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Start Autonomes Fahren

Großbritannien bleibt Vorreiter bei Gesetzgebung und Einsatz autonomer Fahrzeuge

von Wim Faber
31. Juli 2026
Lesedauer ca. 4 Minuten.
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Großbritannien bleibt Vorreiter bei Gesetzgebung und Einsatz autonomer Fahrzeuge
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Ein weiterer Akteure erprobt in London einen autonomem Taxiservice: Freenow by Lyft und Baidu starten Testfahrten mit Apollo Go-Robotaxis

Noch vor dem kommerziellen Start in 2027 beginnt ein neuer Anbieter autonomer Taxis in der britischen Hauptstadt mit Tests: Freenow by Lyft macht gemeinsame Sache mit dem chinesischen Technologieunternehmen Baidu. Baidu ist Chinas größte Internetsuchmaschine und ein führendes Technologieunternehmen, welches oft auch als ‘Google Chinas’ bezeichnet wird. Getestet wird in London mit den autonomen Fahrzeugen von Apollo Go.

Dies ist ein weiterer Schritt hin zur Einführung selbstfahrender Taxis in der britischen Hauptstadt. Als ein weitere Player testet Waymo bereits seit einiger Zeit mit etwa 100 Fahrzeugen, und auch die Fahrzeuge einer Kooperation Wayve und Uber sind in London im Einsatz. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass zukünftig weitere Robotaxi-Unternehmen Fotos ihrer autonomen Taxis auf der Westminster Bridge präsentieren werden.

Derzeit sind für Freenow by Lyft und Baidu Apollo Go RT6, Fahrzeuge der sechsten Generation im Einsatz. Genau wie die Fahrzeuge von Waymo und Wayve/Uber sind sie derzeit ausschließlich mit sogenannten Sicherheitsfahrern im unterwegs. Die Tests laufen im Londoner Stadtbezirk Brent, welcher außerhalb des Londoner City, im Nordwesten von Outer London liegt, dort wo auch das berühmte Wembley-Stadion zu finden ist.

Waymo testet bereits seit einiger Zeit mit 100 Fahrzeugen im Zentrum Londons. Foto Wim Faber

Der Test ist Teil des Plans ab 2027 autonome Taxis für die Fahrgäste anzubieten, und folgt auf Lyfts Ankündigung aus dem Jahr 2025, gemeinsam mit Baidu zu kooperieren, um die gemeinsamen Fahrzeuge in ganz Europa einzusetzen. Das Testprogramm findet nach Rücksprache mit Transport for London (TfL) und dem Centre for Connected and Autonomous Vehicles (CCAV) statt. Laut den Unternehmen steht die Sicherheit im Mittelpunkt des Programms. Die Tests werden in enger Kooperation mit den Aufsichtsbehörden durchgeführt, um einen sicheren, zuverlässigen und nachhaltigen Service aufzubauen.

Der RT6 ist das autonome Fahrzeug der sechsten Generation vom chinesischen Hersteller Apollo Go und wurde speziell für Fahrdienstvermittlungsdienste entwickelt. Freenow by Lyft, eine Plattform die auch in London viele ‘Black Cabs’ vermittelt, gab an, dass die Fahrzeuge zusätzlich zum bestehenden Netzwerk lizenzierter Taxis und Mietwagen verkehren und diese nicht ersetzen werden. Das Unternehmen ist überzeugt, dass dieses Hybrid-Netzwerk die Fahrzeugverfügbarkeit erhöht und die Wartezeiten für Fahrgäste verkürzt, indem die Anzahl der über die Plattform buchbaren Fahrzeuge erweitert wird.

„Als Plattform mit tiefen Wurzeln im Taxigewerbe hat es für uns oberste Priorität, dass autonome Technologie die professionellen Fahrerinnen und Fahrer unterstützt, die London täglich in Bewegung halten,” versichert Thomas Zimmermann, CEO von Freenow by Lyft. “Durch die Integration dieser speziell entwickelten Fahrzeuge von Baidus Apollo Go in das Ökosystem von Freenow by Lyft bieten wir den Menschen in London nachhaltigere Reiseoptionen und motivieren sie, geteilte Mobilitätsdienste dem eigenen PKW vorzuziehen.“

Die Ankündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktivitäten im Bereich autonomer Fahrzeuge in London weiter zunehmen. Mehrere Entwickler führen bereits Tests auf öffentlichen Straßen gemäß den geltenden britischen Vorschriften durch. Die Fahrzeuge erfüllen dabei strenge Sicherheitsanforderungen, einschließlich der Anwesenheit geschulter Sicherheitsfahrer oder -operatoren während der Tests. Die britische Regierung hat London als wichtigen Standort für die Entwicklung vernetzter und autonomer Fahrzeugtechnologie ausgewiesen, im Vorfeld einer breiteren kommerziellen Einführung im Rahmen des Automated Vehicles Act.

Die Debatte um die Zulassung autonomer Fahrzeuge in Großbritannien begann bereits 2024, maßgeblich vorangetrieben von britischen KI-Unternehmen wie Wayve. Obwohl die Kerngesetzgebung im Mai 2024 verabschiedet wurde, wird der vollständige Rahmen noch in diesem Jahr durch weitere Gesetze umgesetzt. Das Verkehrsministerium und die Aufsichtsbehörden haben sich auf wichtigen Mechanismen, darunter Sicherheitsprinzipien, Fahrzeugtests und Marketingrichtlinien, geeinigt.

Selbstfahrende Autos werden ab der zweiten Jahreshälfte 2026 auf britischen Straßen unterwegs sein. Betreiber können sich jetzt für den Betrieb autonomer Fahrzeuge (Taxis, Busse und Mietwagen) bewerben – ein Novum für Großbritannien. Interessierte Fahrgäste können auch bereits Fahrten buchen. Die Dienste unterliegen strengen Sicherheitsvorschriften, die das Vertrauen in einen Sektor stärken sollen, von dem ein signifikantes Wirtschaftswachstum und die Schaffung tausender Arbeitsplätze erwartet werden. Die Dienste könnten das Reisen verbessern, versichern die Befürworter, indem sie älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen mehr Freiheit und Unabhängigkeit ermöglichen und die Reisemöglichkeiten für Geschäfts- und Freizeitreisende erweitern.

Laut britischer Regierung muss die Sicherheit bei den heutigen Pilotprojekten im Mittelpunkt stehen. Pilotprojekte ermöglichen es Unternehmen – darunter Waymo, das sich ohne Partner ausschließlich auf autonomes Fahren konzentriert – fortschrittliche Technologien auf britischen Straßen einzuführen.

Waymo hat jedoch auch Druck auf die britische Regierung ausgeübt. Ben Loewenstein, Direktor für Politik und Regierungsbeziehungen für Großbritannien und Europa bei Waymo, sagte zu der neuen Gesetzgebung: „Großbritannien ist führend bei der sicheren Einführung von Pilotprogrammen für autonomes Fahren. Wir hoffen, bald Teil des Londoner Verkehrsnetzes zu werden und im Rahmen des staatlichen Pilotprogramms die Vorteile von elektrischen, autonomen Fahrzeugen in Bezug auf Sicherheit, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit zu demonstrieren. Wir arbeiten eng mit dem Verkehrsministerium und Transport for London (TfL) zusammen, um sicherzustellen, dass unsere Aktivitäten mit deren Zielen übereinstimmen.“

Das wichtigste Gesetz für automatisierte Fahrzeuge in Großbritannien ist der Automated Vehicles Act 2024. Dieses Gesetz bietet einen umfassenden Rahmen für die Zulassung, Sicherheit und den legalen Betrieb von selbstfahrenden Fahrzeugen im öffentlichen Straßenverkehr.

Obwohl auf EU-Ebene bisher nur die Ansätze für die Regulierung autonomes Fahren angekündigt wurden, werden in verschiedenen EU-Ländern Pilotprojekte mit autonomen Fahrzeugen vorbereitet oder ausgeführt. Dies geschieht trotz der Tatsache, dass – mit Ausnahme des Nicht-EU-Mitgliedstaates Großbritannien – der mitteleuropäische Rechtsrahmen noch fehlt. Fast wöchentlich gibt es aber Neuigkeiten über neue Pilotprojekte irgendwo in der Europäischen Union. wf

Beitragsfoto: Der RT6 – hier vor dem Britischen Parlament – ist das autonome Fahrzeug der sechsten Generation vom Chinesischen Hersteller Apollo Go und wurde speziell für Fahrdienstvermittlungsdienste entwickelt. Foto Baidu

Tags: Apollo GoApollo Go RT6Autonomes FahrenBaiduCCAVFreenow by LyftLondonRobotaxiRT6Thomas ZimmermannWaive
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Wim Faber

Der „Brüsseler Niederländer“ und gelernte Kommunikationsspezialist berichtet seit den 80-er Jahren für eine Reihe von Taxi- und ÖPNV-Fachzeitschriften in Europa, Nordamerika und Australasien über das Taxi und die Mobilität im weitesten Sinne.

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