-Konzept und zeigt damit, wie das örtliche Taxigewerbe in flexible Mobilitätsangebote eingebunden werden kann.
Für die Fahrgäste ist insbesondere die tarifliche Integration interessant: Das Flex-Taxi-Angebot ist in den WestfalenTarif eingebunden, auch das Deutschlandticket wird im beschriebenen Modell anerkannt. Ob Bad Oeynhausen das Modell tatsächlich übernimmt, ist noch offen. Zunächst soll die Verwaltung untersuchen, ob sich durch den Einsatz von Flex-Taxis Kosten einsparen lassen und welche Auswirkungen eine Umstellung auf das bestehende Busangebot hätte.
Für das Taxigewerbe könnte das Vorhaben zusätzliche Aufträge und eine stärkere Einbindung in den öffentlichen Nahverkehr bedeuten. Voraussetzung wäre allerdings eine wirtschaftlich auf guten Boden gestellte Ausgestaltung der Fahrleistungen und Vergütung. sg
Beitragsfoto: Symbolbild flex Taxi aus Harsewinkel vom Taxibetrieb Brandes & Pumpe. Foto: Taxi Times







