Mit teils provokativen Aussagen in einem Zeitungsinterview hatte der Gründer des Fahrdienstes Bolt für heftige Empörung in der Taxi- und Mietwagenbranche gesorgt. Der TMV hat Villigs Aussagen jetzt sachlich widerlegt. Auch die Kommentare der Taxi-Times-Leser beweisen mehr Realitätssinn, als ihn Villig an den Tag legt.

Taxi Times hatte Markus Villigs sinngemäße Aussage „Taxi-Sterben ist doch gut für die Gesellschaft“ in die Überschrift der Online-Meldung vom 19. Februar aufgenommen. In einem Interview mit einem Redakteur des „Wirtschaftskompetenzcenters von Welt und Business Insider Deutschland“, veröffentlicht auf dem deutschen Nachrichtenportal „Welt“, hatte Villig in Bezug auf Europa unter anderem von einer „veralteten Regulierung“, „miserablen Kapitalmärkten“ und einer „rückwärtsgewandten Wettbewerbsblockierung“ gesprochen.
Der Taxi- und Mietwagenverband Deutschland e. V. (TMV) hat sich jetzt in einer Presseerklärung zu einzelnen Aussagen des Bolt-Geschäftsführers geäußert. Diese „verkennen die schwerwiegenden sozialen und rechtlichen Konsequenzen seines Geschäftsmodells“. Der TMV stellt dazu fest:
- Erosion von Sozialstandards: Während Villig behauptet, sein Modell schaffe „produktive Arbeit“, belegen Ermittlungen des Zolls das Gegenteil: Fahrer arbeiten teils bis zu 250 Stunden im Monat für Pauschallöhne zwischen 500 und 1.500 Euro. Dies ist keine Innovation, sondern eine „organisierte Form der Schwarzarbeit“.
- Schädigung der Solidargemeinschaft: Es besteht in vielen Fällen der dringende Verdacht auf systematischen Sozialleistungsbetrug, bei dem Fahrer Vollzeit arbeiten, aber zusätzlich Leistungen vom Jobcenter beziehen. Dieses System entzieht den Sozialkassen und dem Staat wichtige Mittel und untergräbt die soziale Marktwirtschaft.
- Daseinsvorsorge statt Gewinnmaximierung: Die Regelungen des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) wie Mindestentgelte gemäß § 51a dienen dem Schutz übergeordneter Gemeinwohlinteressen und der Sicherung der Daseinsvorsorge. Sie sollen ein „Level-Playing-Field“ schaffen und eine „Kannibalisierung“ des Verkehrsmarktes durch Dumpingpreise verhindern.
- Gefährdung der öffentlichen Sicherheit: Die Missachtung von Genehmigungspflichten (§ 2 PBefG) ist kein Kavaliersdelikt. In Berlin operierte zuletzt rund ein Drittel der Mietwagen illegal, also ohne Konzession oder mit gefälschten Papieren. Für Fahrgäste bedeutet dies ein massives Risiko, da bei illegalen Fahrzeugen oft kein ausreichender Versicherungsschutz besteht.
- Umgehung der Rechtsstaatlichkeit: Dokumentierte Berichte über „Exit-Strategien“, bei denen Bolt Firmen vorab über Datenprüfungen informierte, legen nahe, dass Kontrollen bewusst unterlaufen werden. Plattformen, die trotz behördlicher Verbote Fahrten an gesperrte Firmen vermitteln, agieren laut Kritikern kriminell.

TMV-Präsident Thomas Kroker fasst als Fazit zusammen: „Echte unternehmerische Freiheit endet dort, wo die soziale Verantwortung gegenüber Fahrern und der Gesellschaft mit Füßen getreten wird. Wir fordern ein Ende der „raubritterhaften Gier“ und eine konsequente Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit, um faire Arbeitsbedingungen und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten“.
Die Taxi-Times-Meldung verzeichnet zahlreiche Leserkommentare, aus denen zum großen Teil Empörung und Verständnislosigkeit spricht: „Das ist kein Fortschritt – das ist genau der Rückschritt, den er im Munde führt und glaubt, dass andere diesen täten.“ Oder: „Er sollte doch gleich sagen, dass er die Sklaverei wieder einführen will. Das hätte wenigstens einen Hauch von Ehrlichkeit.“
Es kommen aber auch Aussagen in eine andere Richtung: „Ich finde auch nicht gut, was der Bengel vom Stapel lässt, aber er wird mit seinen Prognosen Recht behalten. […] Moralisch fragwürdig, aber Moral macht die Familie nicht satt.“ Oder: „Menschen haben das Recht auf ihre persönliche Naivität! Aber der Rechtsstaat hat kein Recht, sich selbst aufzugeben.“
Hat er das tatsächlich nicht? Ist er nicht in Berlin, München, Stuttgart, Köln, Essen und anderen Städten längst dabei, dieses ungeschriebene Recht auszuüben, oder ist er gegen Menschen mit der Einstellung und der Marktmacht eines Markus Villig gewappnet? ar
Beitragsbild: So viel zum Thema „Alles dreht es sich bei Ihm nur um Geld“; KI-generiert





