Friedrich, Lars, Bärbel, Markus und der Heini gehen zusammen in die Schule. Nachdem die aus den oberen Klassen angefangen haben, Krieg zu spielen und dadurch der Sprit teurer geworden ist, denkt sich die Lehrerin eine spannende Hausaufgabe aus: Alle sollen sich etwas überlegen, wie man diesen Problemen wirksam begegnen kann. Weil er die Aufgabe nicht ganz einfach findet, bittet Heini den Friedrich um Hilfe.
„Hallo Friedrich, ich verstehe die Mathe-Hausaufgaben nicht. Kannst du mir helfen? Wir sollen doch eine Lösung dafür finden, wenn alle auf einmal viel mehr für den Sprit bezahlen müssen und sich das Tanken teilweise kaum noch leisten können. Wenn ungefähr die Hälfte der Spritkosten durch Steuern entsteht, weil diese prozentual an den Preis gekoppelt sind – wie kann man dann eine gerechte Lösung finden?“
„Klar, ich helfe dir, das ist doch ganz einfach. Zunächst können doch die Arbeitgeber allen Arbeitnehmern je tausend Euro geben. Dafür müssen dann auch keine Steuern oder Sozialabgaben gezahlt werden. Und schon haben alle mehr Geld und können sich den teuren Sprit wieder leisten. Das darf aber nicht mit dem Gehalt verrechnet werden, sondern muss zusätzlich ausgezahlt werden. Ist ja klar – sonst hätte der Staat ja weniger Geld, und das geht nicht.“
„Aber Friedrich, das kann doch nicht die Lösung sein. So bekommen ja nur die Arbeitnehmer einen Ausgleich, deren Arbeitgeber sich das leisten können – etwa in der Industrie. Mein Chef aber muss selbst jeden Tag den teuren Sprit bezahlen. Der kann definitiv keine tausend Euro für alle Mitarbeiter locker machen. Das war beim letzten Mal genauso.“
„Na gut, dann legen wir noch einen drauf: Für jeden Liter Sprit, der an den Tankstellen verkauft wird, schenkt der Staat den Betreibern zwei Monate lang siebzehn Cent pro Liter. Und das Geld holen wir uns von den bösen Rauchern zurück. Die werden krank und sterben früher, sind also teurer als Nichtraucher, die erst alt werden, bevor sie krank werden.“
„Aber Friedrich, was soll das bringen? Und warum gerade siebzehn Cent? Ist das etwa die Hälfte der durchschnittlichen Dieselpreissteigerung seit Jahresbeginn?“
„Mensch, denk doch mal nach, das ist doch logisch! Der Staat kann ja nicht selbst allen Menschen beim Tanken ein Geschenk überreichen. Die Tankstellenbetreiber aber sind voll sozial und geben das bestimmt weiter. Schließlich mussten sie sich in den letzten Wochen auch die Klagen ihrer Kunden anhören. Dafür müssen alle dem Staat dankbar sein – das wird nämlich teuer, auch wenn die Raucher das bezahlen sollen. Also hinterher nicht die Falschen wählen!“
„Ja, aber Friedrich: Wenn der Staat sich vorher vier Monate lang die Hälfte der Preiserhöhung gesichert hat und jetzt zwei Monate lang siebzehn Cent zurückgibt, dann hat er doch nicht weniger Geld als vorher. Wenn der Preis im Schnitt um vierunddreißig Cent gestiegen ist, entspricht das doch genau dem. Vier Monate die Hälfte kassieren – das sind vier Hälften. Zwei Monate je zwei Hälften zurückgeben – das ist doch das Gleiche. Und wenn es mehr als vierunddreißig Cent waren, dann … also so weit kann sogar ich schon rechnen.“
„Nee, nee, lass mal, Heini, das verstehst du nicht. Das ist viel komplizierter – mir raucht ja schon der Kopf!“
„Und wenn ich die siebzehn Cent bekommen soll, muss ich knapp 6.000 Liter tanken, um auf tausend Euro zu kommen – die mein Kumpel im Homeoffice einfach so bekommt. Dafür müsste ich in zwei Monaten 80.000 Kilometer fahren. Das wird aber teuer!“
„Mein Chef hat sechs Taxis und kommt damit gerade so auf die 80.000 Kilometer in zwei Monaten. Friedrich, ich glaube, deine Lösung ist nicht richtig. Jetzt bekommen diejenigen, die in kleinen Firmen arbeiten oder viel fahren müssen – etwa im Handwerk –, viel weniger als die im Homeoffice. Und der Staat gibt nichts dazu.“
„Das Geld kann doch nicht einfach weg sein, das muss doch irgendwo sein. Mensch Friedrich, das klingt alles nicht so richtig schlau. Ich glaube, die Lehrerin meinte etwas anderes.“
„Warum fragst du immer mich? Ich weiß es doch auch nicht! Frag doch den Lars oder die Bärbel, die können dir das bestimmt besser erklären. Oder die Katharina – die hat ein Pendler-Pendel und kann die Antwort vielleicht auspendeln (vermutlich drei Buchstaben, fängt mit G an und hört mit S auf). Oder den Markus, der hatte doch auch wenig Spaß. Vielleicht kann man auch noch etwas mit Migration einbauen. Oder wir fragen gleich die Alternative für Deutschland. Die wissen wahrscheinlich auch keine Lösung, haben aber vielleicht noch eine alte Gelddruckmaschine im Keller.“
Fazit: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Manchmal wäre es hilfreich, beim Gipfelgespräch auch einen Taschenrechner dabeizuhaben. Dem Taxler mit sechs Taxis, der in den vergangenen vier Monaten monatlich rund 500 Euro zusätzlich für Sprit bezahlt hat, helfen die siebzehn Cent für zwei Monate nur bedingt. Und seine Mitarbeiter sind zusätzlich verärgert, weil sie wieder einmal keine 1.000 Euro bekommen (können). rw
Beitragsfoto: Grafik Remmer Witte







