Seit der Abschaffung der Taxi-Höchsttarife in Zürich sorgen einzelne Anbieter mit extrem hohen Fahrpreisen für Empörung. Nun wächst der politische Druck, wieder verbindliche Preisobergrenzen einzuführen. Auch das Taxigewerbe schlägt Alarm.
Seit Januar 2024 fahren die Züricher Taxis nicht mehr nach einem festen Taxitarif. Die Fahrpreise können von den Taxibetrieben eigenständig festgelegt werden, was in der Folge zu besonders krassen Fahrpreisen führt. (Taxi Times berichtete)
Das Thema wurde kürzlich erneut von den Medien aufgegriffen, weil SVP-Kantonsrat Ueli Bamert in einem Instagram-Post von einem teuren Erlebnis berichtete. Gemeinsam mit seiner Frau stieg er am Züricher Hauptbahnhof in ein Taxi. Doch schon nach rund 1,5 Kilometern zeigte der Taxameter 70 Schweizer Franken an. Bamert brach die Fahrt ab, bezahlte und wechselte ins Tram.
Wie das Schweizer Nachrichtenportal Tages-Anzeiger berichtet, erwägt der Politiker nun einen parlamentarischen Vorstoß zur Wiedereinführung gesetzlicher Taxi-Höchsttarife. Unterstützung erhält er ausgerechnet von einer Branche, die zunehmend unter dem Verhalten einzelner Anbieter leidet.
Seit dem 1. Januar 2024 gelten in Zürich keine verbindlichen Taxi-Höchstpreise mehr. Das neue kantonale Taxi- und Limousinengesetz erlaubt den Unternehmen, ihre Tarife selbst festzulegen.
Die Folgen bekommen insbesondere traditionelle Taxifahrer zu spüren. Am Hauptbahnhof berichten erfahrene Chauffeure von dramatisch verschlechterten Geschäftsbedingungen.
„Wir warten oft fünf Stunden auf einen einzigen Kunden“, schildert Taxifahrer Sami Badawi, der seit mehr als 30 Jahren in Zürich arbeitet, dem Tages-Anzeiger. Sein Kollege Ali Ibrahim, seit zehn Jahren im Gewerbe, bestätigt die schwierige Situation.
„Das hat das Geschäft völlig kaputt gemacht“, kritisiert Badawi die Abschaffung der Preisobergrenzen. Besonders problematisch sei der Vertrauensverlust bei den Fahrgästen. „Wer so eine Erfahrung macht, steigt nicht mehr in ein Taxi.“
Tatsächlich wird laut dem vorliegenden Bericht von manchen Taxis bei Strecken bis zu vier Kilometern ein Grundpreis von 20 Franken verlangt. Hinzu kommen weitere 20 Franken pro Kilometer und 5 Franken pro Minute. Sind vier Fahrgäste an Bord, werden weitere 10 Franken fällig. Pro Koffer verlangen die Wucher-Taxis weitere 20 Franken, und für eine Kartenzahlung werden zusätzlich 5 Franken berechnet. Vor der Gesetzesänderung waren beispielsweise maximal acht Franken Grundpreis und fünf Franken pro Kilometer erlaubt.
Auch Rudolf Raemy, Präsident der Taxisektion Zürich, kritisiert die Zustände scharf. „Wir werden wöchentlich von Klagen geprellter Kundschaft überhäuft“, erklärt er gegenüber blue News. Raemy fordert eine Preisobergrenze von sieben Franken Grundtaxe, 4,40 Franken pro Kilometer und 1,20 Franken pro Minute. Eine Fahrt von 1,5 Kilometern würde damit nach Verbandsangaben etwa 20 statt 70 Franken kosten.
Die Züricher Kantonsregierung hält dennoch am freien Preiswettbewerb fest. Sie argumentiert, dass Fahrgäste Tarife vergleichen könnten und verbindliche Höchstpreise möglicherweise selbst zum allgemeinen Preisniveau würden.
Für die Taxiverbände ist diese Haltung realitätsfern. Sie befürchten, dass überhöhte Preise nicht nur einzelne Fahrgäste abschrecken, sondern langfristig das Image des gesamten Züricher Taxigewerbes beschädigen.
Die von der Regierung propagierte freie Taxiwahl existiert allerdings am Züricher Hauptbahnhof praktisch nicht. Die Fahrzeuge stehen in Zweierreihen eng gedrängt hintereinander. Fahrgäste können deshalb kaum gezielt ein günstigeres Taxi auswählen.
Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem: Wenn einzelne Anbieter kurzfristig hohe Gewinne erzielen, können die Folgen alle treffen – insbesondere diejenigen Taxifahrer, die seit Jahrzehnten auf faire Preise und zufriedene Stammkunden setzen. sg
Beitragsfoto:70 Euro für 1,5 Kilometer Fahrt. In Zürich kann das TAxi fahren sehr teuer sein. Fotoquelle KI generiert








