Taxi und Mietwagen werden zum integralen Baustein der durchgängigen Fahrgastinformation: Per Schnittstelle will der Verband On-Demand-Taxis genau wie Bus und Bahn in das DELFI-System bringen.
Nicht nur die meisten Stadtbewohner kennen die elektronischen Anzeigen an Haltestellen, auf denen man erfährt, wann der nächste Bus oder die nächste Bahn voraussichtlich kommt (falls keine Verzögerungen im Betriebsablauf zuschlagen, die den Aushangfahrplan obsolet machen). Das System heißt „Durchgängige elektronische Fahrgastinformation“ und ist unter der Abkürzung DELFI bekannt. DELFI ist ein eingetragener Verein.
Am 28. und 29. April fand in Berlin die 5. DELFI-Konferenz statt. Der Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen e. V. (VSPV) vertrat dort das Taxi- und Mietwagengewerbe „gegenüber der versammelten Spitze der digitalen Fahrgastinformation in Deutschland und Europa“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.
VSPV-Geschäftsführer Sascha Waltemate und der Leiter des VSPV-Hauptstadtbüros Patrick Meinhardt nutzten die Veranstaltung unter dem Motto „Fahrgastinformation – Miteinander Grenzen überwinden” konsequent zur Vernetzung mit den 200 Vertretern der Verkehrsverbünde, den Landesdatenkoordinatoren, Auskunftssystem-Anbietern und der DELFI-Geschäftsstelle. Unter anderem kam man mit Johannes Wieczorek ins Gespräch, Leiter der Grundsatzabteilung des Bundesverkehrsministeriums.
Im Zentrum stand der Programmpunkt „Technologischer Vorreiter Datenaustausch” des DELFI- Vorstandsvorsitzenden und Stabsstellenleiters Informations- und Kommunikationstechnologie beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Sefa Taşdemir.

Taşdemir verwies ausdrücklich auf die Partnerschaft mit dem VSPV: „Einer unserer Partner ist der Mobilitätsverband VSPV – das ist die Taxiwelt. Wenn ich aus dem Bahnhof rauskomme, stehen da immer schon viele On-Demand-Fahrzeuge. Die müssen wir nur einbinden – dann brauchen wir keine eigenen Fahrzeuge, die wir ohnehin nicht auslasten würden.”
Diese Aussage trifft den Kern dessen, woran der VSPV seit der PBefG-Novelle 2021 arbeitet: Das bestehende, dichteste On-Demand-Netz des Landes – Taxi und Mietwagen – wird über den NeTEx- basierten VSPV-Standard 101 sicht- und buchbar in den Auskunfts- und Vertriebssystemen des übrigen ÖPNV. Als assoziierter Partner im mFund-Projekt ODIN-MP liefert der VSPV die fachliche und technische Klammer für den Gelegenheitsverkehr.
Für Meinhardt gilt: „Diese DELFI-Konferenz ist genau das Parkett, auf dem die Mobilität der nächsten zehn Jahre verhandelt wird – und es ist gut, dass das Taxi dort jetzt nicht mehr im Vorraum steht, sondern in Form des VSPV am Tisch sitzt. Wer in Berlin etwas durchsetzen will, muss in politischen, wirtschaftlichen und eben solchen fachlichen Netzwerken belastbar verankert sein – und genau das bauen wir vom Hauptstadtbüro aus systematisch auf.”
Waltemate wiederholt ein Argument, das nicht neu, aber unverändert aktuell ist: „Sefa Taşdemir bringt es nüchtern auf den Punkt: Wer Steuermittel für eigene On-Demand-Flotten ausgibt, statt das vorhandene Gewerbe einzubinden, finanziert Leerfahrten. Mit dem VSPV-Standard 101 liefern wir die fertige Antwort – herstellerneutral, NeTEx-konform, anschlussfähig an ODIN-MP.“

Der Verein DELFI bezeichnet sich auf seiner Internetseite als Kooperationsnetzwerk aller Bundesländer und weiterer Partner „und schafft die technischen Voraussetzungen zur Beauskunftung länderübergreifender Reiseketten. Der DELFI e. V. agiert als organisatorische Schaltstelle zwischen den Interessen der Kooperationspartner und treibt technologische und fachliche Innovationen voran. DELFI, die Durchgängige ELektronische FahrgastInformation, setzt sowohl den technologischen als auch den organisatorischen Rahmen für eine einheitliche Routenberechnung im öffentlichen Personenverkehr. Mit dem deutschlandweiten DELFI-Timetable (DELFI-Datensatz) wird die Grundlage für zukunftsfähige Informationsdienste von Morgen geschaffen – zuverlässig, transparent, hochaktuell.“ Laut „Wikipedia“ ist DELFI „das Ergebnis der Zusammenarbeit von sechzehn Bundesländern, der Deutschen Bahn AG und fünf Systemhäusern“. ar
Beitragsbild: Sehen so die Fahrzielanzeiger der Zukunft aus? Zwar ist das Hauptthema die Integration des Taxis in das Informationssystem und damit in zahlreiche ÖPNV-Apps, wo das Taxi künftig als gleichberechtigte Verbindungsalternative neben Beförderungsketten des Linienverklehrs angezeigt werden soll, doch für die Kunden sichtbar werden könnte es auf diesen Informations-Displays (KI-generiert).









Was genau ist diese erfreuliche Nachricht?
Dass an der konkreten Vernetzung in der Praxis gearbeitet wird!
Mir als Abkömmling der analogen Taxiwelt sind die technischen Fachbegriffe leider sehr fremd. Doch genau die Integration dieser fachlichen technischen Kenntnisse und Systematik in die Vermittlungsstrukturen sind für eine sinnvolle Zukunft des System Taxi überlebenswichtig.
Dabei gab und gibt es auf lokaler und regionaler Ebene durchaus funktionierende Verknüpfungen zu Öffis. Doch wer zB die bekannteste Navigationsapp öffnet und Taxi anklickt, bekommt in der Regel als erstes angeboten, was nicht wirklich vom Taxi kommt.
Es geht also wie schon lange um wirksamen Auftritt in der Öffentlichkeit, bei den Kunden.
Es muß so einfach sein uns zu erreichen wie unsere Hauptkonkurrenten es vormachen. Bald. Am besten gestern.
Auf jeden Fall im Verbund mit den Öffis.
Das wird Investitionen erfordern. Werbung und betriebliche Anpassungen kosten erstmal. Auch wenn es schwer fällt. Es gibt nun mal finanzstarke Player wie UberBolt&Co, von denen wir uns nicht ausbeuten lassen wollen.