Nachdem die Nachricht über die Kündigung des BER-Aufstellvertrages für Berliner Taxis die Runde machte, haben die Behörden es nun auch offiziell bekanntgegeben: Berliner Taxis dürfen sich ab 2027 nicht mehr am BER bereithalten.
Die Nachricht hatte sich im Anschluss an eine Sitzung der Verkehrsbehörde des Landratsamtes Dahme-Spreewald mit regionalen Gewerbevertretungen verbreitet: Nur noch bis Ende des Jahres darf ein Teil der Berliner Taxis sich am Flughafen Berlin-Brandenburg bereithalten. Für die derzeit noch berechtigten Berliner Taxis bedeutet das unter dem Strich: In der diesjährigen Silvesternacht endet das Bereithaltungsrecht für Berliner Taxis am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER). Bis Mitternacht müssen sämtliche Berliner Taxis die Ladeleisten und den Nachrückspeicher des Flughafens BER verlassen und dürfen sich fortan nicht mehr dort bereithalten. Alle Taxis, die nicht im LDS konzessioniert sind, dürfen ab dem 1. Januar 2027 nur noch mit konkretem Fahrauftrag bzw. Vorbestellung am BER Fahrgäste aufnehmen, was die Zahl der Leerfahrten von dort nach Berlin nochmals erhöhen wird.
Gestern hat das Landratsamt die Entscheidung offiziell bekanntgegeben: „Der Landkreis Dahme-Spreewald hat die Vereinbarung über die Durchführung des Taxenverkehrs am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) vom 15. September 2020 fristgerecht zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Ab dem 1. Januar 2027 werden damit ausschließlich Taxis mit Betriebssitz in der Gemeinde Schönefeld berechtigt sein, Fahrgäste direkt am Flughafen Berlin Brandenburg aufzunehmen.“
Landrat Sven Herzberger (parteilos), der vor zweieinhalb Jahren bei einem Treffen mit der damaligen Berliner Verkehrssenatorin Manja Schreiner noch ganz andere Signale gesendet hatte, bewertet die Kündigung der Vereinbarung jetzt als wichtigen Schritt zur Stabilisierung des örtlichen Taxigewerbes: „Die aktuellen Marktbedingungen machen eine Anpassung der bestehenden Regelungen erforderlich. Mit der Kündigung der Vereinbarung schaffen wir die Voraussetzungen, um die wirtschaftliche Situation der Taxiunternehmen im Landkreis Dahme-Spreewald nachhaltig zu verbessern. Nach unserer Einschätzung werden die im Landkreis konzessionierten Taxis auch künftig ausreichen, um die Nachfrage am Flughafen zuverlässig zu bedienen. Dies wurde durch die örtlichen Taxiverbände auch zugesichert.“
Wie Mustafa Yanıkoğlu, der 2. Vorsitzende vom SXF Taxiverband BER e. V., gegenüber Taxi Times berichtet, hatte sich die Lage der Schönefelder Taxibetriebe, die zum großen Teil aus Berliner Unternehmen und Fahrern bestehen und pro forma in Schönefeld angemeldet sind, in den letzten Jahren tatsächlich drastisch verschlechtert. Dafür nennt er mehrere Gründe: Zum einen hätten sich nach dem Einbruch durch die Corona-Krise die Flugzahlen nie mehr erholt. Der zweite Grund ist die sehr gute Anbindung des Flughafens an den Linienverkehr, besonders auf der Schiene. Man fährt vom unterirdischen Flughafen-Bahnsteig mit Regionalzügen für 5 Euro in 13 Minuten zum Südkreuz, in 23 Minuten zum Hauptbahnhof oder in 18 Minuten zum Ostkreuz.

„Die Kollegen sind nach und nach von den Berliner Halteplätzen an den Flughafen zurückgekehrt, und plötzlich warteten sie dort nicht mehr eine oder zwei Stunden, sondern drei oder vier. Wir haben die Behörden frühzeitig auf die Probleme aufmerksam gemacht“, so Yanıkoğlu, „vor allem auch auf den massiven Fahrgastklau durch illegale Mietwagenfahrer von Uber und Bolt. Passiert ist aber kaum etwas. Dadurch haben alleine seit Mai dieses Jahres 47 Taxibetriebe in Schönefeld, alles Mehrwagenbetriebe, ihr Geschäft aufgegeben. Und die, die auf der Warteliste für Konzessionen standen, haben geguckt und sich gar nicht mehr getraut, ihre Fahrzeuge anzumelden, weil die zusehen konnten, wie die anderen pleite gingen.“
Mit der Vertragskündigung entfällt gleichzeitig die Berechtigung für Taxis aus dem LDS, sich an Taxihalteplätzen in Berlin bereitzuhalten, um dort Einstieger aufzunehmen oder auf Funkaufträge zu warten – was wiederum die Zahl der Leerfahrten von Berlin nach Schönefeld stark erhöhen wird.
Einen Vorteil für Berliner Taxler – und damit auch für Fahrgäste – hat die Änderung durchaus: Mit dem Vertrag entfällt voraussichtlich zeitgleich die besondere Flughafen-Tarifstufe für Taxis aus Berlin und dem LDS, die ausschließlich für Fahrten ab dem Flughafen gilt (wobei das Landratsamt trotz Nachfragen von Taxi Times nie genau definiert hat, wo „der Flughafen“ im Sinne dieser Regelung genau anfängt und endet). Das gab Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) heute bekannt. Ab dem 1. Januar fahren Taxifahrer aus dem LDS dann wieder zum gleichen Tarif am Flughafen ab wie an allen anderen Orten im Landkreis, während der Flughafen für Berliner Taxifahrer dann nur noch als Fahrziel Teil des Pflichtfahrgebietes ist. Folge: Führt ein Berliner Taxifahrer am Flughafen BER einen Auftrag oder eine Vorbestellung aus, so unterliegt die Fahrt – wie an allen anderen Stellen außerhalb Berlins – keiner Tarifpflicht mehr. Somit können diese Aufträge ab Jahresbeginn zu Festpreisen vermittelt werden, die laut Taxi Berlin bei Kunden eine hohe Beliebtheit genießen. Senatorin Bonde kündigte an, diese Möglichkeit bei den Kunden bekannt machen zu wollen. Aus Sicht von Taxi-One-Geschäftsführer Hermann Waldner bleibt das oberste, langfristige Ziel dennoch ein gemeinsames Pflichtfahrgebiet für Berlin und den LDS. ar
Beitragsbild, das bald Seltenheitswert haben könnte: ein Berliner Taxi auf der Ladeleiste des Flughafens BER; Foto: Axel Rühle







