Taxi-Times-Redakteur Axel Rühle betätigt sich nebenbei auch immer wieder als Radiomoderator: mal mit Taxithemen, mal mit Taxi-Liedern aus aller Welt – und diesmal mit beidem. Hier gibt er einen exklusiven Einblick in die Entstehung seiner aktuellen Sendung.
Alle vier Wochen eine Stunde Sendezeit für das Taxigewerbe – diesen Sendeplatz hat seit November 2020 Sonja von Rein alias „Tiffany-Taxi“ abonniert, nachdem der ursprüngliche Moderator Rumen Milkow aufgehört hatte. Und seit Mai 2019 übernehme ich gelegentlich eine Urlaubsvertretung.
Diese Woche gibt es am Donnerstag um 19 Uhr Interviews mit Politikern aus Berlin und Brandenburg zur aktuellen Problematik des sich verschärfenden Wettbewerbs und der (hoffentlich) bevorstehenden Einführung eines Mindestbeförderungsentgelts für Mietwagen (MBE) in Berlin zu hören.
Nachdem Sonja im Mai dieses Jahres das zehnjährige Jubiläum der Sendung beging, wobei Rumen und ich als Studiogäste „mitfeiern“ durften, und vier Wochen später mit einem musikalischen Rückblick nachlegte, steht am 16. Juli ein persönliches Mini-Jubiläum für mich an: Zum zehnten Mal habe ich eine einstündige Sendung vorproduziert. Das ist meine Art, auf die ich – ganz im Unterschied zu Sonja und Rumen, die das fast immer live machen – die Stunde optimal füllen will. Da ich kein guter Live-Sprecher bin, wähle ich lieber die Methode, bei der man so lange und oft nachbessern kann, bis man einigermaßen zufrieden ist.
Diese Podcast-ähnliche Art hat mich diesmal ganz besonders viel Vorbereitungszeit gekostet: Nachdem ich Tino Schopf, den verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, in den letzten Jahren bei allen möglichen Anlässen immer wieder nicht nur als engagierten Kämpfer für fairen Wettbewerb, sondern auch als persönlich zugänglichen Gesprächspartner erlebt hatte und beim Besuch einer Sitzung des Verkehrsausschusses Ende April miterlebte, wie auch andere Politiker sich leidenschaftlich und mit überzeugenden Argumenten bemühten, die Verkehrssenatorin zur zeitnahen Verordnung des ersehnten MBE zu bewegen, beschloss ich, Schopf und andere nach Interviews zu fragen. Auch in Brandenburg gibt es solche Fürsprecher auf Kreisebene und im Landtag. Große Hoffnung hatte ich nicht, dass die sich in Zeiten des beginnenden Berliner Wahlkampfs Zeit für eine Radiosendung eines so kleinen Senders zu einem so kleinen Nischenthema im politischen Spektrum nehmen. Doch weit gefehlt: Alle bis auf eine sagten zu, und alle waren ebenso zugänglich und nett. Sicherlich merkten sie auch, dass ich sie nicht zur Rede stellen oder auflaufen lassen wollte, warum sollte ich, sondern sie als Menschen und mit ihrer Arbeit vorstellen wollte. Schließlich gibt es nicht allzu viele Politiker, die sich für das Taxigewerbe starkmachen.
Ein weiterer Impuls folgte am 1. Juni: Gewerbevertreter Hermann Waldner hatte die Berliner Taxler um 13 Uhr zum „Taxi-Tag“ eingeladen, einem Treffen am Tipi am Kanzleramt, einer der prominentesten Veranstaltungsstätten im Herzen Berlins, mit Umtrunk, Mittagessen, musikalischem Ständchen der „12 Tenors“ und auf Wunsch Freikarten für deren abendliche Premiere. Die Taxler, die gar nicht allzu viel erwartet hatten, waren dann sehr ergriffen, mit welch herzlichen und warmen Worten Hermann Waldner als Sprecher des Taxigewerbes und Tipi-Betreiber Eric Schmidt-Mohan als Vertreter der Berliner Kulturlandschaft sich gegenseitig ihre Wertschätzung ausdrückten und die Bedeutung der bisherigen und künftigen Zusammenarbeit betonten.
Nach der abendlichen Premiere der „Songs of Eternity“ von den Zwölf Tenören, von der alle absolut begeistert waren (wir waren aufgesprungen und hatten wild getanzt), kam ich im Tipi mit dem Taxi-Fan Schmidt-Mohan ins Gespräch – und verabredete mich zum Interview mit ihm. Dazu traf ich mich dann drei Wochen später auf der Dachterrasse des Zelttheaters mit ihm. Der Manager zweier so bedeutender Locations wie dem Tipi und der Bar jeder Vernunft könnte ja vieles sein: vielbeschäftigt, kurz angebunden, hochnäsig … aber Eric Schmidt-Mohan war ein so angenehmer, freundlicher und interessanter Gesprächspartner (er hatte selbst schon eine Zeitlang als Radiomoderator gearbeitet), dass mir schon während des erfrischenden Gesprächs der Gedanke wehtat, das auf weniger als eine Viertelstunde zusammenkürzen zu müssen, wenn ich dazu noch vier, fünf Politiker in der Sendung haben will.
Als eine Menge an Tonmaterial voller interessanter Aussagen sowohl über Taxithemen als auch Persönliches der Gesprächspartner zusammengekommen war (auch Erlebnisse der Befragten in ihrer Zeit als junge Erwachsene, den Beginn ihrer Laufbahn, Erinnerungen an die „Scheuerwehr“ usw.), und ich schon viele Abende damit verbracht hatte, Ballast wie Husten, verhaspelte Gesprächsansätze und gefühlte 200 mal „äh“ herauszuschneiden, wurde mir klar: Das alles in eine einzige Stunde zu quetschen – absurd, völlig unmöglich, überhaupt nicht dran zu denken. Kurzerhand fragte ich Sonja, ob sie ihren Urlaub verlängern könnte, so dass ich noch eine zweite Vertretungssendung übernehmen könnte. In Absprache mit den netten Jungs vom „Pi-Radio“ bekam ich dann zusätzlich zum 16. Juli den übernächsten Termin, also den 10. September. Ich atmete auf. In zwei Stunden bekomme ich das alles schon irgendwie rein. Erst mal ein paar Politiker mit brandaktuellen Themen in die erste Sendung, das ist schon eine Riesen-Herausforderung, und den interessanten Schmidt-Mohan mit ein, zwei weiteren Politikern gechillt in die zweite.
Trotzdem waren es nochmals viele Stunden Arbeit, die Interviews, die ich in die einstündige Sendung am 16. Juli quetsche, immer weiter zu kürzen – hier noch einen Nebensatz abschneiden, hier noch eine sinngemäße Wiederholung entfernen, hier noch eine zu langatmig formulierte Frage von mir zusammenstutzen –, bis schließlich alles wie immer auf die Sekunde genau in 60 Minuten hineinpasste. An vielen Stellen waren es Kämpfe um Minuten, oft sogar um Sekunden. Und Musik musste ja auch noch dazwischen, sonst hört nach zehn Minuten keiner mehr zu. Zum Glück habe ich meine große Sammlung von Taxiliedern aus aller Welt. Da sind auch viele Dreiminüter bei. Auch diesmal kommen wieder ausschließlich Lieder mit dem Wort Taxi im Titel – natürlich wieder in verschiedenen Sprachen (diesmal deutsch, englisch und japanisch), wenn auch nicht ganz so vielfältig wie in meinen letzten beiden Sendungen, bei denen die Musik der Hauptinhalt war, aber immerhin aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Finnland, Japan und den USA.
Natürlich hat mir das Kürzen der Interview-Mitschnitte nicht nur bei Eric Schmidt-Mohan in der Seele wehgetan. Da es schade um die vielen interessanten Aussagen der Interviewten ist, die ich rauskürzen musste, werden wir das viele Material einfach zu Online-Meldungen aufbereitet für Taxi Times herüberretten. Tino, der beim Interview gar nicht mehr aufhören wollte und am Schluss sogar ganz diskret augenzwinkernd fließend in den Wahlkampfmodus überging (was ich bedauerlicherweise rauskürzen musste), meldete sogar Interesse an, die ungekürzte Version unseres Gesprächs selbst online zu stellen.
Die fertige Sendung (also die erste der beiden), in der der Landkreis Teltow-Fläming eine größere Rolle spielt, aber auch das Personenbeförderungsgesetz, die kriminelle Mietwagen-Bande und viele weitere Taxi-Themen, ist am Donnerstag, dem 16. Juli, um 19 Uhr im Radio zu hören, und zwar beim freien Berliner Sender Pi-Radio auf DAB+ sowie im Live-Stream auf www.pi-radio.de.
Alle Sendungen werden etwa zwei Tage nach der linearen Ausstrahlung online gestellt und können auf https://hearthis.at/Pi-radio/set/taxi-berlin/ nachgehört werden. ar
Beitragsbild: Taxi-Times-Redakteur Axel Rühle und Verkehrspolitiker Tino Schof in dessen Wahlkreisbüro; KI-verändertes Foto: Taxi Times






