Die Initiative der beiden Hessischen Fachverbände Bus- und Pkw-Verkehr bekommt erste positive Resonanzen – sowohl aus der Taxibranche als auch branchenübergreifend. Auch die Taxi-Times-Leser kommentieren die Initiative als überfällig.
Der Preis für einen Liter Diesel hat die Marke von 2.40 Euro geknackt. Für den Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen VSPV e.V. ist damit ein historisches Niveau erreicht, denn niemals zuvor war Diesel teurer. „Die Maßnahmen der Bundesregierung – insbesondere die sogenannte 12-Uhr-Regel nach österreichischem Vorbild – haben keine spürbare Entlastung gebracht. Für das Taxi- und Mietwagengewerbe, die Krankenbeförderung, den Bus- und Güterverkehr sowie zahlreiche weitere kraftstoffabhängige Branchen wird die Lage existenzbedrohend“, mahnt der Verband in einer heute veröffentlichten Pressemeldung.
Vor diesem Hintergrund begrüßt der VSPV ausdrücklich den Appell der Fachverbände Pkw-Verkehr und Omnibusverkehr Hessen, die einen koordinierten branchenübergreifenden Zusammenschluss aller betroffenen Interessenvertretungen auf Bundesebene fordern (Taxi Times berichtete und kommentierte). „Unsere Freunde aus Hessen benennen, was viele in der Branche denken: Es braucht keine Gießkanne, sondern gezielte Unterstützung für diejenigen, die auf bezahlbare Kraftstoffe schlicht angewiesen sind, um ihre unternehmerische Existenz zu sichern“ äußert sich Sascha Waltemate, Geschäftsführer des VSPV.
Zustimmung, wenn auch in etwas gedämpfterer Form, bekommen die Hessischen Fachverbände auch vom Hessischen Bauernverband. „Die in der Pressemitteilung angesprochenen Anliegen und Argumentationslinien können wir grundsätzlich gut nachvollziehen und uns inhaltlich damit identifizieren. Derzeit beraten wir diese Themen verbandsintern und stimmen unser weiteres strategisches Vorgehen hierzu ab“, heißt es in einem Antwortschreiben. Der Hessische Bauernverband bittet darum, über die weiteren Schritte und Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten zu werden.
Auch von Seiten der Taxi-Times-Leser gab es Zuspruch für einen Schulterschluss: „Man ist gerade dabei, die Gewerbetreibenden im Verkehrssektor an die Wand zu fahren“, bemerkt der Taxiunternehmer Hartmut Kahrs. „Wenn nichts freiwillig geht, muss man halt wirklich mal andere Geschütze auffahren und mal die Republik einen Tag (erstmal) stillstehen lassen. Wir sind dabei, denn ohne unser Gewerbe gehen bei vielen die Lampen aus.“
Für die Taxiunternehmerin Manuela Fischer aus der Nähe von Ulm ist es höchste Zeit. „Leider ist unsere Branche aber so uneinig, dass ich bezweifle, alle zu einer Demo zu bewegen. Da ist die Angst dabei, vielleicht eine Fahrt an einen Mitbewerber zu verlieren.“
Auch vom Taxi-Times-Leser Peter Lau kommt ein eindeutiger Appell: „Es ist Zeit!
Alle Interessenverbände des Taxigewerbes sollten nun endlich begreifen, dass es um das nackte Überleben geht! Wir sollten alle aufeinander zugehen.“
Besonders in der Kritik steht der „deutsche Sonderfall“, weil die Kraftstoffpreise in Deutschland zum Teil deutlich stärker gestiegen sind als der Rohölpreis und die Entwicklung in den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten es nahelegen würden. Dies habe sogar die Verkehrsministerkonferenz bei ihrem letzten Treffen moniert, stellt der VSPV in seiner Pressemeldung fest. „Die VMK sieht erhebliche Anzeichen dafür, dass Mineralölkonzerne die geopolitische Lage nutzen, um ihre Gewinnmargen auf Kosten von Verbrauchern und Unternehmen zu steigern. Aus der Feststellung folgt die Forderung an die Bundesregierung: Es braucht weitergehende Maßnahmen zur kurzfristigen Ordnung des Kraftstoffmarktes – von der Übergewinnsteuer nach dem Vorbild von 2022 über kartellrechtliche Gewinnabschöpfung bis hin zur zielgerichteten Rückführung der staatlichen Mehreinnahmen an die betroffenen Unternehmen und Verbraucher.“
Als VSPV trage man diese Forderungen mit Nachdruck mit und rufe die betroffenen Verbände und Branchenvertretungen dazu auf, sich jetzt – wie von den hessischen Fachverbänden vorgeschlagen – zu einem wirksamen Bündnis zusammenzuschließen. Dazu Sascha Waltemate: „Die Blaupause für zielgerichtetes Handeln liegt mit den Maßnahmen aus 2022 vor. Man muss es jetzt nur tun!“
Jörg Füchtenschnieder, 1. Vorsitzender des VSPV, mahnt die Dringlichkeit an: „Die Bundesregierung muss jetzt handeln, sonst ist niemand mehr da, der gerettet werden kann!“ Als VSPV stehe man für einen koordinierten Dialog mit den hessischen Fachverbänden und allen weiteren betroffenen Branchenvertretungen bereit.
Kurzkommentar der Taxi-Times-Redaktion: Die Zustimmung ist gut und wichtig, aber man darf es jetzt nicht nur bei verbaler Unterstützung und weiteren Appellen belassen. Jeder weitere Tag, an dem man sich lediglich abstimmt, ist ein verlorener Tag. Vor allem der TVD wie auch seit kurzem der VSPV überschlugen sich in den letzten Wochen und Monaten mit Meldungen über den Beitritt zu branchenübergreifenden Verbänden des Mittelstands bzw. zu Wirtschaftsunionen. Auch der BVTM ist branchenübergreifend gut vernetzt. Sie alle sollten durch die Türen, die sie mit diesen Netzwerk-Mitgliedschaften geöffnet haben, jetzt auch durchgehen. Wenn nicht jetzt – wann dann?
Beitragsfoto: Mathias Hörning von den Hessischen Fachverbänden (links) und Sascha Waltemate vom VSPV; Foto Taxi Times + VSPV, Montage: KI-generiert








