In der größten Stadt Sachsens können Fahrgäste künftig auf Bestellung zum Festpreis Taxi fahren – innerhalb eines außergewöhnlichen Tarifkorridors. Aus dem gemeinsamen Mitteldeutschen Tarif ist Leipzig ausgetreten.
Im Gespräch war es schon 2023; jetzt steht es fest: Nach Dresden und Chemnitz führt Leipzig als dritte sächsische Großstadt Festpreise im Taxi ein. Der hierfür vorgesehene Tarifkorridor ist ungewöhnlich: Bezogen auf den kilometerbasierten Taxameterpreis dürfen die Festpreise sich zwischen 15 und 25 Prozent oberhalb des reinen Streckenfahrpreises ohne Wartezeit bewegen. Das genaue Datum des Inkrafttretens steht noch nicht fest.
„Nach der Zustimmung des Stadtrates können wir in den nächsten Wochen unseren Kunden die Festpreise anbieten“, freut sich Hermann Waldner, Geschäftsführer der Taxi One GmbH und der Funktaxizentrale 4884 in der Messestadt. „Wir haben viele Baustellen und Staus in der Stadt, die Touren verlängern können. Durch die Festpreise müssen Fahrgäste nicht mehr zahlen, sondern die Summe auf dem Taxameter steht von Anfang an fest.“ Auch ermöglicht die Regelung Fahrgästen und Fahrer, spontan eine optimale Fahrtroute abzusprechen, ohne dass der Fahrgast sich über etwaige Mehrkosten Gedanken machen muss. Buchbar sind die Festpreise am einfachsten über die App taxi.eu. Auch die Bezahlung ist hier sofort möglich. „Damit entfällt das Bezahlen nach Fahrtende – ein weiterer Pluspunkt“, betont Waldner und erklärt, dass Festpreise nur bei bestellten Fahrten via App oder telefonisch möglich sind. Beim Einsteigen am Halteplatz ist dies wie auch in anderen Städten nicht möglich.
Die Festpreise sind Teil eines Gesamtpakets zu Tarifanpassungen für das Leipziger Taxigewerbe, der ersten seit vier Jahren. Die Betriebskosten sind seither erheblich gestiegen. „Jeder Autofahrer merkt es selbst an der Tankstelle, darüber hinaus sind auch Versicherungen oder Ersatzteile massiv teurer geworden“, sagt Thomas Voigt, Geschäftsführer von 4884, und verweist darauf, dass die Zahl der Leipziger Taxis seit 2022 um 48 auf insgesamt 510 gesunken ist. „Kolleginnen und Kollegen hinter dem Lenkrad haben aufgegeben, weil die Kosten einfach davongaloppieren. Wir wollen unser Angebot an die Stadt aber aufrechterhalten, denn als Teil der Daseinsvorsorge fahren wir verlässlich 365 Tage im Jahr zu behördlich genehmigten Tarifen.“
Das jüngste Beispiel: Nachdem die LVB-Straßenbahnen aufgrund eines mangelhaften Gleisoberbaus wegen der Hitze am 27. Juni ihren Dienst für mehrere Tage komplett einstellen mussten, bis die Bitumenreste aus Gleisen, Weichen und Zügen entfernt war, ist die Zahl der Fahrten der Leipziger Taxis im Durchschnitt um 50 Prozent gestiegen. „Am Montag waren es in der Frühschicht sogar 100 Prozent mehr Fahrten. In den Tagen darauf haben sich die Menschen darauf eingestellt. Einige haben Fahrgemeinschaften gebildet, andere sind mit dem Rad unterwegs. Ingesamt haben wir dadurch über die Woche rund 50 Prozent mehr Fahrten“, berichtet Voigt.
Ingesamt will das Leipziger Taxi-Gewerbe mit den Herausforderungen Schritt halten und auch die Fahrzeugflotte modernisieren. „Eine Umstellung auf saubere Elektroautos ist nur möglich, wenn die Investitionen dafür auch erwirtschaftet werden können“, ergänzt Taxi-One- und 4884-Geschäftsführer Waldner. „Und wir sind ein Gewerbe, in dem der Gast im Auto den Lenker auf dem Fahrersitz komplett bezahlen muss. Busse und Bahnen werden mit Subventionen bedacht, das Taxigewerbe muss alles selbst erwirtschaften.“
Die Tarifanpassung als solche fällt – entgegen bisherigen Gepflogenheiten unter dem Dach des Mitteldeutschen Taxitarifs – in Leipzig moderater für die Fahrgäste aus als in Halle (Saale) und im Saalekreis, wo die neuen Tarife bereits zum 1. Juni in Kraft getreten sind. Bei gleicher Anhebung des Grundpreises von 3,90 auf 4,50 Euro steigen die Kilometerpreise in Leipzig werktags von 5 bis 20 Uhr um jeweils 20 Cent weniger, als dies in Halle und dem Saalekreis geschehen ist, und nachts und Sonntags um 10 bis 30 Cent weniger. Die Warteminute steigt gleichermaßen von 58,33 Cent auf 75 Cent. Ob die Landkreise Leipzig und Nordsachsen am Mitteldeutschen Tarif festhalten, ist noch nicht bekannt.
Weitere Details bietet die Übersicht über die Taxitarife und Deutschland und Österreich.
Über eine etwaige Wiedereinführung des Mindestbeförderungsentgelts für Mietwagen (MBE) wurde im Leipziger Stadtrat im Zuge der Abstimmung des neuen Taxitarifs nicht erneut gesprochen. Zwar hatte die SPD-Fraktion im Sommer 2025 einen Antrag zur zeitnahen Wiedereinführung einer rechtssicheren Allgemeinverfügung zum MBE gestellt, doch hatte Ordnungsdezernent Heiko Rosenthal (Die Linke) den Erlass einer neuen Allgemeinverfügung mit der nichtssagenden Begründung abgelehnt, dies sei „zeitnah nicht möglich“ – mit dem Verweis, man prüfe weiter, „um die Instrumente des PBefG […] rechtlich sicher nutzen zu können“ – eine hinhaltende Ausrede, wie sie von Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) bekannt ist. ar
Beitragsfoto: Axel Rühle







