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Eine Taxi-App zwischen regionaler Nutzung und überregionaler Verfügbarkeit

von Jürgen Hartmann
14. September 2026
Lesedauer ca. 3 Minuten.
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Eine Taxi-App zwischen regionaler Nutzung und überregionaler Verfügbarkeit
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Die Taxi Deutschland eG ist ein Verbund deutscher Taxizentralen und der drei großen Systemanbieter von Vermittlungssoftware. Ihr Vorstandsvorsitzender Thomas Kroker hat Taxi Times ein ausführliches Interview gegeben, das in drei Teilen veröffentlicht wird.

Im Teil 1 des Interviews hat Thomas Kroker die veränderte Rolle einer Taxizentrale beschrieben. Im Teil 2 soll es nun um die Apps gehen, auch um die eigene App „Taxi Deutschland“.

Taxi Times: Wie bewerten Sie die bisherige Entwicklung der App-Angebote im Taxigewerbe, wohin sollte sich die Taxi-Deutschland-App künftig entwickeln?

Thomas Kroker: Am Anfang, und damit spreche ich von der Zeit von 2008 bis 2010, stand die Überlegung, die Taxis unserer Mitglieder mit einer zeitgemäßen digitalen Bestellmöglichkeit zu unterstützen. Zunächst hatte dabei jede Stadt ihre eigene App. Es gab beispielsweise Taxi München, Taxi Düsseldorf oder Taxi Bremen. Diese lokalen Apps basierten bereits auf einem gemeinsamen Softwaresystem. Später wurden sie unter dem Dach der Taxi-Deutschland-App zusammengeführt. Heute, rund 15 Jahre später, müssen wir uns fragen, ob diese Entscheidung richtig war. Damals wollten wir den Fahrgästen ermöglichen, dieselbe App in möglichst vielen Städten zu nutzen.

Die Kunden hatten allerdings kein Bewusstsein dafür, dass ihre App auch in anderen Städten genutzt werden kann. Warum war diese Kundenaufklärung in den Taxizentralen nicht wichtig?

Die Erfahrung zeigt, dass nur relativ wenige Kunden regelmäßig in verschiedenen Städten ein Taxi bestellen. Für die meisten Nutzer ist die Attraktivität des lokalen Angebots wichtiger als die überregionale Nutzbarkeit einer App. Auch internationale Erfahrungen zeigen, dass starke lokale Angebote bei den Kunden häufig eine höhere Akzeptanz finden.

Trotzdem wurden vor drei Jahren die drei Bestellapps taxi.eu, Taxi Deutschland und Cab4Me auf eine gemeinsame Plattform zusammengeführt – als Reaktion auf den Plattform-Wettbewerber. Warum hat das nicht gegriffen?

Für mich war die Zusammenführung der technischen Grundlagen dreier deutschlandweiter Taxi-Bestell-Apps auf eine gemeinsame Plattform ein schwerwiegender Fehler. Dadurch waren drei App-Versionen gleichzeitig im Markt, die miteinander konkurrierten. Zugleich wurden zwei Anbieter technisch von einem dritten Anbieter abhängig. Die daraus entstehenden Interessenkonflikte und möglichen Compliance-Probleme wurden im Vorfeld nicht ausreichend bedacht. Ich saß damals bereits im Vorstand. Dennoch habe auch ich vor drei Jahren nicht ansatzweise vorhergesehen, welche Folgen sich aus dieser Konstellation entwickeln würden. Für die Zukunft müssen wir deshalb genau prüfen, wie wir unsere digitale Strategie neu ausrichten. Unsere Mitglieder brauchen ein wettbewerbsfähiges Angebot. Gleichzeitig müssen wir die notwendige technische und unternehmerische Unabhängigkeit sichern.

Ist die begrenzte geografische Verfügbarkeit der Taxi-Deutschland-App nicht ein grundlegender Wettbewerbsnachteil?

Eine App ist für den Kunden nur interessant, wenn er sie dort zuverlässig nutzen kann, wo er sie benötigt. Ist sie nur in einzelnen Städten oder Ballungsräumen verfügbar bzw. bietet sie regional eine zu geringe Fahrzeugabdeckung, lässt sie sich nur schwer als deutschlandweite Anwendung vermarkten.

Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma?

Eine deutschlandweite Marke weckt beim Kunden eine klare Erwartung. Er geht davon aus, dass das Angebot tatsächlich in weiten Teilen Deutschlands verfügbar ist. Wird diese Erwartung nicht erfüllt, kann das der Marke schaden. Name, Anspruch und tatsächliche Leistungsfähigkeit müssen deshalb zusammenpassen. Gleichzeitig dürfen wir die Bedeutung der lokalen Märkte nicht unterschätzen und darauf den Schwerpunkt setzen. Ein Fahrgast, der überwiegend in seiner Heimatstadt unterwegs ist, erwartet dort ein besonders zuverlässiges und attraktives Angebot. Für ihn kann eine starke lokale App wertvoller sein als eine nominell deutschlandweite Anwendung mit großen Lücken auf der Landkarte. Wir müssen daher eine sinnvolle Verbindung zwischen lokaler Stärke und überregionaler Nutzbarkeit schaffen.

Wer ist für die Vermarktung der App verantwortlich – Taxi Deutschland oder die jeweiligen Mitgliedszentralen?

Diese Verantwortung lässt sich nicht vollständig auf eine Seite übertragen. Taxi Deutschland muss die gemeinsame Marke und die technischen Voraussetzungen bereitstellen. Dazu gehören auch geeignete überregionale Marketingmaßnahmen. Die Mitgliedszentralen müssen die App wiederum in ihren lokalen Märkten bekannt machen und aktiv unterstützen. Die Menschen bestellen schließlich ein Taxi in einer konkreten Stadt. Deshalb sind lokale Sichtbarkeit, regionale Partnerschaften und eine direkte Ansprache der Fahrgäste besonders wichtig. Die Zentralen kennen ihre Märkte, ihre Kunden und die Besonderheiten vor Ort am besten. Taxi Deutschland kann dafür einen gemeinsamen Rahmen schaffen. Sie kann außerdem Materialien und Kampagnen zur Verfügung stellen. Erfolgreich wird das Angebot jedoch nur, wenn die Mitglieder es vor Ort mittragen und aktiv vermarkten. Überregionale und lokale Maßnahmen müssen deshalb ineinandergreifen.

Lesen Sie im Teil 1 des Interviews: die veränderte Rolle von Taxizentralen
Lesen Sie im Teil 3 des Interviews: Die Rolle von Taxi Deutschland bei den Bahntaxi-Fahrten und die Visionen von Thomas Kroker zur Zukunft des Taxigewerbes vermarktet werden soll.

Beitragsfoto: TMV, Montage KI-generiert

Tags: AppTaxi Deutschland eGThomas Kroker
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Jürgen Hartmann

Der Verlagskaufmann und ehemalige Taxiunternehmer gründete 2014, als Reaktion auf die Veränderungen innerhalb des Taxigewerbes, den Taxi Times Verlag. Als Herausgeber etablierte er die Taxi Times Print-Magazine und das Onlineportal Taxi-Times.com mit dem Anspruch, ein Sprachrohr für die Taxibranche zu schaffen.

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