Ein Blutspürhund und eine winzige Blutspur auf Laub haben in Bremen zur Überführung eines Serienräubers geführt, der in einer Woche vier Taxifahrer überfallen und insgesamt 600 Euro erbeutet hatte.
Zwischen dem 27. Dezember und dem 2. Januar hatte der Räuber viermal nach dem gleichen Muster zugeschlagen: Er stieg jeweils am Straßenbahndepot im Bremer Stadtteil Gröpelingen in ein Taxi und ließ sich Richtung Oslebshausen fahren. Unterwegs hielt er den Fahrern einen scharfkantigen Gegenstand an den Hals und forderte Geld. Bei den ersten beiden Taten erbeutete er einmal 100 und einmal 180 Euro, beim dritten Überfall 200 Euro. Hier „musste“ er sein Opfer nach einem Gerangel außerhalb des Fahrzeugs noch zur Herausgabe des Portemonnaies drängen.“ Beim vierten und letzten Überfall am 2. Januar betrug die Beute 120 Euro.
Die Häufung der Überfälle innerhalb einer Woche versetzte die Bremer Taxibranche in Alarmbereitschaft. Die Ermittler sicherten Spuren an mehreren Tatorten: Fingerabdrücke an Beifahrertüren, Abdrücke an einem Zaun, den der Täter offenbar überstiegen hatte, sowie Blutspuren an der Kleidung eines Opfers. Wie die niedersächsische „Kreiszeitung“ berichtet, hatte sich der Täter am 30. Dezember auf der Flucht selbst verletzt und versteckt.
Die entscheidende Spur fanden Ermittler schließlich auf einer Laubschicht hinter einem abgestellten Anhänger, wo ein speziell geschulter Blutspürhund den Geruch winziger Blutstropfen aufgenommen hatte. Der DNA-Abgleich führte zu einem bereits polizeibekannten 36-Jährigen, den Zivilkräfte am 3. Januar in Oslebshausen festnahmen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Beamten den Mann verletzt auf dem Sofa liegend vor. Auf dem Boden lagen Kokainkonsum-Utensilien sowie die Geldbörsen der überfallenen Fahrer. Ein Messer wurde nicht sichergestellt. Der Haftrichter erließ dennoch Haftbefehl. Seit dem 4. Januar sitzt der Mann in Untersuchungshaft.
Seit Anfang Juli muss sich der Angeklagte vor dem Landgericht Bremen wegen räuberischer Erpressung verantworten. Er hat die Taten gestanden, bestreitet aber, dabei ein Messer benutzt zu haben. Nach Darstellung der Verteidigung hat er stattdessen mit einem scharfkantigen Schlüssel gedroht, seine Opfer „abzustechen“. Als Motiv nannte er Geldnot und Suchtdruck: Nachdem er sein erstes Gehalt aus einem neuen Leiharbeitsverhältnis bei Mercedes-Benz erhalten habe, sei er in einer Bar gelandet und „gierig“ auf Kokain geworden, habe das nötige Geld dafür aber nicht gehabt – die Überfälle seien daraufhin spontan entstanden. Ihm sei bereits 2022 in einer Klinik eine drogeninduzierte Psychose bescheinigt worden, seither habe er wiederholt versucht, von Kokain loszukommen.
Ein Opfer, ein 57-jähriger Fahrer, schilderte vor Gericht den Überfall vom 30. Dezember: Weil er von den vorangegangenen Taten gehört hatte, habe er den Fahrgast gebeten, vorne statt hinter ihm Platz zu nehmen; die beiden hätten sich sogar auf Türkisch unterhalten, weshalb er sich zunächst schämte, überhaupt Verdacht geschöpft zu haben. Am Zielort habe er dann einen kalten Gegenstand an der Halsschlagader gespürt: „Gib mir das Geld, sonst steche ich dich ab“, habe der Täter gesagt. Nach einem kurzen Gerangel außerhalb des Wagens händigte der Fahrer rund 200 Euro aus seiner Hosentasche aus. Der Täter flüchtete, Jugendliche riefen die Polizei.
Ein anderes Opfer, dessen Fahrt schon vor Prozessbeginn Thema war, richtete sich direkt an den Angeklagten und berichtete, wie sehr ihn der Überfall bis heute belaste. Der Angeklagte selbst entschuldigte sich bei ihm: „Ich schäme mich. Es tut mir von Herzen leid, was ich den Taxifahrern angetan habe.“
Am kommenden Verhandlungstag soll ein Sachverständiger gehört werden, der den Angeklagten begutachtet hat. Mit einem Urteil wird am 31. Juli gerechnet. ar
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