Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der Mietwagen im Landkreis Teltow-Fläming mehr als verfünffacht, doch die Fahrzeuge sind nahezu ausnahmslos im nahen Berlin unterwegs. Der Druck auf die Aufsichtsbehörde wächst und die Landrätin hat nun Fehler eingeräumt.
240 Mietwagen waren Ende 2023 genehmigt, im Jahr 2025 waren es dann schon 1.357 Fahrzeuge. Dieser bemerkenswerte Anstieg wird von der SPD-Politikerin Ines Seiler als beispiellos eingeschätzt. „Teltow-Fläming ist damit der Landkreis mit dem größten Zuwachs im Mietwagengewerbe in ganz Brandenburg“, teilte Frau Seiler in einer Pressemeldung mit.
Dem Mitglied der brandenburgischen SPD-Fraktion ist bewusst, dass diese Entwicklung auch überregional für Schlagzeilen sorgt. „Schließlich wird den Mietwagenanbietern vorgeworfen, mit teils unlauteren Geschäftspraktiken das Taxigewerbe in Bedrängnis zu bringen und einen unfairen Wettbewerb zu schaffen. Auch wenn viele der Unternehmen ihre Dienste weiterhin in der Hauptstadt anbieten, seien sie laut Medienberichten wegen der strengeren Regulierung und Kontrollen der Berliner Behörden ins Umland abgewandert, vor allem nach Teltow-Fläming.“
Die Brandenburgische SPD spricht hier von einem Wildwuchs, der so nicht hinnehmbar sei. „Der explosionsartige Anstieg legt die Vermutung nahe, dass der Landkreis überfordert ist und bei der Aufsicht nachlässig agiert.“

Ines Seiler hat deshalb gemeinsam mit Ihrem Fraktionskollegen Eric Stohn im April eine Anfrage an die Kreisverwaltung gestellt. Nun liegen die Antworten vor und sie scheinen die Vermutung der SPD zu bestätigen: Die zuständige Genehmigungsbehörde sei personell kaum für den Ansturm gerüstet. „In den Jahren 2023 und 2024 sei das gesamte Antragsaufkommen von einer einzigen Teilzeitkraft mit lediglich 25 Wochenstunden bearbeitet worden. Für das Jahr 2026 habe man zwei Vollzeitstellen für Genehmigung, Überwachung und Verwaltung geschaffen, von denen bisher allerdings nur eine Stelle besetzt sei“. Dies habe die Landrätin Kornelia Wehlan (Die Linke) in ihrer Antwort mitgeteilt. Die Folge dieser Personalsituation führt dann zwangsläufig auch zu Lücken bei der Kontrolldichte. Wehlan räumt ein, dass Prüfungen der Betriebsabläufe und Unterlagen nur „stichprobenartig und nach personellen Kapazitäten“ erfolgt seien. Demnach haben im gesamten Jahr 2024 lediglich vier Vor-Ort-Kontrollen in den Kommunen stattgefunden. Seit 2025 sei im Schnitt eine Kontrolle pro Monat durchgeführt worden – bei einer Flotte von inzwischen über 1.000 Fahrzeugen.
„Der Landkreis scheint die Kontrolle über das Gewerbe faktisch verloren zu haben“, ordnet Seiler ein. Und weiter: „Ein Rechtsstaat müsse sicherstellen, dass Regeln nicht nur auf dem Papier existieren, sondern dass deren Einhaltung auch aktiv überprüft werde.“

Ein Hauptproblem im Landkreis ist, dass viele Anbieter die gesetzliche Rückkehrpflicht missachten. Die Fahrzeuge warten meist in Berlin auf Kunden und kehren, anders als vorgeschrieben, nicht nach jedem Auftrag an ihren Betriebssitz im Landkreis zurück. „Damit stehen sie den Menschen in Teltow-Fläming nicht zur Verfügung und tragen in keiner Weise zum Mobilitätsangebot vor Ort bei“, kritisiert Seiler und wirft dem Landkreis vor, die Lage lange Zeit unterschätzt zu haben. Noch im Sommer 2025 habe Wehlan der Landesregierung signalisiert, dass der Mietwagen-Boom für die Verwaltung bewältigbar sei und man keine besonderen Probleme erkenne. Darauf angesprochen, argumentiert die Landrätin heute, dass die Ausmaße erst in der zweiten Jahreshälfte 2025 absehbar gewesen seien, als „ein überproportionaler Anstieg“ eingesetzt habe. „Dass sich der Landkreistag Brandenburg bereits im Juni 2025 in einem sorgenvollen Schreiben an die Landesregierung gewandt und vor einer für die Landkreise nicht zu bewältigenden Situation gewarnt hatte, lässt sie dagegen unkommentiert“, lautet der Vorwurf von Seiler an Wehlan.
Diese Fehleinschätzung der Landrätin sei nicht nachvollziehbar, zumal Teltow-Fläming selbst dem Landkreistag angehöre. „Die Kreisverwaltung hat die Dynamik des Marktes und die Sogwirkung aus Berlin offenbar viel zu spät erkannt.“ Auch Wehlan spricht „mit Blick auf die wachsenden Antragszahlen“ inzwischen von einer „großen Herausforderung“ für die Behörde, fordert aber auch einen „zunehmenden Handlungsbedarf auf Landesebene“ ein. Das Land müsse „die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen“, um die Kommunen bei der wirksamen Kontrolle des Mietwagengewerbes „nachhaltig zu unterstützen“.
Ines Seiler, die die Region auch im Landtag vertritt, wundert sich über den „plötzlichen Hilferuf“ in Richtung Potsdam. „SPD und CDU haben auf das Problem längst reagiert und mit einem umfassenden Beschluss im Landtag den Weg für eine bessere Unterstützung der Kommunen geebnet“, erklärt sie. Vorgesehen ist, landesweit einheitliche Leitlinien für die Genehmigung und Kontrolle der Branche zu entwickeln und die Landkreise durch Schwerpunktkontrollen gemeinsam mit Polizei und Zoll aktiv zu unterstützen.
Seiler deutet die neue Forderung der Landrätin vielmehr als „ein spätes Eingeständnis, dass die eigenen Kapazitäten doch nicht ausreichen und sie die Situation nicht im Griff hat.“
Kornelia Wehlan selbst führt die Attraktivität ihres Landkreises für die Mietwagenbetriebe auf die im Vergleich zu Berlin geringeren Betriebs- und Standortkosten sowie auf die Nähe zur Millionenmetropole zurück. „Das mag ein kleiner Teil der Erklärung sein“, wendet Seiler ein, „doch die Verwaltungsspitze bleibt weiterhin Antworten schuldig.“ Vor allem müsse sie sich die Frage gefallen lassen, warum der Andrang nur in Teltow-Fläming in einer solchen Größenordnung auftrete und andere, auch hauptstadtnahe Landkreise weitaus geringere Zahlen verzeichneten.
Diese Frage haben in der Vergangenheit auch schon der Berliner SPD-Politiker Tino Schopf und Vertreter des Taxigewerbes gestellt. „Ein großer Teil des nicht nur ruinösen, sondern inzwischen sogar vernichtenden Wettbewerbs für das Berliner Taxigewerbe kommt aus dem Landkreis Teltow Fläming“, beobachtet Hermann Waldner, Präsident der Berliner Gewerbevertretung Taxi Deutschland e.V.
Der Verband begrüße es deshalb sehr, dass von Seiten des Brandenburger Landtags und nun auch von der Landrätin das Landkreises Teltow-Fläming der missbräuchliche Einsatz in Berlin von massenhaft genehmigten Mietwagenkonzessionen ins Visier genommen wird.

„Wir danken ausdrücklich den Landtagspolitikerinnen Frau Ines Seiler und Frau Maxi Schmidt, die gemeinsam mit dem Berliner Abgeordneten Tino Schopf endlich die politisch Verantwortlichen zumindest zum Nachdenken über diese Problemlage gebracht haben“, sagt Waldner, der nun abermals seine Heimatstadt in die Pflicht nimmt: „Besonders schwer wiegt es in dieser Situation, dass Berlin sich immer noch schwer damit tut, die Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen nun endlich auch in Berlin einzuführen, obwohl wir von Taxi Deutschland gemeinsam mit den anderen Berliner Taxiverbänden diesen sehr dringlichen Antrag bereits vor vier Jahren während der Amtszeit der Berliner Senatorin für Verkehr Frau Schreiner gestellt hatten. Wir verstehen es nicht, dass die Behörden sowohl in Brandenburg wie auch in Berlin zuschauen, wie das Berliner Taxigewerbe existenziell untergeht.
Der Verband hofft, dass jetzt entscheidende Maßnahmen in Brandenburg und in Berlin folgen werden. Waldner macht dabei nochmal auf die Dringlichkeit aufmerksam: „Bei Durchschnittseinnahmen von 14,70 Euro bis 18 Euro ist eine legale Existenz von Taxiunternehmen in Berlin nicht mehr möglich. Der Markt für den individuellen Personennahverkehr in Berlin wurde vor Jahren noch mit 8.000 bis 9.000 Taxis- und Mietwagen durchgeführt. Heute teilen sich mehr als zwölftausend Fahrzeuge diesen Berliner Markt, obwohl es für Taxikunden immer weniger Gründe gibt, das Haus zu verlassen.“
Als Beispiele dafür nennt Waldner, dass immer mehr zu Hause gearbeitet werden kann und dass auch das Essen zu jeder Zeit durch Kuriere nach Hause gebracht wird.
Waldners Appell ist daher deutlich und eindringlich: „Die Politik muss schnell handeln, um die Existenz der Taxibetriebe zu retten, die in Zukunft für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung sorgen werden.“ jh
Beitragsfotos: Catrin Wolf + Vor-Weiss-Lachend








Ich frag mich nur eine Sache. Wie kann man so viele Fahrzeuge Taxi und Mietwagen in einem Bezirk genehmigen wenn die Nachfrage dort nicht ausreichend ist um den einen oder anderen Betrieb wirtschaftlich zu betreiben. Also das ist eindeutig Vorsatz ! Anzahl Fahrzeuge pro Kopf bzw. Bewohner in der Stadt muss beachtet werden zu dem muss heute zu Tage in der Moderne digitale Welt möglich sein Auslastung durch Zulassung von Genehmigungen zu steuern ! Aber na ja . Für mich nennt sich das Vorstatz !
“Es ist schwer nachvollziehbar, warum die Politik so lange gebraucht hat, die Ursachen zu erkennen. Die Zahlen lagen auf dem Tisch, die Beschwerden kamen seit Jahren aus dem Taxigewerbe, und trotzdem wurde kaum reagiert. Das wirkt weniger wie vorausschauendes Verwaltungshandeln als wie ein jahrelanges Wegsehen. Wer erst eingreift, wenn die Situation außer Kontrolle geraten ist, muss sich Kritik an seiner Amtsführung gefallen lassen.”
Wegen der aktuellen Fehlentwicklung im Landkreis Teltow-Fläming in der Verkehrspolitik müssen die Landrätin Kornelia Wehlan ( Die Linke ) und die zuständige Sachbearbeiterin der unteren Straßenverkehrsbehörde, Katrin Schaffert, endlich die ( politische ) Verantwortung übernehmen!!! FunkTaxi Bernau Bernd Bachmnn
Die Städte lasse weiter Mietwagen zu trotz beweisen und Aussagen von Zoll . Das ist Vorsatz !
Es gibt vielleicht eine Erklärung,warum die Anzahl der Mietwagen in TF dermaßen gestiegen ist!
In berlin wurden im vergangenen Jahr durch die Ordnungsbehörde bei einer intensiven Kontrolle der Mietwagenbetriebe sowie deren Fahrer schwerwiegende Mängel in allen Bereichen aufgedeckt,was zum Konzesionsentzug in etwa 1100-1200 Fällen führte.Die betrffenen Betriebe haben daraufhin ihren Betriebssitz weitgehend nach TF verlegt,unter Einrichtung diverser Briefkastenfirmen,bzw.Anmietung von Büroräumen.Einige andere Unternehmen haben sich auch in den umliegenden Landkreisen etabliert,wie Lübben,Lübbenau,Zossen,ja sogar Eberswalde oder BAR.
Außerdem fährt in Berlin auch eine Fahrerflotte aus Leipzig herum!
Das alles sollte mal kräftig unter die Lupe genommen werden,denn so kann das nicht weitergehen
Sie haben völlig Recht, das genau ist die Erklärung! Die Berliner Funktionäre wie auch engagierte Berliner Politiker weisen seit Monaten auf diesen Umstand hin. Auch bei Taxi Times wird genau das regelmäßig thematisiert.
Ich als Berliner Autofahrer kriege nen Hals, wenn gefühlt pro Tag immer mehr Uber und Bolt aus TF und vor allem auch EW in Berlin rum fahren!! Da fragt man sich doch allen ernstes: warum zum Teufel fahren auf einmal so derart viele, schon massig Uber und Bolt aus Brandenburg in Berlin?? Und, dann frage ich mich: Fahren aus Berlin auch soviele Uber und Bolt in Brandenburg umher?? DAS kann ich mir kaum vorstellen!
Jepp, EW und vor allem TF Uber und Bolt Autos sind in Berlin massig unterwegs!! Zudem, natürlich auch noch massig Miles!!!
Man darf gespannt sein ob und wie das Problem gelöst wird ? Einfach wird das vermutlich nicht, diese viel zu viel ausgegebenen Mietwagen Konzessionen wieder „einzusammeln“. Da werden Klagen über Klagen der Betreiber kommen und bis dann endlich was passiert das kann dauern…leider.
@’andreas‘
Im Prinzip ganz einfach:
schnell und konsequent die sowieso meist als Strohfirmen für ennosafedriver gegründeten Mietwagenbetriebe auf Einhalten der einschlägigen Regeln kontrollieren. Und sofort die nötigen Konsequenzen ziehen.
Im Prinzip nicht so schwierig. Denn die nötige unternehmerische Zuverlässigkeit ist schlicht nicht vorhanden.
Aber es scheint immer noch genügend Einfluss durch die Hasser einer regelbasierten Marktwirtschaft zu geben, die steuernde, begrenzende Regeln als Teufelszeug betrachten.
Profit über alles. Das ist deren Religion.
Auf unser aller Kosten ohne an die Konsequenzen zu denken.
Warum wird in Berlin das Mindestbevörderungsentgelt für Plattform Betreiber nicht eingeführt?
Hoffentlich nicht deswegen, dass die Senatorin nach Einführung Angst um ihre Angehörigen haben müsste?
Der Fall München ( Herr Reiter ) könnte einem zu denken geben.
Ich bin zwar nur privater Autofahrer….mir waren aber schon IMMER Uber und Bolt Autos ein Dorn im Auge! Ich habe nie begriffen, warum Uber und Bolt, gefühlt seit Corona so derart in Massen, wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind!! Klar, da nach Brandenburg sich vor Kontrollen in Berlin „geflüchtet“ und, in Brandenburg in Massen sich dort diese sogenannten Taxis „angemeldet“ haben…
Geschweige denn im übrigen auch die massig Miles Mietwagen….:-(
Gefühlt gibt es in Berlin JEDEN TAg massig neue Uber und Bolt Autos!! Ich kann das echt null nachvollziehen!