Die Stadt Bremen führt zum 1. November einen Tarifkorridor mit Festpreisen ein, die aus Kilometerpreisen und Wartezeit haarfein kalkuliert worden sind. Dazu wurden über 70.000 Fahrdatensätze ausgewertet.
Die große Tarifübersicht von Taxi Times hat eine Aktualisierung erhalten, die man ein Stückweit als historisch bezeichnen kann: In Bremen können die Zentrale und die Vermittlungsplattformen ab nächstem Sonntag bei bestellten Taxifahrten einen verbindlichen Festpreis mit dem Fahrgast vereinbaren. Die städtische Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung hat die entsprechende Änderung der Taxentarifverordnung am 10. September beschlossen; am 24. September wurde sie im Gesetzblatt verkündet. Der Festpreis setzt sich aus dem Mindestfahrpreis, dem Kilometerpreis für die kürzeste vom Navigationsgerät angezeigte Strecke und einem pauschalen Aufschlag von zwölf Prozent für die durchschnittliche verkehrsbedingte Wartezeit zusammen. Das Ergebnis wird auf den nächsten vollen Euro aufgerundet. Vom so errechneten Preis darf der vereinbarte Betrag höchstens zehn Prozent nach oben und sieben Prozent nach unten abweichen. Unterbricht ein Fahrgast die Fahrt für mehr als fünf Minuten, so gilt sie als beendet und der vereinbarte Preis wird fällig.
Den Aufschlag hat die Behörde nicht geschätzt, sondern berechnen lassen. Laut der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung wertete ein Gutachter rund 71.100 bereinigte Fahrdatensätze aus dem Jahr 2025 aus, die 67 Bremer Taxiunternehmen freiwillig zur Verfügung gestellt hatten. Demnach macht das verkehrsbedingte Wartezeitentgelt 11,6 Prozent des Taxiumsatzes aus. In den meisten anderen Kommunen seien die Korridorgrenzen dagegen „schlicht so übernommen“ worden, wie die Gewerbevertretung sie beantragt hatte, heißt es in der Pressemitteilung des Ressorts.
Der Festpreis gilt nur für Fahrten, die vorher telefonisch, per E-Mail oder per App mit Start- und Zielort bestellt wurden. Einsteiger und Winker zahlen weiter den streckenbasierten Taxameterpreis. Die Vermittler müssen die Kunden darauf hinweisen, dass sie auch den Taxametertarif wählen können, und den Preis vor Fahrtantritt verbindlich bestätigen. Der Festpreis wird im Taxameter über die Technische Sicherheitseinrichtung erfasst. Zudem müssen die Vermittler der Genehmigungsbehörde vierteljährlich die Daten aller Festpreisfahrten übermitteln. Die Behörde nutzt sie für Betriebsprüfungen.
Mobilitätssenatorin Özlem Ünsal (SPD) sprach von einem guten Tag für die Bremer Taxibranche. Das Nachrichtenmagazin „Buten un Binnen“ zitiert die Politikerin: „Wer bestellt, weiß künftig vorher, was die Fahrt kostet. Kein nervöser Blick mehr auf den Taxameter, wenn es im Stau nicht weitergeht.“
Der Anstoß kam aus dem Gewerbe. Auf ihrer Mitgliederversammlung im April 2025 hatte die Fachvereinigung Personenverkehr Landesverband Bremen, in der 175 der 182 Bremer Taxiunternehmen organisiert sind, einstimmig beschlossen, die Einführung von Festpreisen zu beantragen. Entsprechend wird die Neuerung begrüßt: „Darauf haben wir lange hingearbeitet und freuen uns über das Ergebnis“, sagte Ingo Heuermann aus dem Vorstand der Bremer Fachvereinigung Personenverkehr.
Die Möglichkeit, Tarifkorridore festzulegen, besteht seit Inkrafttreten der Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) am 1.8.2021.
Für die kleinere der beiden Städte des Landes Bremen, die kreisfreie Stadt Bremerhaven, gilt die Neuerung nicht. Hier ist weiterhin der Tarif vom 8. Juli 2025 in Kraft. ar
Beitragsbild: Taxis in Bremen; Symbolfoto: Axel Rühle







