Oft schädigen schwarze Schafe den Ruf eines ganzen Gewerbes, so auch in Hamburger Taxis. Die Presse vermischt berechtigte Beschwerden mit Ärger über ein knappes Angebot und andere Probleme im Taxigewerbe.
Gleich drei Artikel hat das Hamburger Abendblatt zwischen dem 24. und 26. Oktober dem Hamburger Taxigewerbe gewidmet. Eindruck, der bei vielen Lesern entstehen dürfte, entspricht dem typischen Zerrbild, das oft entsteht, wenn die zufriedene Masse schweigt und einige wenige Unzufriedene sich laut äußern: Fahrgäste warten am Flughafen lange auf ein Taxi, vorbestellte Wagen kommen nicht, und ein paar Fahrer zocken ihre Kunden ab.
Bei genauerem Hinsehen handelt es sich allerdings um sehr unterschiedliche Probleme mit sehr unterschiedlichen Ursachen.
Eindeutig ist der Fall, über den das Abendblatt am Montag berichtet. Eine Frau war nachts an einer Feierlocation im Stadtteil Bahrenfeld in ein Taxi gestiegen. Am Ziel in Langenhorn zeigte der Taxameter 48 Euro an. Der Fahrer verlangte jedoch 70 Euro und berief sich auf einen angeblich vorab vereinbarten Festpreis. An eine solche Absprache konnte sich die Kundin nicht erinnern. Darauf kommt es aber auch nicht an, denn das Vorgehen ist in jedem Fall rechtswidrig. Zwar testet Hamburg seit Februar 2025 verbindliche Festpreise als Alternative zur Abrechnung per Taxameter. Diese gelten aber ausschließlich für Fahrten, die vorab telefonisch oder per App über einen Vermittler bestellt werden. Sie werden von der Stadt vorgegeben und orientieren sich am streckenbasierten Taxameterpreis. Wer am Halteplatz oder an der Straße einsteigt, zahlt nach Taxameter gemäß der Hamburger Taxenordnung.
Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende geht Hinweisen auf illegale Festpreise nach. Laut einer Sprecherin könnten festgestellte Verstöße als nicht ordnungsgemäße Betriebsführung gewertet werden. Dann drohe der Widerruf der Konzession oder die Versagung einer Erteilung oder Verlängerung. Allerdings sei die Behörde auf Aussagen von Fahrgästen angewiesen, die Verstöße anzeigen und als Zeugen zur Verfügung stehen. In jedem Taxi muss deshalb bereits ein QR-Code mit Direktkontakt angebracht sein, über den sich auch Beschwerden einreichen lassen. Zusätzlich plant die Behörde einen Info-Flyer für Fahrgäste. Auffällig werden solche Verstöße laut der Behördensprecherin vor allem an touristisch frequentierten Orten: auf dem Kiez rund um die Reeperbahn, am Hauptbahnhof und am Flughafen.
Gewerbevertreter sehen sich genötigt, bei Berichten über solche Fälle aufzuklären, dass es sich um einzelne Betrüger handelt. Jan Weber, Vorstand der Genossenschaft Hansa-Taxi, ärgert sich laut Abendblatt darüber, dass solche schwarzen Schafe der ganzen Branche schaden. „Wir sehen das mit Sorge und begrüßen es, wenn die Behörde da einschreitet“, wird er zitiert. Betroffenen Fahrgästen rät er, sich Konzessionsnummer oder Kennzeichen zu notieren, eine Quittung zu verlangen und sich direkt bei der Behörde zu beschweren. Weber hatte bereits im vergangenen Jahr gefordert, 500 Fahrzeuge stillzulegen. Jan Grupe, Vorsitzender der Taxen-Union Hamburg, verweist auf eine laufende Marktbereinigung. Gegen einige unseriöse Unternehmen liefen Ordnungswidrigkeitsverfahren, etwa wegen Verstößen gegen Arbeitszeitvorschriften oder den Mindestlohn. Weber ist überzeugt: „Es kann der Branche nur helfen, wenn die schwarzen Schafe nicht mehr dabei sind.“
Ein weiteres Ärgernis betrifft den Flughafen. Dort haben in letzter Zeit offenbar Taxis auf der Abflugebene auf Fahrgäste gewartet, statt sich regulär im Taxispeicher anzustellen. Die Flughafen Hamburg GmbH hatte das geduldet. Künftig dürfen professionelle Fahrdienste dort keine Fahrgäste mehr aufnehmen. Weber begrüßt das ausdrücklich, weil diese Praxis die Wartezeit der Kollegen verlängert habe, die sich ordnungsgemäß anstellen.
Ganz anders gelagert ist der Fall einer Familie aus Eimsbüttel, über den das Abendblatt am Sonntag berichtete. Sie hatte für einen Ferienflug ein Taxi für den frühen Dienstagmorgen bei Hansa-Taxi vorbestellt. Der Wagen kam nicht, weil die Zentrale nach eigener Aussage „überbucht“ war. Mit gut einer halben Stunde Verspätung schickte eine Mitarbeiterin der Zentrale schließlich doch noch ein Taxi, und die Familie erreichte ihren Flug.
Grupe bestätigt dem Blatt einen Engpass seit Beginn der Herbstferien und nennt dafür handfeste Gründe. Die Zahl der Hamburger Taxis sei binnen eines Jahres von 3.050 auf 2.700 gesunken, nachdem die Verkehrsbehörde vor anderthalb Jahren einen Konzessionsstopp verkündet hatte. Rund die Hälfte der Konzessionen entfalle auf Einwagenbetriebe, die hauptsächlich tagsüber zwischen 9 und 17 Uhr im Einsatz seien und weniger in den Randzeiten. Mehrwagenbetriebe mit angestellten Fahrern hätten wegen des gestiegenen Mindestlohns, stark steigender Werkstattkosten und um bis zu 30 Prozent höherer Versicherungsprämien teilweise aufgegeben. Damit sich ein Taxi lohne, müsse es pro Betriebsstunde 38 Euro Umsatz erzielen. Hinzu komme, dass auch vorbestellte Fahrten meist erst 20 bis 30 Minuten vorher an einen Fahrer vergeben würden. Vor allem in den Ferien und an Sonntagen übersteige die Nachfrage dann das Angebot. Grupe sieht die Lösung vor allem in einer engeren Zusammenarbeit innerhalb des Gewerbes.
Auch die langen Wartezeiten am Flughafen haben laut Weber nicht in erster Linie mit fehlenden Taxis zu tun. Häufig stünden genügend Wagen im Taxispeicher bereit. Wer aber weit hinten in der Schlange der Fahrgäste stehe, müsse eben warten. Weil die früher eingesetzten Einweiser des Flughafens fehlten, dauere es zusätzlich länger. Eine Flughafensprecherin versichert dagegen, diese seien bei Bedarf vor Ort.
Weber wünscht sich eine bessere Kommunikation, etwa eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe, über die der Flughafen die Taxiunternehmer über Ausfälle und Verspätungen informiert. Es gehe ihm nicht um Schuldzuweisungen, „wir sollten gemeinsam bessere Lösungen finden“. Kritisch sieht er dagegen, dass der Flughafen die Nutzungsentgelte für den Taxispeicher zum 1. Dezember erhöht. Die Verkehrsbehörde räumt ein, dass es in Spitzenzeiten regelmäßig zu Engpässen komme. Wegen der hohen Kosten könnten die Unternehmen keine Fahrzeuge vorhalten, die in nachfrageschwachen Zeiten ungenutzt herumstünden. Institutionen mit hohem Bedarf seien daher selbst gefordert, diesen rechtzeitig gegenüber dem Gewerbe anzuzeigen.
Ob abzockende Fahrer oder bestellte Taxis, die nicht vor der Tür stehen: Wenn das Taxi gegen jegliche Konkurrenz punkten will, ist Zuverlässigkeit eine seiner wichtigsten Eigenschaften. ar
Beitragsbild: Taxis auf der Hamburger Reeperbahn; Symbolfoto: Axel Rühle







