Kompakte Abmessungen, elektrischer Antrieb und Platz für einen Heckausschnitt. Der Kia PV5 zieht alle Register, um einen festen Platz in der Personenbeförderung zu erlangen.
Bereits als der PV5 mehr oder weniger nur auf dem Papier existierte, hat Kia den Wagen auch dem Taxigewerbe angepriesen. Zwei Dinge sind damals besonders auffällig gewesen, denn für den Wagen wurde eine Taxi-Version und eine Variante für die Rollstuhlbeförderung angekündigt. Beim Layout des Fahrzeugs orientierte sich Kia am Schnitt der London Taxis, also anstelle des Beifahrersitzes Stauraum und eine Rollstuhlrampe, die über eine seitliche Tür den Zugang im Fahrzeug bietet. Für die deutschen Umrüster ist das einerseits eine Stylevorlage, aber auch die Möglichkeit, etwas anders zu machen.
Wie genau, dass konnte sich die Taxi Times Redaktion bereits ausführlich auf der RETTmobil anschauen, wo zwei Rollstuhlumbauten von Schnierle und AMF Bruns ausgestellt waren. Eine dritte Version wartete bereits in der Redaktion auf einen ausführlichen Test.

Der Testwagen ist mit einem Heckausschnitt von AMF Bruns ausgestattet, der sich von der in Fulda ausgestellten Variante deutlich unterscheidet. Er hat die serienmäßige Zweiersitzbank behalten, hat aber als Sitz in Reihe zwei einen Klappsitz bekommen. Dieser Klappsitz ist notwendig, um die Bestimmungen für die Rollstuhlbeförderung zu erfüllen, denn man muss von vorne an den Rollstuhl gelangen können. Immerhin ist das Gestühl bequem gehalten und die Rückenlehnen können in der Neigung verstellt werden. Bei der Zweiersitzbank kann die Rückenlehne auf die Sitzfläche gelegt werden. Das schafft zwar objektiv betrachtet keinen Platz, subjektiv steigert sich aber das Raumgefühl.

Das bestätigt auch Florian Bachmann. Bachmann hat sich als Taxiunternehmer in München schon viele Jahre auf die Rollstuhlbeförderung spezialisiert. Aber er kennt auch die E-Mobilität, denn bislang setzt er auf einen vollelektrischen Nissan e-NV200 mit Heckausschnitt. Bei einem gemeinsamen Treffen kam die Lösung von AMF Bruns sehr gut an. Lediglich einen komplett ebenen Heckausschnitt hätte sich Bachmann gewünscht. Für die Menschen im Rollstuhl sei das angenehmer, als immer leicht nach hinten geneigt zu sein. Auch überzeugte ihn die bauliche Ausführung und die Tatsache, dass der PV5 eindeutig einen PKW-Charakter habe, was von den Fahrgästen dankbar angenommen wird.

Aber es gibt noch mehr Varianten. Erst in dieser Woche hat Kia den bereits angekündigten PV5 WAV (Wheelchair Accessible Vehicle) vorgestellt. Er soll direkt auf der Kia Fertigungslinie gebaut werden und ermöglicht zwei Sitzkonfigurationen 2-0-3 und 2-0-1. Mit dem Wagen will man neben Familien auch Taxidienste und Shuttle-Betriebe ansprechen. Der Zugang erfolgt über eine seitliche Rampe mit einem Winkel von maximal 13,1 Grad. Die Produktion des PV5 WAV soll im Juli starten.
Derzeit hat der E-Van allerdings mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Der ursprünglich als Fünfsitzer ausgelieferte PV5 Testwagen mit dem großen Akku darf maximal 2.600 kg bewegen und hat durch das hohe Akkugewicht nur wenig Spielraum bei der Zuladung. Das schließt letztlich die Kombination von einem Fahrer, vier Fahrgästen und einem Rollstuhl aus. Auch wenn es der Platz zulassen würde, kann diese Kombination erst dann zur Realität werden, wenn im dritten Quartal dieses Jahres der PV5 auch als Siebensitzer mit einer höheren Zuladung bestellbar sein wird. sg







