Der öffentliche Brüsseler ÖPNV-Busdienst gibt seine eigenen, in die Jahre gekommenen Minibusse für mobilitätseingeschränkte Menschen auf. Die Flotte wird nicht erneuert. Stattdessen setzt das ÖPNV-Unternehmen auf Taxis.
Der seit vielen Jahren von der Brüsseler Verkehrsgesellschaft MIVB betriebene Dienst „TaxiBus“ für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen wird in veränderter Form fortgeführt. Da die von der MIVB eingesetzten zwölf Minibusse das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben, wird der Dienst künftig auf behindertengerechte Taxis zurückgreifen. Diese wurden bereits im vergangenen Jahr für 85 Prozent der Fahrten genutzt.
Die Entscheidung ist in wirtschaftlich begründet. Die Erneuerung der bestehenden Minibusflotte würde eine Investition von rund 4,5 Millionen Euro erfordern, was angesichts ihres geringen Anteils (etwa 15 Prozent) an den Fahrten als nicht gerechtfertigt angesehen wird. Hinzu kommt, dass die Betriebskosten für die Minibusse deutlich höher sind. Die MIVB berechnet dafür 50 bis 74 Euro pro Fahrt. Die Fahrpreise für behindertengerechte Taxis liegen zwischen 35 und 40 Euro pro Fahrt. Der Kundenbeitrag beträgt nur 1,90 Euro pro Fahrt, die gleiche Größenordnung wie eine Fahrt mit Bus, Straßenbahn oder U-Bahn in Brüssel (2,40 Euro).
Die Anzahl der Fahrten mit TaxiBus stieg von 40.000 im Jahr 2016 auf 202.000 im Jahr 2025 – ein Anstieg um 400 Prozent. Aktuell werden 15 Prozent dieser Fahrten mit MIVB-Minibussen durchgeführt. Der Großteil (85 Prozent) wird an Taxis vergeben.
Im vergangenen Jahr wurden 202.091 Personenbeförderungen mit TaxiBus durchgeführt, verteilt auf insgesamt 168.847 Fahrten (eine Sammelfahrt kann mehrere Personenbeförderungen umfassen). Die Fahrten wurden mit Taxis und Minibussen durchgeführt. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung und den Nutzen dieses bedarfsorientierten Transports für Menschen mit Behinderungen.
Der Brüsseler Haushalt 2026 sieht 6,7 Millionen Euro vor, um die Kontinuität des Angebots zu gewährleisten. Laut dem Mobilitätsminister ermöglicht die gestiegene Nachfrage nach Taxis Folgendes: die Sicherstellung der Kontinuität des Angebots, die Begrenzung von Kostensteigerungen und die Vermeidung von Angebotsengpässen.
„Die MIVB bietet ihren TaxiBus-Service jetzt und auch in Zukunft an. Dies ist unerlässlich für die Mobilität von Menschen mit Behinderungen. So wird sichergestellt, dass die Fahrzeuge für alle TaxiBus-Nutzer geeignet sind. Dadurch können auch Reisende in größeren Rollstühlen abends und am Wochenende von 5:00 bis 1:00 Uhr zu den gleichen Betriebszeiten wie das reguläre MIVB-Netz reisen“, erklärt Brieuc de Meeûs, Geschäftsführer der MIVB.
Das Taxiverband GTL nimmt diese Entscheidung zur Kenntnis, die die zentrale Rolle von Taxis im Transport von Menschen mit eingeschränkter Mobilität bestätigt, die Zuverlässigkeit und Flexibilität des Taxigewerbes unterstreicht und das Taxi als wichtigen Akteur für inklusive Mobilität positioniert. Der GTL wird jedoch die konkreten Umsetzungsmodalitäten genau prüfen.
Ende letzten Jahres hatte auch der Senat von Berlin eine solche Entscheidung getroffen: Anstelle der viel teureren „Muva“-Kleinbusse von ViaVan bringen künftig geeignete Taxis mobilitätseingeschränkte Fahrgäste vom defekten Aufzug an einer Station zum nächsten funktionierenden Zugang. wf
Beitragsbild: Wim Faber








