Taxi ist wertvoll! Als wegen einer Störung des digitalen Zugfunks am Dienstag ab 22 Uhr deutschlandweit alle Züge stehenbleiben mussten, konnte die Deutsche Bahn auf einen Partner zurückgreifen, der die Mobilität trotzdem aufrechterhielt. Vielen Reisenden wurden die letzten Kilometer zum Zielbahnhof per Taxi ermöglicht. Für die Taxibranche brachte die Nacht einen wertvollen Zusatzumsatz.
Wenn Reisende unterwegs liegenbleiben, also nicht mehr zum gebuchten Zielbahnhof oder Zielflughafen kommen, sind die Deutsche Bahn und Fluggesellschaften verpflichtet, die Kosten für ein Taxi oder eine Hotelübernachtung zu übernehmen.
Im Falle von Taxis erhalten die Bahnreisenden so genannte Bahntaxi-Gutscheine, die sie dann bei nahezu allen Taxis einlösen können. Die Deutsche Bahn ist dafür eine jahrzehntelange Partnerschaft mit dem Taxigewerbe eingegangen, die sie in einem gesetzlich festgelegten Ausschreibungsverfahren alle paar Jahre erneuert, zuletzt im Jahr 2025. Entscheidend war dabei, dass die Taxibranche die von der Bahn geforderte Digitalisierung umsetzen konnte. Gemeinsam wurde eine Vermittlungsplattform entwickelt (TaBeA), auf der sämtliche Fahrtbuchungen erfasst und hinterher digital abgerechnet werden können. Denn während man früher noch Papiergutscheine über die Bahnservice-Schalter an die gestrandeten Fahrgäste verteilte, sind die Daten heutzutage in einem QR-Code hinterlegt. Die TaBeA-Plattform hat sich bereits seit einigen Jahren bewährt und wird auch stetig erweitert.
So ist man beispielsweise seit einigen Monaten in der Lage, dass die Gutscheine auch von den Zugbegleitern erstellt und per QR-Code auf das Smartphone des Reisenden überspielt werden (Taxi Times berichtete). Dieser QR-Code wird dann wiederum vom Taxifahrer eingescannt und in das TaBeA-System eingespielt.
Diese Neuerung kam nun bei dem Komplett-Ausfall am vergangenen Dienstag zum Tragen, denn viele Züge konnten seit 22 Uhr nur noch den nächstgelegenen Bahnhof anfahren – wo dann aber trotzdem in den meisten Fällen Taxis zur Verfügung standen, die jene Gutscheine akzeptieren konnten, die zuvor von den Zugbegleitern ausgestellt worden waren. Vielen Fahrgästen blieb dadurch das Warten an den Service-Schaltern erspart oder auch eine lästige nachträgliche Einreichung der selbst ausgelegten Taxikosten.
Diese flächendeckende Verfügbarkeit, auch im ländlichen Bereich, war letztendlich für die Bahn ausschlaggebend, den Auftrag bei der letzten Ausschreibung nicht an Plattformen wie Uber und Co. zu vergeben, sondern an die Taxibranche, die nicht nur in den Städten, sondern überall für eine 24/7-Versorgung garantieren kann. Am vergangenen Dienstag sollte sich dann zeigen, dass sich die Bahn mit dem Taxigewerbe für den richtigen Partner entschieden hat.
Alleine in dieser Nacht wurden Taxifahrten mit einem Wert von 650.000 Euro abgewickelt. Für die fleißigen Taxler war das ein willkommener Zusatzverdienst. Was aber noch wichtiger ist: Für mehrere Tausend gestrandete Bahnreisende konnte dadurch trotzdem noch die sichere Fahrt zum endgültigen Zielbahnhof organisiert, durchgeführt und digital abgerechnet werden. jh
Beitragsfoto: Montage: Remmer Witte








