Wussten Sie, dass immer mehr Verkehrsunfälle heutzutage im Ergebnis 70:30 oder sogar 50:50 reguliert werden? Der Grund dafür ist, dass sich vielfach im Nachhinein nicht mehr klären lässt, was genau geschehen ist und ob sich der vermeintlich Vorfahrtberechtigte auch tatsächlich sachgerecht verhalten hat. Die Versicherer reagieren in solchen Fällen inzwischen relativ pragmatisch, zumal so beide Versicherten ihren Schadenfreiheitsrabatt verlieren und zukünftig mehr zahlen müssen. Das Einzige, was da helfen kann, ist ein unbestechlicher Zeuge – nämlich eine Dashcam. Und genau auf diesem Markt tut sich etwas.
Dashcams helfen vielen Fuhrparkbetreibern – also beispielsweise auch Taxiunternehmen – schon seit einigen Jahren erfolgreich bei der Unfallrekonstruktion. Nach dem Studium der Aufzeichnungen ist nicht nur klar, welcher der Unfallbeteiligten den Unfall durch einen Regelverstoß verursacht hat, allein der Hinweis darauf, dass solche Daten vorhanden sind, hilft oftmals auch schon dabei, die Beteiligten zu einer wahrheitsgemäßen Aussage zu bewegen, denn lügen bringt dann ja nichts mehr. Damit werden Unfallhergänge nicht nur klarer nachweisbar, es kann zusätzlich auch schneller reguliert werden. Und dabei zeigt sich dann oft, dass Taxifahrer gar nicht so schlecht sind wie ihr Ruf – sie nutzen nur schneller die vorhandenen Lücken.

Beim 20-jährigen Firmenjubiläum der 4U-Assekuranz Sombrutzki in Walsrode stellten dazu Ulrich Prüfer und Merle Pfaffendorf ihr Produkt „Webfleet-Video“ vor, die sie über die Firma Navcomm aus Lüneburg vermarkten. Navcomm war vormals unter dem Namen TomTom europaweit vor allem als Hersteller von Navigationsgeräten und -software bekannt. Ihre Webfleet-Lösung kommt mit vielen Features auf den Markt, die bei handelsüblichen Dashcams nicht zum Leistungsprogramm gehören. Letztendlich ist Webfleet bei zusätzlicher Nutzung der Ortung als Software zur Fuhrparksteuerung von Speditionen oder auch Busunternehmen ausbaubar und findet hier wohl seine wichtigsten Kunden. Auch für verschiedene Fuhrparkbetreiber im PKW-Segment werden viele interessante Möglichkeiten angeboten.
Augenfälligster Unterschied zu gängigen Dashcams ist dabei, dass Webfleet-Video in das umfassende Webfleet-Angebot eingebunden werden kann. Die Videoaufzeichnungen werden dabei direkt nach der Speicherung in eine Cloud hochgeladen und schützt diese Daten so vor der Vereinnahmung der Speicherkarten, beispielsweise durch missliebige Fahrzeuglenker oder auch die Polizei. Über ein Dashboard lassen sich dann die Daten für die einzelnen Fahrzeuge zeitnah auswerten.
Mit der integrierten Dashcam-Technologie ist noch mehr möglich, denn Webfleet Video kann Dashcam-Aufnahmen mit Telematik-Fahrdaten kombinieren. Damit hat das Unternehmen bei Bedarf Einblick in den gesamten Kontext von Verkehrsvorfällen. Die angebotene Fahrzeugkamera nutzt KI-Technologie, um riskante Verhaltensweisen zu erfassen und kann Fahrer sogar warnen, so dass Gefahren vermieden werden können. Bei Nutzung der Driver Terminals mit NFC-Technologie können auch RFID-Tags auf dem Führerschein ausgelesen werden, was die individuelle Identifikation zur Arbeitszeiterfassung und auch eine Führerscheinkontrolle vor Fahrtantritt ermöglicht. Durch vollständige Kontrolle über die Kamerakonfiguration lässt sich trotzdem für die Einhaltung der Datenschutzanforderungen sorgen. Eine weitere Anwendungsoption wäre übrigens auch die exakte Vorankündigung bestellter Taxis in Echtzeit, wie es Uber & Co schon lange vormachen.
Im Klartext bedeutet das, dass Unternehmen so auch das Verkehrsverhalten ihrer Fahrer auswerten können. Allein schon durch die gyroskopische Erfassung der Fahrzeugbewegung über einen hochsensiblen Beschleunigungssensor, welchen Dashcams auch zur Auslösung von Eventaufzeichnungen nutzen, lässt sich die Fahrweise schon recht aussagekräftig erfassen. Werden dann noch Verkehrszeichen und Treibstoffverbrauchsdaten mit in die Auswertung integriert, dann ergibt sich ein sehr genaues Bild der Fahrweise einzelner Nutzer. So lässt sich sowohl die Ökonomie der Fahrzeugnutzung, bezogen auf Verbrauch und Verschleiß, als auch das Unfallrisiko sehr genau bewerten, schon bevor es zu Unfällen kommt.
Wer diese Optionen nutzt, kann seine Mitarbeiter dann beispielsweise für eine besonders ökologische und ökonomische Fahrweise regelmäßig belohnen. Alternativ kann man auch ganz gezielt versuchen, Verschleiß- und Risikofahrer zu einer optimierten Fahrweise zu „coachen“. Hier steckt sowohl für Taxi- und Mietwagenunternehmen, aber beispielsweise auch für Fahrzeugvermieter von Luxusfahrzeugen ein enormes Sparpotential in dem Navcomm-Angebot. Natürlich bedarf es für eine solch umfassende Überwachung stets der Zustimmung der einzelnen Fahrer und Fahrerinnen, ohne die wäre der Einsatz definitiv rechtswidrig.
Für eine Taxifahrerseele fühlt es sich natürlich zunächst schrecklich an, sich so vollkommen gläsern durch den Verkehr bewegen zu müssen. Aber es lässt sich nicht bestreiten, dass darin ein enormes Sicherheits- und Sparpotential schlummert und auch der Marktauftritt des Unternehmens so optimal gepusht werden kann. Die dabei regelmäßig auflaufenden Kosten von ca. 20 – 30 Euro monatlich pro Fahrzeug zuzüglich der Erstinvestition in die Kameras sind zwar weit höher als die einmalige Investition in eine simple handelsübliche Dashcam, trotzdem wird es sich gerade für Betreiber größerer Flotten rechnen, allein durch die ersparten Versicherungskosten im Rahmen einer optimierten Schadenquote. Zusätzlich werden Reparaturkosten und Sprit gespart. Und wo ein Betrieb aufgrund einer ausufernden Schadenquote vielleicht schon kurz vor dem Aus steht, da könnte sich die Installation verschiedener Webfleet-Elemente sogar als gutes Argument gegenüber der Versicherung erweisen.
Als Türöffner für interessierte Taxler hat die Versicherungsagentur 4U-Assekuranz für ihre Kunden eine Behandlung als „Navcomm-Großkunde“ ausgehandelt, sofern die Anfrage über die Agentur reinkommt, auch wenn nur 2 oder 3 Fahrzeuge ausgerüstet werden sollen. „Dies ist möglich, weil die 4U-Kunden aus dem Vermietsegment zu einer entsprechenden GPS-Ausstattung verpflichtet sind und daher gern das Navcomm-Angebot nutzen. So konnten wir für unsere Taxler die gleichen Konditionen aushandeln“ berichtete Marion Sombrutzki, „und all unsere Kunden werden dort als Konvolut geführt.“
Ob man sich also in der schönen neuen Welt wohlfühlt oder sie verteufelt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wirtschaftlich aber spricht auch trotz aller Bauchschmerzen vieles dafür, auch hier die neuen Möglichkeiten der Technik zu nutzen. rw
Beitragsfoto – Stand Webfleet beim Firmenjubiläum 4U Assekuranz am 09.05.26 in Walsrode







