Ein weiteres Projekt, bei dem das Taxi als On-Demand-Verkehrsmittel direkt den Linienverkehr ergänzt, startet demnächst am Hamburger Stadtrand. Besonderheit: Statt mit Subventionen läuft es eigenwirtschaftlich.
Im Rahmen der Testphase zum Festpreis-Korridor in Hamburg sind die größte Taxi-Vermittlung der Stadt, die Hansa Funktaxi eG, und der Plattformanbieter Free Now by Lyft dabei, ein Angebot für On-Demand-Taxifahrten zum stark vergünstigten Pauschalpreis zu organisieren. Es soll in diesem Quartal starten und Fahrgästen in drei Gebieten am Stadtrand günstige Kurzstrecken-Fahrten auf Abruf vom Bahnhof nach Hause und umgekehrt ermöglichen.
Wie Hansa-Vorstand Jan Weber mitteilt, sollen so Lücken im ÖPNV geschlossen werden. „Die Fahrstrecken umfassen in der Regel nur zwei, drei Kilometer. Für die kurzen Fahrten sollen Pauschalpreise ab sechs Euro erhoben werden. An der genauen Preisstruktur arbeiten wir mit den anderen Akteuren noch.“
Eine Fahrt mit drei Kilometern Länge kostet im Hamburger Tarif derzeit regulär 12,60 Euro. Bei den geplanten Sonderpreisen soll der Grundpreis mehr oder weniger entfallen. Somit könnten die Fahrten unter dem Strich bis zur Hälfte günstiger für die Kunden sein.
Das Angebot ist für die Abendstunden vorgesehen. Es soll von 21 Uhr bis zum Betriebsschluss der S-Bahn (meist gegen 1 Uhr) gelten, freitags und samstags von 21 bis 5 Uhr nachts.
Für den neuen Service sind drei vom Senat festgelegte Bediengebiete mit geringer Linienverkehrsabdeckung vorgesehen: zum einen der dünn besiedelte und weitgehend ländlich geprägte Bezirk Bergedorf im Südosten der Stadt, der hauptsächlich von einer einzigen S-Bahn-Linie, der S2, erschlossen wird. Hier soll nach Webers Aussage ein Gebiet „im Süden bis knapp hinter die Autobahn 25“ und im Westen bis an den Mittleren Landweg reichend bedient werden.
Ein zweites, ebenfalls bereits definiertes Gebiet liegt im Norden der Stadt um den Stadtteil Langenhorn (Bezirk Nord). Das überwiegend von Einfamilienhäusern und auch einigen Mehrfamilienhäusern dominierte Gebiet nördlich des Flughafens wird auf der Schiene einzig von der U-Bahn-Linie 1 bedient. Außerdem wird der nicht im eigentlichen Bediengebiet liegende S-Bahnhof Poppenbüttel an der S1 eingebunden.
Als drittes Gebiet ist der Westen des Bezirks Altona festgelegt, etwa der Stadtteil Blankenese, der mit seinen Nachbarstadtteilen Rissen und Sülldorf durch die S-Bahn-Linie 1 erschlossen wird.
Das Angebot der On-Demand-Verkehre mit Taxis soll es langfristig geben. Das erste Jahr ist zur Erprobung vorgesehen.
Die schlechte ÖPNV-Anbindung der Gebiete wird das geplante Projekt nicht lösen können, da die öffentliche Hand keine Mittel zuschießt und das Taxigewerbe selbst zwar Teil der Daseinsvorsorge ist, als eigenwirtschaftlich arbeitende Branche jedoch keine Wohltätigkeitsorganisation ist. Im Bezirk Bergedorf wird nur der dicht besiedelte Norden (Stadtteile Bergedorf und Lohbrügge und Umgebung) bedient. Für die sogenannten Vier- und Marschlande (also weitgehend landwirtschaftlich geprägte Stadtteile im Süden wie Curslack, Kirchwerder, Moorfleet, Neuengamme, Ochsenwerder, und Reitbrook) bleibt weiterhin der Bus das Hauptverkehrsmittel, dessen Angebot gerade nachts sehr dünn ist.
Das wird von politischer Seite zum Teil kritisiert. „Eine gute Idee, aber für das Landgebiet ohne echten Wert. Das ist mal wieder hinten runtergefallen“, wird Jörg Froh von der CDU in einer Hamburger Tageszeitung zitiert. Glücklicherweise gebe es das Anrufsammeltaxi, das dort unterwegs sei, wo das On-Demand-Angebot nicht greift. Auch Sozialdemokrat Heinz Jarchow und die Grüne Lenka Brodbeck können nicht nachvollziehen, warum das Landgebiet außen vor ist: „Wenn sich alle einig sind, sollten die Verantwortlichen darüber nachdenken, ob das Bediengebiet nicht doch noch auf die Vier- und Marschlande ausgeweitet werden kann“, wird Jarchow ind er Tagespresse zitiert. Verständnis dafür, dass das dörfliche Gebiet „eine andere Herausforderung darstellt“ äußere nur Brodbeck: „Wir freuen uns, wenn die Vier- und Marschlande in einem zweiten Projekt berücksichtigt werden.“ Die Hansa Funktaxi eG hat dem Regionalausschuss der Bürgerschaft, also des Landesparlaments, die Zusammenarbeit angeboten.

Das zweite Projekt wird eines mit staatlichen Mitteln sein müssen, da die Hansa Funktaxi eG und Free Now by Lyft bzw. die ihnen angeschlossenen Taxiunternehmen das Geld für die jetzt geplanten On-Demand-Verkehre selbst erwirtschaften müssen (was bei Ausdehnung des Bediengebietes auf die Vier- und Marschlande mit ähnlich günstigen Fahrpreisen undenkbar wäre). Jan Weber kann sich eine Ausweitung des Bediengebietes aber durchaus vorstellen. „Vielleicht muss dann ein anderer Preis genommen werden oder man richtet Tarifzonen ein. Oder das Angebot wird von der Stadt subventioniert.“
Dadurch entfällt zugleich der langwierige Prozess des Beantragens öffentlicher Gelder. Bei der Hamburger Verkehrsbehörde musste lediglich ein Antrag auf „Einrichtung von On-Demand-Verkehren für die letzte Meile im nahen Einzugsgebiet von U- und S-Bahnstationen in drei kleinen Bediengebieten“ gestellt werden. Dieser wurde im Dezember genehmigt. „Diese Angebote würden von den Antragstellern eigeninitiativ zur Erprobung erst einmal für ein Jahr platziert werden“, hieß es von Seiten der Behörde. „Die Einrichtung der von den Unternehmen beantragten Gebiete obliegt entsprechend den Antragstellern.“
Laut Weber sind nun noch Details zu klären, etwa die exakten Preise, die Einteilung der Autos, eine Schulung der Fahrer und das Einstellen der App. Die Fahrten mit den teilnehmenden Taxis werden nur über die beiden Apps, Hansa-Taxi und Free Now by Lyft, bestellbar sein. Webers Ziel ist die Entwicklung einer gemeinsamen App für den On-Demand-Verkehr. Das System erkenne aber bereits jetzt, „dass man sich dem Bediengebiet nähert oder schon darin befindet.“
Hansa Funktaxi eG und Free Now waren nicht immer Partner, ganz im Gegenteil: Die Genossenschaft wollte ihren angeschlossenen Unternehmern verbieten, für die – damals noch als Heuschrecke agierende – Konkurrenz Türwerbung auf Taxis zu machen. 2023 entschied der Bundesgerichtshof für Free Now. Inzwischen gibt Free Now sich geläutert (und stellt nach und nach seine Mietwagenvermittlung ein), wenngleich die Absichten des Mutterunternehmens Lyft noch nicht absehbar sind. Dennoch sieht Weber die bevorstehende Zusammenarbeit ungeachtet der Vergangenheit als sinnvoll an: „Wir schauen nach vorn, arbeiten gemeinsam für das Gewerbe. In einem Jahr werden wir sehen, wie das Projekt von der Bevölkerung angenommen wird und ob es tatsächlich ohne Subventionen weitergeführt werden kann“, sagte Weber gegenüber Taxi-Times. ar
Beitragsbild: S-Bahnhof Hamburg-Bergedorf; Foto: Wikipedia / Jo.Fruechtnicht









Wieso vom Bahnhof bis zu Haustüre?
Als Bus-Ersatz sollte es doch eigentlich nur bis zur jeweiligen Haltestelle gehen. Das wäre logisch.
Wenn jemand bis zur Haustüre möchte dann bitte ein „reguläres Taxi“.
Busse fahren die Fahrgäste auch nicht bis zur Wohnung.
Auf der eine Seite ist man gegen Preisdumping von Mietwagen, auf der anderen Seite transportiert man Fahrgäste für weniger Umsatz statt einer regulären Taxifahrt ?
Welcher Fahrgast nimmt denn dann ein „normales Taxi“ wenn er die gleiche Tour für die Hälfte das Preises bekommt?
Was machen die Fahrer die nicht an diesem Projekt teilnehmen?