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Start Autonomes Fahren

Lässt Tesla bald Robotaxis in Deutschland fahren?

von Axel Rühle
10. September 2026
Lesedauer ca. 4 Minuten.
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Tesla stellt autonomes Robotaxi vor
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Der E-Auto-Hersteller Tesla lässt in Texas jetzt sein fahrerloses Cybercab-Taxi fahren. Für Deutschland und Europa gibt es dazu bislang nur vage Andeutungen des Konzernchefs Elon Musk.

Tesla will bei der fahrerlosen Mobilität ganz vorne dabei sein. Das Unternehmen hat sein „Cybercab“ am letzten Donnerstag, dem 3. September, bei einer Veranstaltung in Austin vorgestellt. Austin ist der Hauptstadt des zweitgrößten US-Bundesstaates Texas und Sitz von Tesla. Seit Freitag ist der fahrerlose Zweisitzer ohne Lenkrad und Pedale nach Unternehmensangaben für die Öffentlichkeit verfügbar, zunächst in „bestimmten Gegenden“ der Stadt, die nicht ganz eine Million Einwohner hat. Konzernchef Elon Musk nahm an der Veranstaltung nicht teil, wie Medien berichten; er veröffentlichte auf seinem sozialen Netzwerk X lediglich ein KI-generiertes Bild eines riesigen Cybercabs über der Stadt.

Die Fahrpreise sollen sich dynamisch an der Nachfrage orientieren und ein „erstklassiges Erlebnis zum Preis der zweiten Klasse“ bieten, teilte das Unternehmen mit. Teslas KI-Chef Ashok Elluswamy sagte, der Dienst stehe „der gesamten Öffentlichkeit offen“. Bislang setzt Tesla in seinem bestehenden Robotaxi-Betrieb überwiegend Fahrzeuge des Typs Model Y ein; das Cybercab soll künftig zum Hauptmodell dieser Flotte werden. Musk hatte das Fahrzeug bereits im Oktober 2024 vorgestellt und einen Marktstart für 2027 sowie einen Verkaufspreis unter 30.000 Dollar angekündigt. Branchenbeobachter zweifelten damals an diesem Zeitplan. Nun ist der fahrerlose Betrieb früher gekommen als erwartet.
Noch am Tag der Vorstellung eröffnete die US-Bundesbehörde für Fahrzeugsicherheit, die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA), eine Prüfung. Sie untersucht, wie Tesla angesichts fehlender klassischer Fahrzeugkomponenten die Einhaltung der Bundessicherheitsstandards selbst zertifiziert hat. Von der Straße genommen werden die Fahrzeuge dadurch nicht automatisch. In Texas sind derzeit 420 autonome Tesla-Fahrzeuge registriert, davon 45 Cybercabs.

Der zum Google-Mutterkonzern Alphabet gehörende Robotaxi-Marktführer Waymo kommt allein in diesem Bundesstaat auf 988 registrierte Fahrzeuge und bietet zusammen mit dem Fahrdienst Uber bereits in elf US-Städten fahrerlose Taxis an, darunter San Francisco und Los Angeles. Tesla hat im eigenen Land noch Probleme: Im wichtigen Markt Kalifornien fehlt bislang die Genehmigung für einen Robotaxi-Betrieb ganz ohne Sicherheitsfahrer, und bei einem Teil der Testwagen in Austin sitzt laut amerikanischer Medien weiterhin ein Sicherheitsbeobachter auf dem Beifahrersitz. Es ist ein typisches Phänomen einer technischen Entwicklung, der die Behörden gar nicht in gleicher Geschwindikeit hinterher kommen: Robotaxi-Anbieter drängen unter dem Etikett der Innovation in angestammte Reviere der gewerblichen Personenbeförderung, gestützt auf Sicherheitsnachweise, die zunächst allein vom Hersteller selbst stammen.

Auf die Frage, ob Ähnliches auch in Deutschland oder anderen europäischen Ländern bevorsteht, gibt es bislang nur Andeutungen. Am 8. September reagierte Musk auf X auf das Video eines Streamers, der seine erste Cybercab-Fahrt gefeiert hatte. Er hoffe, dass es „hoffentlich bald“ auch in Europa losgehe, schrieb Musk, ohne Termin oder Land zu nennen. Konkreter, aber ähnlich unverbindlich, äußerte er sich zur Fertigung: Im Gespräch mit Werkleiter André Thierig nannte Musk das Cybercab als wahrscheinlich nächstes großes Produkt für das Tesla-Werk in Grünheide (Mark) im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree, bekannt als Gigafactory, sofern die Rahmenbedingungen in Europa dafür passten. Bereits im März hatte Tesla dort eine erste Ingenieursstelle für die Cybercab-Entwicklung ausgeschrieben. Das betrifft erst einmal nur den Bau des Fahrzeugs. Über die Zulassung als fahrerloses Taxi sagt es nichts aus.

Portal der Tesla-Fabrik in Grünheide (Mark), Brandenburg; Foto: Ot / Wikimedia Commons / CC BY 4.0, bearbeitet

Für einen Betrieb ganz ohne Fahrer, wie Tesla ihn in Austin zeigt, fehlt in der EU bisher der rechtliche Rahmen. Was in Brüssel tatsächlich verhandelt wird, ist ein anderes, deutlich schwächeres System: das assistierte FSD Supervised, bei dem der Fahrer weiterhin verantwortlich bleibt. Es gilt nach UN-Regelung 171 nur als Level-2-Assistenzsystem. Die niederländische Zulassungsbehörde RDW hatte dafür im April nach Artikel 39 der EU-Verordnung 2018/858 (die Herstellern für Technik, die von bestehenden EU-Vorschriften noch nicht erfasst ist, zunächst eine nationale EU-Typgenehmigung erlaubt) eine Typgenehmigung erteilt. Auf das gleiche Ausnahmeverfahren berufen sich inzwischen sechs Staaten: die Niederlande, Litauen, Estland, Dänemark, Belgien und Slowenien –, die das System ohne eigene Sicherheitsprüfung zulassen. Die zugrundeliegende Prüfdatei bleibt auf Teslas Wunsch versiegelt und ist selbst anderen EU-Behörden nicht zugänglich.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Tesla zuvor vorgeworfen, europäischen Regulierungsbehörden irreführende Sicherheitsdaten präsentiert zu haben. Am 6. Oktober soll das Technical Committee – Motor Vehicles TCMV (Technischer Ausschuss für Kraftfahrzeuge, ein sogenannter Komitologie-Ausschuss, der die EU-Kommission bei der Fahrzeug-Typgenehmigung berät) über eine EU-weite Zulassung abstimmen. Dafür ist eine qualifizierte Mehrheit nötig, für die allein Deutschland und Frankreich rechnerisch für rund ein Drittel der EU-Bevölkerung stehen. Deutschland gehört neben Frankreich, Österreich und Tschechien zu acht Staaten, die vorab eigenen Prüfbedarf angemeldet haben. Christian Hirte (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, erklärte, das System weiche „in wesentlichen Punkten von den bestehenden harmonisierten Prüfnormen ab“ und sei bislang nicht als Level-2-System nach UN-Regelung 171 genehmigt.

Selbst eine positive Abstimmung Anfang Oktober würde also nur ein Fahrerassistenzsystem betreffen, nicht das lenkradlose Cybercab. Einen Zeitplan oder gar ein Zielland für einen echten Robotaxi-Start in Europa hat Tesla bislang nicht genannt. ar

Siehe auch: Eine Sammlung von Taxi-Times-Artikeln zum Thema Autonomes Fahren

Beitragsbild: Tesla

Tags: CybercabTesla
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Axel Rühle

Der Berlin-Insider ist Funkkurs-Dozent und ursprünglich Stadtplaner. Seit 1992 ist er im Besitz eines Personenbeförderungsscheins und immer wieder auch im Taxi anzutreffen. Inhaltlich betreut er in Wort und Bild alle Themen rund um die Taxi Times Berlin.

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