Knapp 40 Personenbeförderungsunternehmerinnen und Unternehmer haben am Treffen einer hessischen ErfA-Gruppe „Freigestellte Schülerverkehre“ teilgenommen. Weitere Treffen sollen folgen.
Der Hessische Landesverband FPH mit seinen beiden Fachsparten Omnibus- und Pkw-Verkehr ist die gewerbepolitische Heimat zahlreicher Hessischer Bus-, Mietwagen- und Taxibetriebe, von denen sich viele auf Kranken- und Spezialfahrdienste spezialisiert haben. Ihr Hauptgeschäftsfeld liegt im Bereich der Sitzend-, Liegend- und Tragestuhlbeförderungen, aber auch in der Durchführung vieler freigestellter Schüler- und Behindertenfahrten. „Freigestellt“ deshalb, weil diese Fahrten nicht dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) unterliegen.
Solche freigestellten Fahrten sind ein wachsendes Geschäftsfeld, woraus der Bedarf entstand, dass speziell für diese Beförderungsarten vom Verband ein Arbeitsausschuss ins Leben gerufen wird. FPH-Geschäftsführer Mathias Hörning hatte deshalb eine ErfA-Gruppe ins Leben gerufen und am vergangenen Mittwoch ein Treffen in Grünberg organisiert, dem geografischen Mittelpunkt Hessens.

„ErfA“ steht für Erfahrungsaustausch und beschreibt somit das Ziel solcher Treffen. Die Verbandsmitglieder sollen zum einen über den neuesten Stand zu freigestellten Verkehren informiert werden, zum anderen sich gegenseitig austauschen können.

Für ersteres hatte Hörning den Jungunternehmer Lars Lehmann eingeladen, den Gründer des Software-Unternehmens „Stadt.Land.Netz“ aus Dresden, der seit Herbst vergangenen Jahres den Kontakt zur Taxi- und Mietwagenbranche intensiviert. Lehmann bekam einen rund zweistündigen Slot, um ausführlich seine Software vorzustellen, die er und sein Team speziell für die Disposition von Schülerverkehren entwickelt haben. In diesem Vortrag wurde deutlich, dass viel von dem, was die Fahrdienstbetriebe heute noch sehr individuell in Form von manuellen Eingaben in nicht darauf spezialisierte Software-Tools eingeben, automatisiert werden können. Die Kosten dieser Software (ab 350 Euro monatlich netto) lassen sich durch die Zeitersparnis, aber auch durch effektivere Tourenplanungen schnell kompensieren. Taxi Times wird über den Vortrag gesondert berichten.
Im Anschluss daran wurden einige organisatorische Entscheidungen getroffen. So will man sich künftig quartalsweise treffen und dann in zweigeteilten kleineren Gruppen miteinander diskutieren, dabei Synergie-Effekte entdecken oder auch durch „gemeinsames Einkaufen“ bessere Preise erzielen. Bei der Gruppeneinteilung soll zudem darauf geachtet werden, dass nicht zwei unmittelbare Wettbewerber eines Gebiets aufeinanderprallen. Am Konzept, zu den Treffen Spezialisten einzuladen, will man festhalten. Hier könnte demnächst ein Fachanwalt dabei sein, der zu Vergabevorschriften referiert oder auch Tipps gibt, wie man gegen verlorene Ausschreibungen erfolgreich Widerspruch einlegen kann.

Bei eben solchen Ausschreibungen zeichnet sich zunehmend die Tendenz ab, dass verstärkt Großbetriebe die Zuschläge erhalten, „weil die Kostenträger hauptsächlich auf Basis des Preises entscheiden“, wie Lars Lehmann aufgrund seiner Beobachtungen feststellte. Die größeren Betriebe könnten deshalb günstiger anbieten, weil sie ihre Abläufe bereits besser automatisiert hätten als kleinere Unternehmen. Lehmann machte den Teilnehmern Mut, bei den Ausschreibungen nicht zu zögerlich zu sein.
Allerdings sollte man das, was man angeboten hat, dann auch im Falle einer gewonnenen Ausschreibung erfüllen können – unter Einhaltung von Recht und Gesetz. In diesem Zusammenhang wurde unter den Teilnehmern lange über ein sehr großes Unternehmen diskutiert, das derzeit in Hessen viele Betriebe telefonisch zu einem Verkauf drängt – was unter den Teilnehmenden als Belästigung empfunden wird, schließlich gibt es für sie als erfolgreiche Unternehmen keinen Anlass für einen Verkauf. Andere Teilnehmer berichteten von Fällen, in denen eben jene Firma die gewonnen Fahrtaufträge nicht bedienen konnte, was zu langen Wartezeiten der betroffenen Fahrgäste geführt hätte. Angeblich sollen auch Arbeitszeitgesetze unterlaufen werden, indem beispielsweise die Fahrer nur für die besetzten Fahrten entlohnt werden.

Bei all diesen Geschichten und Mutmaßungen wurde aber auch klar, dass vieles vom „Hörensagen“ stammt, aber niemand handfeste Beweise hatte bzw. sagen konnte, was tatsächlich die Absicht des Unternehmens ist. Folglich stimmte man nahezu einstimmig einem Vorschlag von Mathias Hörning zu, den Firmen-Geschäftsführer als Gastredner zur nächsten Jahresmitgliederversammlung am 28. März nach Baunatal einzuladen. Getreu dem Motto: Besser, man spricht mit jemanden als über jemanden.
Zum Abschluss des ErfA-Treffens gab dann noch Lars Käckel, Vorstand der Fachsparte Omnibus, eine kurze Einschätzung zum Anforderungskatalog für Kraftfahrzeuge, die zur Beförderung von Schülern und Kindergartenkindern besonders eingesetzt werden. Dort sollen nun auch komplett die Fahrzeuge der Klasse M1 aufgenommen worden. Das sind laut Definition Fahrzeuge mit höchstens acht Sitzplätzen zusätzlich zum Fahrersitz und ohne Stehplätze. Bisher fielen bei der Klasse M1 nur Fahrzeuge ab sechs bis acht Sitzplätzen unter diese Verordnung. Somit betrifft die geplante Neuerung größtenteils Taxi- und Mietwagenbetriebe. „Aus dem neuen Anforderungskatalog liest man heraus, dass vor allem die Belange der Kindergartenkinder gestärkt werden sollen, weshalb man den Kindergartenträgern jetzt die Rechte einräumen will, dass sie bestimmte Unterlagen zu den Fahrzeugen der von ihnen beauftragten Unternehmen einsehen können (z.B. TÜV-Berichte etc.)“, berichtet Lars Käckel.

In diesem Zusammenhang wiesen auch einige Teilnehmer darauf hin, dass bei Ausschreibungen unter Bezug auf eine „Green-Vehicle“-Vorgabe der EU zunehmend der Einsatz von elektrisch betriebenen Fahrzeugen verlangt wird. Doch bevor daraus eine Diskussion über die Praktikabilität von elektrischen Mietwagen und Bussen beginnen konnte, wurde das Treffen beendet – schließlich wartete bereits ein gemeinsames Mittagessen, bei dem man sich – diesmal im Face-to-Face-Gespräch – austauschen konnte. jh
Beitragsfoto: KI-generiert








…………grad vorgestern hat ein Nichttaxler Schulkinder in den Graben gefahren.