Landauf – landab mahnen die Vertreter des Taxigewerbes, dass die Mehrkosten durch den aktuellen Zapfsäulenwucher eine enorme Belastung darstellen. Warum es für die Berliner Taxibetriebe noch eine Spur existenzgefährdender ist, erläutert der Chef von Taxi Berlin, Hermann Waldner, im Berliner „Tagesspiegel“.
Im Tagesspiegel wird die angespannte Lage des Berliner Taxigewerbes eindrücklich geschildert. Dabei kommt Hermann Waldner als Branchenexperte zu Wort, der die Ursachen der aktuellen Krise klar benennt. Nach seiner Einschätzung setzen die stark gestiegenen Spritpreise die Unternehmen nun noch massiver unter Druck und bringen viele Betriebe an den Rand der Existenz.
Dieser Umstand trifft ein Berliner Taxigewerbe, dessen Einnahmen im Alltag häufig nicht mehr ausreichen, um die laufenden Kosten sowie angemessene Löhne zu decken. Waldner analysiert die vielfältigen Ursachen, beispielsweise ein spürbarer Nachfragerückgang infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit und der gesunkenen Kaufkraft vieler Menschen. „Die Menschen sparen, wo es nötig ist. Dazu gehören leider oft Taxifahrten“, sagte Waldner dem Tagespiegel.
Ein Berliner Taxi setze im Schnitt rund zwanzig Euro pro Stunde um. Das sei zu wenig, um davon Fixkosten, Sozialabgaben und Steuern zu begleichen. „Überleben können unter diesen Bedingungen derzeit vor allem Alleinfahrer, die sich selbst keinen Mindestlohn zahlen müssen. Mehrwagenbetriebe, die dazu verpflichtet sind, haben es hingegen zunehmend schwer“ beobachtet Waldner.
Verschärft werde die Situation zudem durch den zunehmenden Wettbewerb mit Plattformanbietern wie Uber und Bolt, die unter anderen Rahmenbedingungen agieren. Während Taxis an feste Tarife gebunden sind, können diese Anbieter ihre Preise flexibler gestalten und so Wettbewerbsvorteile nutzen. Waldner verweist an dieser Stelle darauf, dass mittlerweile auch die Berliner Taxizentrale Festpreise anbieten könne, die man sogar im Voraus und bargeldlos bezahlen kann.
Insgesamt zeichnet Waldner das Bild einer Branche, die durch das Zusammenspiel aus Kostensteigerungen, strukturellem Wandel und regulatorischen Nachteilen zunehmend unter Druck gerät. Der aktuelle Dieselpreist ist da eventuell der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: „Die hohen Spritpreise sind ein Riesenproblem für das Taxigewerbe. Es wird bald zu noch mehr Pleiten von Taxiunternehmen in Berlin kommen“, wird Waldner im Tagesspiegel zitiert. Der Berliner Taxichef hofft daher, dass „der Staat es wie in anderen EU-Staaten macht und eine gewisse Zeit auf Steuereinnahmen verzichtet.“ jh
Hinweis der Redaktion: Der Beitrag war zu Beginn der Woche erschienen, bevor die Bundesregierung eine Senkung der CO2-Steuer verkündet hatte.
Beitragsfoto: Taxi Times








Die erwähnten 20 Euro Stundenumsatz könnten ja schon mal ein kleines bisschen über die Zeit helfen, wenn sie denn zustande kämen… (Laut der Taxiwin-Statistik sind 20€/h in den letzten 4 Wochen genau 1 mal erreicht worden – an den anderen Tagen bewegten sich die durchschnittlichen Stundenumsätze meistens zwischen 11 und 15 €).
Nicht erwähnt wurde ein weiterer Baustein in der Wand gegen die wir fahren (gefahren wurden…): die trotz Beobachtungszeitraum/Konzessionsstop noch immer steigende Taxizahl – wir sind jetzt bei 6941! (Ende Januar 6609, Ende Februar 6779). Und ich will gar nicht wissen was in der April-Tabelle vom Labo stehen wird.
Bei aktuell 12,00 Euro Umsatz ist für mich die Schmerzgrenze erreicht, das Taxi bleibt stehen. Ich müsste allein 80 Stunden im Monat im Taxi sitzen (von „Arbeiten“ spreche ich schon gar nicht bei Standzeiten von zwei Stunden), um überhaupt die Kosten für den Betrieb einzufahren. Die Politik hat komplett versagt und das Taxigewerbe gegen die Wand fahren lassen.
Ich hatte schon in vorangegangenen Kommentaren darauf hingewiesen, daß Herr Waldner selbst mehr für das Gewerbe tun könnte, wenn er seinen angeschlossenen Taxen die Werbung für die unfähre Konkurrenz untersagen würde.
Leider haben auch persönliche Anschreiben nicht mal zu einem „ihr Schreiben ist eingegangen und wir melden uns“ geführt. Man wird einfach ignoriert.
Elektromobilität geht ja in Berlin auch nicht. Ladesäulen sind, auch wenn sich ein bißchen getan hat, immernoch Mangelware für über 6000 Taxen. Welcher Mehrwagenunternehmer kann sich E Taxis in vernünftiger Qualität und die dazugehörige Infrastruktur leisten? Mit dem Wissen vieler Taxifahrer -innen könnte gerade in Berlin viel mehr für das Gewerbe getan werden. Die einfachste und ohne zusätzliche Kosten funktionierende Maßnahme wäre, einen Zuschlag pro Tour zu genehmigen. Ich bin der Meinung, wer ein Taxi bestellt, würde es verstehen.
Das wichtigste wäre aber, endlich ein Mindestbeförderungsentgeld für Plattformfahrzeuge einführen.