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Start Berlin

Trotz Beobachtungszeitraum: Zahl der Taxis in Berlin wächst

von Axel Rühle
24. April 2026
Lesedauer ca. 3 Minuten.
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Trotz Beobachtungszeitraum: Zahl der Taxis in Berlin wächst
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Obwohl der vor über fünf Wochen in Kraft getretene Beobachtungszeitraum einen Konzessionsstopp bedeutet, ist die Zahl der Taxikonzessionen in Berlin zunächst im bisherigen Tempo weiter gewachsen. Woran liegt das?

Der Berliner Senat setzte am 16. Februar von jetzt auf gleich einen Beobachtungszeitraum für das Taxigewerbe in Kraft, um die Funktionsfähigkeit des Taxigewerbes zu sichern. „Neuantragsteller können sich für diesen Zeitraum auf eine Warteliste setzen lassen“, hatten wir am Tag des Inkrafttretens berichtet. Die Berliner Taxiverbände wie auch der SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf hatten die Maßnahme bereits seit Juni letzten Jahres gefordert.

Schnell kam die Frage auf, ob der Konzessionsstopp auch für bereits gestellte Anträge gilt, denn zum damaligen Zeitpunkt lagen der Genehmigungsbehörde, dem Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO), rund 2.500 Konzessionsanträge vor – für eine Branche, in der seit Langem bei legaler Geschäftsführung kaum noch Gewinne erzielt werden können.

Taxi Times fragte deshalb am 25.2. bei der als Fachaufsicht zuständigen Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) nach, ob vom Konzessionsstopp auch Anträge betroffen sind, die vor dem 16. Februar gestellt wurden. Antwort: „Ja. Anträge auf Ersterteilung sowie auf Erweiterung einer Genehmigung sind betroffen.“

Das widerspricht auf den ersten Blick der aktuellen Statistik, denn seit Ende März die aktuellen Zahlen veröffentlicht wurden, ist klar, dass die Zahl der Konzessionen im März weiter gewachsen ist – fast so stark wie im Februar und sogar wesentlich stärker als im Januar, Dezember und November.

MonatsendeZahl der Taxi-KonzessionenVeränderung zum Vormonat
März 20255.680
April 20255.763+ 83
Mai 20255.728– 35
Juni 20255.864+ 136
Juli 20255.962+ 98
August 20256.093+ 131
September 20256.209+ 116
Oktober 20256.456+ 247
November 20256.486+ 30
Dezember 20256.552+ 66
Januar 20266.609+ 57
Februar 20266.779+ 170
März 20266.941+ 162

Taxi Times fragte am 20. April abermals beim LABO nach, wie der erneute Anstieg zu erklären sei. Antwort vom 22. April: „Aus der Statistik geht hervor, dass ausschließlich die Anzahl der Fahrzeuge angestiegen ist (162 mehr als im Februar), nicht jedoch die der Unternehmen. Die im März nochmals angestiegene Zahl der Taxi-Fahrzeuge resultiert aus Genehmigungen, die vor Eintritt des Beobachtungszeitraumes (BZR) erteilt wurden. Bei Taxen haben die Unternehmen 6 Monate Zeit, die Fahrzeuge entsprechend der genehmigten Anzahl konzessionieren zu lassen. Diese Frist nach § 21 Abs. 2 Personenbeförderungsgesetz (Betriebspflicht) kann auf Antrag auch verlängert werden, wenn der Unternehmer oder die Unternehmerin nachweist, dass z. B. ein Fahrzeug bestellt ist, aber erst später geliefert werden kann. Insofern kann sich auch in den nächsten Monaten noch eine weitere Erhöhung der Taxi-Fahrzeuganzahl ergeben.“

Es bleibt also dabei, dass noch nicht bearbeitete Konzessionsanträge vom LABO dieses Jahr bis Mitte Februar 2027 liegen bleiben, solange die Überprüfung im Rahmen des Beobachtungszeitraums nichts anderes ergibt. Diesbezüglich hatte Taxi Times in seiner ersten Anfrage am 25.2. auch gefragt, in welchen Zeitabständen und auf welche Weise das LOBO prüft, ob das objektive Hindernis für die Genehmigungserteilung noch gegeben ist.

Antwort: „Während des einjährigen Beobachtungszeitraums wird überprüft, ob die Voraussetzungen für das objektive Hindernis weiterhin bestehen oder entfallen sind und somit eine Marktstabilisierung eingetreten ist. Diese Bewertung erfolgt unter Einbeziehung des Sachverständigenbüros, das die entsprechenden Erhebungen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Gewerbes fachlich begleiten und auswerten wird. Vor Auslaufen des Beobachtungszeitraums wird auf Grundlage der dann vorliegenden Daten eine aktualisierte Gefährdungsprognose erstellt. Auf dieser Basis ist dann zu entscheiden, ob und in welchem Umfang eine Kontingentierung der Anzahl der in Berlin zugelassenen Taxis erforderlich ist, um die Funktionsfähigkeit des Taxigewerbes zu gewährleisten.“ ar

Beitragsfoto: Axel Rühle

Tags: BeobachtungszeitraumKonzessionsstoppLABO
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Axel Rühle

Der Berlin-Insider ist Funkkurs-Dozent und ursprünglich Stadtplaner. Seit 1992 ist er im Besitz eines Personenbeförderungsscheins und immer wieder auch im Taxi anzutreffen. Inhaltlich betreut er in Wort und Bild alle Themen rund um die Taxi Times Berlin.

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Kommentare 2

  1. A.Müller says:
    2 Monaten her

    Das Taxi Gewerbe ist verloren, so viel Unvernunft seitens der Politik.
    Hier eine kleine Beispielrechnung, wie viel Umsatz man machen muss, um zu überleben:

    Beispiel: Was muss eine Schicht mindestens einbringen?

    Nehmen wir einen typischen Berliner Taxi-Tag (vereinfacht):

    Fixe & variable Kosten pro Schicht (grob)

    * Sprit / Strom: 20–30 €
    * Fahrzeugkosten (Leasing, Abschreibung, Versicherung anteilig): 40–60 €
    * Wartung / Rücklagen: 10–20 €
    * Provision (z. B. Uber / FreeNow ~15%): variabel
    * Sonstiges (Waschen, Standzeit etc.): 5–10 €

    👉 Gesamtkosten pro Schicht: ca. 80–120 €

    ⸻

    📊 Break-even Punkt (Null Gewinn)

    Du musst erstmal nur deine Kosten reinholen:

    👉 ca. 100 € Umsatz = du hast 0 € verdient

    ⸻

    😬 Beispiel: 50 € Umsatz

    * Einnahmen: 50 €
    * Kosten: ~100 €

    👉 = –50 € Verlust pro Schicht

    Das heißt:
    ➡️ Du zahlst drauf
    ➡️ Arbeitest praktisch „umsonst + Verlust“

    ⸻

    🟢 Was wäre „okay“?

    * 150 € Umsatz → kleiner Gewinn (sehr mager)
    * 180–200 € Umsatz → halbwegs sinnvoll
    * 250 €+ Umsatz → erst dann wird’s interessant

    ⸻

    ⚠️ Jetzt wird’s kritisch für Neueinsteiger

    Wenn jemand neu startet:

    * hat Fahrzeugrate
    * hat keine Stammkunden
    * hat oft Provisionen
    * kennt den Markt noch nicht gut

    👉 Der braucht eher 200 €+ pro Schicht, um klarzukommen

    ⸻

    🧠 Realität gerade (das, was du beschreibst)

    * 1–2 Fahrgäste
    * lange Wartezeiten
    * 50–100 € Umsatz

    👉 Das ist weit unter Break-even

    ⸻

    🧩 Fazit (ganz direkt)

    👉 Unter 100 € Umsatz = sicher Verlust
    👉 100–150 € = kaum lohnend
    👉 Erst ab ~180–200 € =

    👉 Ehrlich:
    Bei solchen Umsätzen geht das nicht.
    → Entweder:

    * sie machen Schulden
    * leben von Rücklagen
    * oder geben irgendwann auf

    Antworten
  2. d´Artagnan says:
    2 Monaten her

    Interessante Rechnung… da hast du aber noch nicht den angestellten Fahrer eingerechnet, der ja auf seinen Mindestlohn bestehen kann. Da muss ich also als Arbeitgeber zu Hause die Schatulle öffnen, um ihn bei den momentanen Umsätzen auch bezahlen zu können. Da bin ich aber froh, selbstständig und alleinfahrend zu sein. Da interessiert es doch keine Sau, ob ich einen Stundenlohn ähnlich wie in Bangladesch erwirtschafte. Also um Geld zu verdienen muss man sich definitiv in einem anderen Gewerbe bewegen. Ich für meinen Teil bin wohl doch eher der Nostalgiker und mache den Job, weil ich gerne unter Menschen bin und ebenso gerne kommuniziere.

    Antworten

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