Die Krankenfahrten als eine der letzten Domänen der Taxi- und Mietwagenunternehmen geraten zunehmend in den Fokus digitaler Plattformen. Ein ganz neues Projekt starten dazu Freenow by Lyft gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse. Diesen beiden Akteuren geht es jetzt um die außerklinische Vermittlung von Transportdienstleistungen für Patienten.
Die Techniker Krankenkasse (TK) berichtet in einer Pressemeldung, dass sie im Hamburger Raum ein neues, digitales Verfahren für Krankenfahrten erprobt. In der jetzt gestarteten Testphase könnten Versicherte ihre vom Arzt verordnete Krankenfahrt erstmals schnell und einfach per Smartphone planen und buchen. Für die Pilotstudie kooperiert die TK mit der Mobilitätsplattform Freenow by Lyft und dem Abrechnungsdienstleister DAVASO. Ein in das Projekt integrierter Transportdienstleister wird in der Meldung nicht benannt, aber wahrscheinlich wird hier die Plattform Freenow by Lyft wohl einfach mit seinen kooperierenden Taxis gleichgesetzt.
Perspektivisch sollen nach Einschätzung der TK vor allem die Patienten profitieren, denn allein 2024 hätten bundesweit 154.000 TK-Versicherte Krankenfahrten zu Behandlungen wie Dialyse, Chemotherapie oder auch ins Krankenhaus verordnet bekommen. „Wer krank ist, soll sich auf seine Genesung konzentrieren können. Daher haben wir für Krankenfahrten ein digitales Genehmigungsverfahren und eine Online-Fahrtenbuchung auf die Beine gestellt. Damit entlasten wir unsere Versicherten von unnötigem Papierkram und Zeitaufwand“, sagt Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK.
Gemeinsam mit Freenow by Lyft teste man den neu entwickelten digitalen Ablauf, der auch die Abrechnung vereinfachen soll. Die Testregion soll mittelfristig dann auf weitere Städte ausgedehnt werden. Die technische Machbarkeitsstudie dazu sei auf sechs Monate angelegt. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Studie könne die Lösung dann bundesweit allen Marktteilnehmern zugänglich gemacht werden.
Mit diesem Pilotprojekt zeigen die Kooperationspartner, welches Potenzial in einer nahtlosen digitalen Mobilität für gesundheitliche Zwecke steckt. „Patientinnen und Patienten benötigen Prozesse, die intuitiv funktionieren“, erklärt die TK. Die Mobilitätsplattform könnte Genehmigung, Planung und Abrechnung in einem digitalen Ablauf verbinden und den Zugang zu Fahrzeugen für mobilitätseingeschränkte Menschen bei sehr kurzen Wartezeiten ermöglichen.
„Die Zusammenarbeit mit der TK ist ein wichtiger Schritt, um Barrieren abzubauen und medizinisch notwendige Mobilität verlässlicher, schneller und einfacher zugänglich zu machen. Gemeinsam zeigen wir, wie durchdachte Technologie das Leben unserer Kunden auch bei Fahrten von und zum Krankenhaus oder der Dialyse-Praxis spürbar vereinfacht”, stellt danach auch Felix Brand, Chief Strategy Officer bei Freenow by Lyft fest.
Bislang bedeutet eine Krankenfahrt viel Aufwand für Patientinnen und Patienten. Sie benötigen bei bestimmten Fahrten eine Genehmigung der Krankenkasse. Dann müssen sie Kontakt mit dem Beförderungsunternehmen aufnehmen und einen Termin vereinbaren. Dort müssen sie dann bei Fahrtantritt das Genehmigungsformular vorlegen. Das neue digitale Verfahren erspare Ressourcen auf allen Seiten, bei Versicherten, Krankenkassen und Taxiunternehmen, betonen die beiden Kooperationspartner.
Das Rennen um die Krankenfahrten ist nun also auch an einer weiteren Front eröffnet. Verschiedene Apps buhlen schon jetzt um die Krankenhäuser als Auftragsquelle. Seit kurzem hat auch das Taxigewerbe eigene Angebote. Der GVN beispielsweise hat eine App „Smart-Move“ entwickelt (Taxi Times berichtete kürzlich), in Hessen ist eine ähnliche Lösung in Arbeit.
Mit dem jetzt angekündigtem Pilotprojekt tritt erstmals auch eine Krankenkasse als Akteur auf den Markt, indem sie ihren Mitgliedern die digitale Plattform Freenow by Lyft als zentrale Anlaufstelle für deren Krankenbeförderungswünsche empfehlen.
Die Techniker Krankenkasse ist nach eigenen Angaben mit rund 12,3 Millionen Versicherten die bundesweit größte gesetzliche Krankenkasse und Freenow by Lyft mit Hauptsitz in Hamburg ist eine europäische Taxi-App mit umfassenden Mobilitätsoptionen für Nutzerinnen und Nutzer in neun europäischen Märkten und über 180 Städten. rw
Anmerkung der Redaktion: Das Taxigewerbe muss bei solchen Ankündigungen gewarnt sein und eindeutig reagieren: Entweder, indem sie sich mit in die Führungsebene solcher Projekte hieven – auch um dort sachgerechte Entlohnungen seiner Leistungen auf Führungsebene erwirken zu können – oder aber selbst im Rahmen der eigenen technischen Möglichkeiten attraktive digitale Angebote etablieren. Lässt man dagegen Akteure wie die TK ungebremst agieren, dann werden auch Krankenfahrten – egal ob in der Stadt oder auf dem Lande – zukünftig als Auftrag genauso unattraktiv werden, wie dies dank der Plattformer vielerorts schon die abend- oder nächtlichen Spontanfahrten geworden sind, wenn diese denn überhaupt noch ins Taxi gelangen. rw
Beitragsfoto: Remmer Witte






