Aus verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten häufen sich die Meldungen über Robotaxi-Projekte, die zum Teil kurz vor der Serienreife stehen. Auch die Gesetzgebung dafür ist in einigen Ländern bereits weit fortgeschritten. Wir berichten in mehreren Teilen:
Teil 1: Aktueller Überblick und beteiligte Player
Teil 2: Ursprünge und heutige Situation in Deutschland
Teil 3: Lobbyarbeit in Großbritannien zahlt sich für Wayve und Waymo aus
Teil 4: Belgien arbeitet am Rechtsrahmen
Teil 5: Hohe Dichte an Projekten in Estland, Lettland und Litauen
Teil 6: Viele Player in Spanien
Weitere Teile folgen.
Dies ist Teil 4: Belgien arbeitet am Rechtsrahmen
„Wir müssen unbedingt die Nächsten sein,” sagt ein Sprecher des belgischen Verkehrsministeriums. „In Europa sind wir risikoscheu geworden. Das bremst Innovationen. Dabei machen Autos mit sechs oder acht Kameras den Verkehr tatsächlich sicherer. 90 Prozent aller Unfälle werden durch menschliches Versagen verursacht: Alkohol, Drogen, Blick aufs Handy usw.“
Belgien geht tatsächlich einen weiteren Schritt in Richtung autonomer Mobilität. Die jüngste Veröffentlichung des Ministeriums bestätigt, dass an einem modernen Rechtsrahmen für autonome Fahrzeuge und zukünftige Anwendungen von Robotaxis und autonomen Shuttles gearbeitet wird.

Pilotprojekte gibt es bereits an mehreren Orten. Der chinesische Anbieter WeRide testet in der flämischen Stadt Leuven (Löwen) östlich von Brüssel autonome Kleinbusse auf einer kurzen Strecke zwischen dem Bahnhof Leuven und dem Stadtteil Heverlee. Die Fahrzeuge fahren bereits weitgehend selbstständig (Level 4), zunächst noch mit Sicherheitsbegleiter an Bord. Das Projekt wird gemeinsam mit der deutsch-flämischen Verkehrsgesellschaft De Lijn durchgeführt.
In Antwerpen testen die Unternehmen Ush und Poppy Mobility Fahrzeuge, die aus einer Leitstelle gesteuert werden. Das sind genau genommen keine autonomen, sondern ferngeteuerte Autos. Sie gelten aber als wichtiger Zwischenschritt zur Automatisierung.
Ebenfalls am Hafen von Antwerpen-Brügge hat das schwedische Unternehmen Einride autonome elektrische Lkw auf öffentlichen Straßen getestet. Die Fahrzeuge sind für Logistik- und Hafeneinsätze gedacht.
Der Autobauer Tesla hat nach neueren Berichten dieses Jahr die Erlaubnis erhalten, sein „Full Self-Driving (Supervised)“-System in Flandern zu testen. Ziel sind Vergleichstests mit niederländischen Straßen- und Verkehrsbedingungen. Auch hier muss zunächst noch ein Sicherheitsfahrer am Steuer zuschauen.

Der Belgische Taxiverband GTL möchte mit am Lenkrad der autonomen Entwicklung sitzen, denn: Die Branche verfügt bereits über lokale Betriebsnetze, Vermittlungsplattformen und Mobilitätsexpertise. Europäische Studien und Pilotprojekte zeigen, dass die gemeinsame Nutzung autonomer Fahrzeuge voraussichtlich schneller wachsen wird als deren individuelle Nutzung. Professionelle Mobilitätsanbieter werden weiterhin eine wichtige Rolle im Flottenmanagement, Kundenservice, der Sicherheit, der Barrierefreiheit und der Integration mit anderen Verkehrsmitteln spielen. Die europäische Debatte verlagert sich zunehmend hin zu regulierter, gemeinsam genutzter und sozial verantwortlicher autonomer Mobilität.
„Der GTL unterstützt Innovation und technologischen Fortschritt“, sagt Geschäftsführer Pierre Steenberghen. „Autonome Mobilität kann neue Möglichkeiten für ein effizienteres und zugänglicheres Mobilitätssystem schaffen, vorausgesetzt, Sicherheit, gesellschaftlicher Nutzen, Barrierefreiheit und fairer Wettbewerb bleiben zentral.”
Der Verband ist überzeugt, dass das Taxigewerbe aktiv in künftige Pilotprojekte, politische Entwicklungen und europäische Initiativen zur autonomen Mobilität eingebunden werden muss. Die Mobilität der Zukunft müsse nicht nur technologisch, sondern auch operativ und sozial organisiert werden. Die Erfahrung professioneller Mobilitätsanbieter bleibt dabei ein wichtiger Vorteil. wf / ar
Siehe auch: Eine Sammlung von Taxi-Times-Artikeln zum Thema Autonomes Fahren
Beitragsfoto: Ferngesteuerter Pkw in Antwerpen; Foto: Poppy Mobility







