Neue E-Taxi-Modelle und ein Bekenntnis zum Inklusionstaxi standen beim ersten Hamburger E-Taxentag des Jahres im Fokus.
Bei angenehmen Witterungsverhältnissen traf sich in dieser Woche die Hamburger Taxibranche für einen informativen Austausch. Der Innenhof der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) wurde zur Bühne für die neuesten E-Taxi-Modelle, stellte die Ladelösungen von Vattenfall, Hamburger Energiewerke und Shell vor und ermöglichte einen kurzweiligen Austausch verschiedener Akteure des Hamburger ‚Projekt Zukunftstaxi‘.

Durch die Panel-Diskussion führte Dirk Ritter, der bei der BVM das Referat für die Verkehrsgewerbeaufsicht leitet. Ritter brachte alle Besucher auf den aktuellen Stand, denn derzeit ist die Stadt Hamburg mit über 750 vollelektrischen Taxis Vorreiter im deutschlandweiten Vergleich. Rund ein Drittel der Hamburger Taxiflotte fährt jetzt lokal emissionsfrei. Für den Erfolg sind viele Faktoren notwendig gewesen. Neben der umfangreichen finanziellen Förderung bei der Fahrzeuganschaffung ist auch die politische Unterstützung, die das Projekt erfahren hat, essenziell.

Mit Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks, dem die BVM untersteht, hat das Projekt stets die notwendige Rückendeckung erhalten, damit das Projekt angegangen und erfolgreich umgesetzt werden konnte. Der Senator berichtete davon, welchen Eindruck er mit einem Projektbericht auf dem World Economic Forum gemacht und welche Bestätigung das Projekt von den internationalen Teilnehmern erlangt hat. Alexander Mönch, Präsident von Freenow by Lyft für Deutschland und Österreich, hebt hervor, dass die Antriebswende etwas ist, was ohne Geld nicht funktioniere, aber auch eine entsprechende Ladeinfrastruktur für E-Taxis sei Teil des Erfolgs. Im Ausland, so Mönch, gebe es durchaus ähnliche Projekte, und er hebt dabei die Niederlande, Norwegen und Griechenland hervor.

Wie Franz-Justus Steinert, Leiter Kundenwachstum und Netzwerk bei Vattenfall, verdeutlicht, entspricht die Errichtung einer exklusiven E-Taxi-Ladeinfrastruktur dem Ziel von Vattenfall, die Mobilitätswende voranzutreiben. Gerade das Taxi zeige einen erhöhten Ladebedarf. „Und hier sehen wir eben einen besonderen Hebel, eine besondere Skalierungsmöglichkeit, dass wir eben auch eine Nutzung dieser exklusiven Schnellladeinfrastruktur haben, und freuen uns, das partnerschaftlich mit der Stadt zu machen und diese Infrastruktur aufzubauen.“

Ein weiteres wichtiges Thema der Hamburger Taxibranche und der Behörde ist das Inklusionstaxi. Ulrike Kloiber, Gleichstellungsbeauftragte und Senatskoordinatorin, berät die Hamburger Politik und Verwaltung bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Kloiber warb dafür, das Inklusionstaxi stärker in den Fokus der Menschen mit Behinderungen zu bringen und mit entsprechenden Formulierungen und Marketingkampagnen entsprechend Aufmerksamkeit zu erlangen.

Taxiunternehmer Patrick Amting, dessen Fahrzeuge unter anderem von Hansa Funk für Rollifahrten vermittelt werden, setzt bislang bewusst nicht auf eine Marketingkampagne: „Es bringt nichts, offensiv in die Werbung zu gehen, dann rufen 100 Leute an und ich sage 99 ab, weil ich es einfach nicht hinbekomme. Wir versuchen in Hamburg alle willigen Unternehmer mit an Bord zu holen, um dann eben auch den ganzen Bedarf abzudecken.“
Wie man in Hamburg das Taxi inklusiver machen will, das konnte man auf dem Innenhof der BVM sehen. Viele Taxler waren mit ihren vollelektrischen Rollitaxis vorgefahren. Ein ganz neues Modell hatte das Autohaus Günther mit einem PV5 Passenger samt Heckausschnitt von AMF-Bruns mitgebracht. Aber es gab noch viel mehr zu sehen. Mit den Crossovern EV3, EV5 und EV6, die allesamt bei Intax umgerüstet werden können, war Kia am besten vertreten. Direkt daneben war Volkswagen Nutzfahrzeuge mit einem E-Caravelle und einem ID. Buzz in Hamburg zu sehen. Derzeit das am häufigsten konzessionierte Hamburger E-Taxi ist der ID.4 von Volkswagen PKW. Joachim Flämig und Melanie Neugebauer waren als Ansprechpartner für die Taxiunternehmer aus Hannover respektive Wolfsburg nach Hamburg gereist.

Das Toyota-Autohaus S+K stellte einen bZ4X und ein bZ4X Touring sowie einen Toyota C-HR+ aus, für deren Umrüstung die Firma Reuss verantwortlich zeichnete. Bei den Umrüstungen konnte man viele interessante Detaillösungen entdecken. Eine weitere Reuss-Umrüstung war der Nio ET5, welcher genau wie der ET5 Touring derzeit die einzigen Nio-Modelle sind, die auch als Taxi konzessioniert werden können. Zum ersten Mal beim E-Taxentag waren Mercedes-Benz Hamburg – allerdings leider ohne Fahrzeug – und die chinesische Marke Xpeng vor Ort. XPeng war sogar mit drei Modellen vertreten: dem Tesla-Wettbewerber G6, der neuen Limousine P7+ und einem sehr luxuriösen Van mit sechs Einzelsitzen und einem auffälligen Monitor, der auf den Namen X9 hört. Tesla war mit zwei Model Y angereist, wovon eines in Hellelfenbein foliert war.

Der E-Taxentag hat wieder einmal gezeigt, wie Austausch, Vernetzung und gegenseitiges Update zum Fortschritt des Projekts funktionieren können. Solche Termine unterstützen die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Verkehrsbetrieben, Energieversorgern, Fahrzeugherstellern und Taxiunternehmen, um die Transformation des Taxigewerbes hin zur Elektromobilität erfolgreich umzusetzen und das Taxis in Hamburg zu erhalten. Der nächste Austausch ist bereits in Planung. sg









