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Auf der Suche nach Rollitaxis mit E-Antrieb

von Simon Günnewig
8. Mai 2026
Lesedauer ca. 6 Minuten.
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Auf der Suche nach Rollitaxis mit E-Antrieb
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Zwischen vielen Blaulichtfahrzeugen und allerlei Rettungszubehör findet man auf der Fachmesse Rettmobil auch viele Produkte und Lösungen für Taxi- und Mietwagenbetriebe, die auch Beförderungen für Personen mit Handicap im Portfolio haben. Genau dort hat sich die Taxi-Times-Redaktion umgesehen – und dabei das Hauptaugenmerk auf Elektro gelegt. 

Schon bevor unsere Redakteure am Messeeingang der RETTmobil ihre Eintrittskarte vorlegen konnten, trafen sie auf einen ersten Taxi-Times-Leser. Norbert Sogeberg hat für eine Diakonie in Güstrow im Landkreis Rostock den Fahrdienst aufgebaut. Obwohl er Angestellter ist, engagiert er sich im Unternehmerverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe in Mecklenburg Vorpommern, weil auch er auf betriebswirtschaftlich überlebensfähige Entgelte angewiesen ist – was ja in MV aufgrund der gescheiterten Verhandlungen mit den Krankenkassen derzeit nicht gegeben ist (Taxi Times berichtete).

Sogeberg hat den weiten Weg ins hessische Fulda auf sich genommen, um sich unter anderem über die Möglichkeiten zu informieren, Fahrzeugmodelle mit Platz für mehrere Rollstühle mit einem Elektro-Antrieb kombinieren zu können – Eine Frage, auf die auch die Taxi-Times-Redakteure bei der RETTmobil Antworten suchten.

Der vollelektrische Ford Transit von MobiLTec auf dem Messestand von Auto Pieroth.

Die eindeutige Antwort: Ja, in Fulda waren auch Elektro-Modelle mit Umrüstung zu sehen. Doch ähnlich wie bei der Anschaffung muss auch für die Umrüstung tiefer in die Tasche gegriffen werden. Ein bei Auto Pieroth ausgestellter Ford Transit mit Laderampe, Trittstufe und drei Rollstuhlplätzen kostet in der Umrüstung rund 20.000 Euro. Als Verbrenner wären nur 11.000 Euro angefallen, verrät ein Mitarbeiter der Umrüstfirma MobiLTec aus Bingen. Der Grund für den Preisunterschied: Die Umrüstung ist ungleich aufwendiger. Dort wo bei einem Verbrenner Rampen montiert, Sitzsysteme eingesetzt oder Trittstufen verbaut werden, ist häufig die Batterie im Weg. Eine zusätzliche Klimaanlage muss beispielsweise auf dem Dach montiert werden.

Ein weiteres Problem: Das Gewicht. E-Fahrzeuge wiegen in der Regel, im Vergleich zu einem Verbrenner deutlich mehr, ohne dass die Zuladung auch entsprechend angepasst wird. Das zeigte sich auch beim einem der neuesten Vertreter dieser Gattung. Der Kia PV5, der zur Zeit auch als Testwagen Mitglied der Taxi Times Redaktion ist. Der Wagen ist derzeit als Fünfsitzer erhältlich und kann auch als Rollstuhltransporter, beispielsweise mit Heckausschnitt, umgerüstet werden.

Der Kia PV5 mit Ausbau von AMF Bruns
Damit der Rollstuhl auch in die zweite Sitzreihe passt, hat man die Sitze weit auseinenader gezogen.

Einen der ersten umgebauten PV5 hatte AMF Bruns aus Apen, neben einem großen e-Sprinter-KMP auf seinem Messestand ausgestellt. Der Kia Van hat einen auf den ersten Blick klassischen Heckausschnitt verpasst bekommen. Tatsächlich war der Messewagen aber auch mit fast allen möglichen Optionen aufgebaut worden. So verfügte der Wagen nicht nur über den Heckausschnitt mit Rampe, sondern auch über einen kompletten Systemboden. Dadurch ist es dann sogar möglich den Rollstuhl zwischen zwei Sitzen in der 2. Sitzreihe zu fixieren.

Zusätzlich war der Messewagen auch mit einer Kopf-Nackenstütze FutureSafe und einem weiteren Klappsitz ausgestattet. Die Kopf Nackenstütze kann wahlweise so montiert werden, dass sie den Rollstuhlfahrer in der zweiten oder dritten Sitzreihe schützt. Um es gleich vorweg zu nehmen. Zwei Rollstuhlfahrer können in dem knapp 4,7 Meter langen Wagen nicht befördert werden und auch bei der maximal zu befördernden Personenanzahl muss man Abstriche machen.

Wie ein Mitarbeiter von AMF-Bruns bestätigte, sind eine fast schon unüberschaubare Vielzahl an verschiedensten Sitzkombinationen möglich, allerdings immer in Abhängigkeit von der verbauten Batterievariante. Der kleine 51,5 kWh-Akku bedeutet weniger Gewicht und kann deshalb im Zweifel mehr Personen befördern. Will man beispielsweise einen Klappsitz in der dritten Sitzreihe verbauen muss der Zugang durch die Beifahrertür möglich sein. Was auf keinen Fall funktioniert, auch wenn es der Innenraum vom Platz her zulassen würde, ist die Beförderung von fünf Personen (inklusive Fahrer) und einen Rollstuhl.

Zumindest solange, bis der PV5 als Siebensitzer ab Werk angeboten wird. Dieser Wagen soll dann auch mit einer höheren Nutzlast (derzeit 2.600 Kg) auf den Markt kommen. Ganz anders sah der PV5 Passenger auf dem Messestand von Schnierle aus. Er war als barrierefreier Rollstuhltransporter mit einem durchgängigen Systemboden ausgestattet, das allerdings OHNE! Heckausschnitt.

Der KIA PV5 mit einem besonderen Innenraumkonzept von Schnierle.

Der Prototyp auf dem Schnierle Messestand war mit einer seitlichen Rampe an der Schiebetür hinten rechts konzipiert. Innen konnten deshalb auch drei Sitzreihen verbaut werden. Der Wagen ist mit zwei Flexus2 Contour und zwei Flexus2 Klappsitzen auf einem Rail-In-Schienensystem montiert. Die Sitze waren frei positionierbar und durch die Klappfunktion kann im Fahrzeug Platz geschaffen werden. Die seitliche Rampe war auf der Messe noch zweigeteilt, was ausdrücklich als Zwischenstand dargestellt wurde. Ein wirklich relevanter Unterschied zu einem Heckausschnitt wird allerdings erst auf dem Paper sichtbar, denn die Schnierle Lösung ist deutlich günstiger und kostet nur die Hälfte.

Noch ist die gezeigte Rampenlösung ein Prototyp.
Auch beim Umbau von Schnierle spielt das zulässige Gesamtgewicht eine große Rolle.

Für die Zukunft denkt man bei Schnierle perspektivisch über ein Liftsystem und über eine Unterflurrampe nach. Dabei stößt man allerdings bei der DIN-Norm an seine Grenze, beispielsweise weil die Durchfahrtshöhe um wenige Millimeter zu gering ist. Da aber beim TX von LEVC ähnliche Schwierigkeiten erfolgreich gemeistert werden konnten, ist die fehlende DIN-Norm scheinbar keine unüberwindbare Hürde. Auch bei dieser Lösung war das Gewicht der limitierende Faktor. Maximal können 5 Fahrgäste, oder ein Rollstuhl und 4 Fahrgäste befördert werden.

Besuch aus China vom Farizon SV
Next-Van Geschäftsführer Michael Menkhoff vertreibt die umgebauten E-Fahrzeuge.

 

 

Wer auf der Suche nach einem elektrischen E-KMP war, der wurde auch direkt am Messeeingang fündig. Auf dem Messestand von DVI, einem Umrüstbetrieb aus dem Rheinland. Tatsächlich musste man zweimal hinschauen, bis man realisiert hatte, dass dort ein Farizon SV (steht für Supervan) mit einem Komplettumbau zu sehen war. Genau wie das London Taxi, Volvo, Lotus, usw. gehört die Marke zum Geely-Konzern. Dank verschiedenster Akkuvarianten, soll der SV nach WLTP in der größten Ausbaustufe mit 109 kW-Akku innerstädtisch bis zu 550 Kilometer weit fahren können. Die Angabe für den kombinierten Verbrauch verspricht 359 Kilometer.

Maximal vier Rollstuhlplätze verspricht der Aufwändig von DVI Mobile umgebaute Wagen. Wie aufwändig der Umbau ist, das zeigt direkt die neue Tür. Die anstelle der Schiebetür verbaut wurde. Auf Wunsch kann der Supervan mit Rampe oder Linearlift ausgestattet werden. Zudem hat man beim deutschen Vertrieb auch das Taxi im Blick und bietet die Ausbauvariante Taxi gleich mit an. Ansonsten waren in dem großen Außenbereich von DVI Mobile noch zwei KMPS und ein Caddy Maxi mit Heckausschnitt ausgestellt.

Atilla Bayer und sein Team zeigten in Fulda ihre Umbauten.
Dieser umgebaute Caddy Maxi ist mit einem Hybridmotor ausgestattet.

In den Zelten war unter anderem auch Atilla Bayer mit Team von Bayer-Fahrzeugtechnik auf einem Stand anzutreffen. Mit zwei Caddy Maxis auch war ein echtes Taxi in Hellelfenbein ausgestellt. Beide Fahrzeuge waren mit einem Heckausschnitt für die barrierefreie Rollstuhlbeförderung umgebaut, unterschieden sich allerdings zunächst nur marginal. Auf den zweiten Blick stellte sich das Taxi als einen der ersten Caddy Maxi Hybrid mit Heckausschnitt heraus, während der zweite Caddy mit einer Tragesitzschiene ausgestattet war. Was, wie Atilla Bayer erklärte im gleichen Zuge den Verbau einer anderen Bodenwanne bedeutete. Dies ist nötig, da man die Schiene bei Bayer Karosseriebau auf einen ebenen Boden aufsetzen will, um auch die notwendigen Sicherheitsreserven zu bieten.

DIE Transform war mit einem Taxi und einem KMP auf dem Messestand vertreten.

Ein zweites Fahrzeug im Taxidress gab es auf dem Stand von DIE Transform zu sehen. Dort war der Klassiker, der Caddy Maxi ausgestellt. Der Caddy war mit einer extrabreiten Rampe für eine komfortable Durchfahrt ausgestattet und die Bodenwanne ist extratief gehalten, damit ausreichend Kopffreiheit gesichert ist. Ein Sprinter zeigte dann, was DIE Transform im Bereich der KMPs leisten kann. Maximal vier Rollstühle oder neun Personen können die Umbauten befördern. Der Clou bei DIE Transform: Alle Fahrzeug stehen fertig umgerüstet ab Lager zur Verfügung. Eine weitere Messeneuheit war zwar nicht vor Ort, aber wenn DIE Transform ihre VW Touran Taxis Lagerfahrzeuge abverkauft hat, wird eine neues Fahrzeug zum Taxi umgerüstet. Vorab sei schonmal soviel verraten, das Fahrzeug ist ein BYD und mit einem Plug-in-Hybrid-Antrieb ausgestattet.

 

Im Außenbereich auf dem Messestand von Activa konnten gleich mehrere Neuheiten vorgestellt werden. Von ganz klein, wie Zuglaschen für einen Tragestuhl, mit denen der Tragestuhl auch gesichert werden kann, hin zu einer ganz frischen Ausführung einer Rollstuhlrampe vom Activa-Partner API, die nicht mehr mechanisch, sondern elektrisch auf Knopfdruck entriegelt wird. der eigentliche Clou bei der Rollstuhlrampe ist aber, dass sie beleuchtet ist und über die Farbe der Beleuchtung eine Überladung (max. 300 Kg) oder eine einseitige Belastung signalisieren kann. Ganz groß war dann ein Renault Master L2H2- Ausbau zum 9-Sitzer mit im Haus gefertigter Innenverkleidung, einem Hecklift, neun Sitzplätzen oder vier Rollstuhlplätzen und einer zusätzlichen Klimatisierung.

Sicher über Kreuz gegurtet.

Ebenfalls traditionell im Außenbereich zu finden sind die Fahrzeuge von EVS (European Van Service). Neben barrierefreien Spezialbikes und zwei gut ausgestatteten KMPs, einer davon mit einem tiefergelegten Eingang über die Beifahrertür wurde auch eine Sitzlösung vorgestellt, bei der Fahrgast, mit zwei Dreipunktgurten gesichert werden konnte. So ein Sitz kommt gerade bei Fahrgästen, die über wenig Köperspannung verfügen zum Einsatz. Durch die Sitzkonfiguration wird ein seitliches Umkippen effektiv verhindert.

Unterm Strich hat sich die Reise nach Fulda gelohnt, denn dort konnte man die Konzepte der verschiedenen Umbauer direkt vergleichen, Das Angebot der vielen Lösungen hat auch in diesem Jahr wieder einmal gezeigt, dass gerade für Taxibetriebe, die Fahrzeug maximal flexibel sein müssen, denn jeder Betrieb setzt den Wagen individuell anders ein. sg/jh

 

 

 

Beitragsfoto: Der erste Messetag in Fulda war zum größten Teil trocken. Alle Fotos in diesem Beitrag Taxi Times

Tags: ActivaAMF-BrunsBayer KarosserietechnikDVI MobileMobiltecRETTmobilSchnierle
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Simon Günnewig

Als „Redakteur Technik“ betreut er die Fahrzeug- und Zubehör-Themen in den klassischen Print und Onlinekanälen der Taxi-Times. Weiterhin ist er Ansprechpartner für Bewegtbild und digitale Distribution der Taxi Times Inhalte.

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